Geldern: Tatort Kunst an der Bönninghardt-Schule

Geldern: Tatort Kunst an der Bönninghardt-Schule

Der Künstler Peter Helmke gestaltet mit Schülern der Schule für Behinderte eine Projektwoche.

15 Jugendliche der Bönninghardt-Schule sind in ihrem Element. In verschiedenen Räumen wie dem Kunsthandwerkerraum oder aber dem offenen Atelier, den sie mit Flatterband als "Tatort Kunst" abgesperrt haben. Dort arbeiten sie an ihren Objekten. Das Motto der Kunstwoche, die zunächst mit den Osterferien endet, lautet "Ich bin Ich" und ermöglicht die kreative Auseinandersetzung auf verschiedenste Art.

Der Mülheimer Künstler und Designer Peter Helmke ist der Motor, der gemeinsam mit der Gruppe die Ideen entwickelt und hilft, sie zu realisieren. Parallel dazu leistet er seinen Part mit der Kamera. "Ich bin bereit, gewohnte Wege zu verlassen", sagt er. "Am liebsten mache ich das, was ich nicht kann. Ich bin neugierig", so der Künstler.

Zunächst entstand ein grober Plan, der viel Raum ließ. Helmke setzte Impulse und organisierte mit den Lehrkräften Materialien, die für die Projektarbeit gebraucht wurden. Die Portion Neugier hat sich inzwischen längst verselbstständigt und sorgt bei den Teilnehmern für Selbstvertrauen im Umgang mit dem eigenen Kunstprojekt. "Die Jungen und Mädchen üben sich in der Selbstwahrnehmung, das Anderssein als Andere kennen sie. Das Projekt zeigt ihnen, wie sie heute sind", sagt Helmke. So ließ sich ein Jugendlicher als Seriendarsteller im schwarzen Jason-Outfit fotografieren. Wünsche hatten die Teilnehmer zuvor in ihren Steckbriefen notiert. Simon hat von sich und seiner Zwillingsschwester ein face-to-face-Bild, sprich von Angesicht zu Angesicht in Schwarz-Weiß, gemalt. Anders Kevin (11), der ein Faible für Fitness-Center hat und kurzerhand in seinem Bild einen Hirsch auf dem Laufband verewigte. Oder aber Nico, der Bewegung liebt, wie er mit dem Symbol der laufenden Beine verrät. Jede der Arbeiten erzählt eine eigene Geschichte. 2018 hatte Schulleiter Lothar Petrikowski Kontakt mit Helmke aufgenommen. "Im vergangenen Jahr hatten wir ein Tanzprojekt. Diesmal ist es diese Art der Kunst.", sagt er. Und: "In den nächsten Jahren wollen wir diese Form von Projektarbeit in den Schulalltag einfließen lassen", so der Schulleiter. Die Reaktionen aller Beteiligten seien "hochpositiv". Auch die Begegnung mit anderen Schulen hält er für wichtig. "Das ist Inklusion, wenn wir mit unseren geistig behinderten Schülerinnen und Schülern zu Besuch sind. Wir müssen im Sinne der Inklusion mehr in die Öffentlichkeit", so Petrikowski.

Für Peter Helmke brachte die intensive Projektarbeit neue Erfahrungen. "Eine tolle Truppe. Ich hatte im Zivildienst ersten Kontakt zu Menschen mit Handicaps", so Helmke. Ihn faszinierte der leichte wie unbekümmerte Umgang. Die Jugendlichen haben ihn in ihren Reihen aufgenommen. "Ihre Ehrlichkeit beeindruckt mich. Zuneigung bekomme ich 1000-fach zurück". Das Kunstprojekt geht nach den Ferien weiter. Am Mittwochvormittag, 11. April, schwärmen die Jugendlichen sternförmig mit Bussen nach Bönninghardt und in die Nachbarkommunen Xanten, Alpen und Kamp-Lintfort aus. Dort soll es einen richtigen Flash-Mob geben, heißt es, wobei nochmals Kunst im öffentlichen Raum platziert wird. Das Projekt hat neue Seite geweckt, wie Petrikowski feststellt. "Sie arbeiten sehr konzentriert."

Die anfängliche Befürchtung eines Schülers "Ich dachte, die Woche wird langweilig" ist damit hinfällig. Die nahenden Osterferien ohne Kunstprojekt, ohne Farbe, ohne Pinsel könnten dagegen eher das Problem werden.

Gefördert wird die Kunst-Projektwoche übrigens im Rahmen des NRW-Landesprogramms "Kultur und Schule".

(RP)