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Gelderland: Spritpreis: Sorgen um Existenz

Gelderland : Spritpreis: Sorgen um Existenz

Die rekordverdächtigen Kraftstoffpreise bereiten Spediteuren große Sorgen: An eine Umlage der Mehrkosten auf Kunden sei nicht zu denken. Und auch bei Taxiunternehmen ist die Stimmung trotz gestiegener Tarife schlecht.

Seit Tagen müssen Autofahrer an den Zapfsäulen wieder tief in die Tasche greifen. Gestern lag der Preis für Super im Bundesdurchschnitt bei 1, 61 Euro, für Diesel wurden um die 1,42 verlangt. Die erneute Preisexplosion trifft vor allem Spediteure und Taxifahrer im Gelderland. Sie haben große Probleme, die hohen Kosten aufzufangen — und fürchten um ihre Existenz.

"Um die Kosten reinzuholen, müssten wir eigentlich die Preise um zehn Prozent erhöhen. Aber das ist am Markt nicht durchsetzbar", sagt Jennifer Ahland von der gleichnamigen Speditionsfirma. Die sechs 40-Tonner der Ahland Logistics GmbH schlucken pro Tag fast 1200 Liter Diesel. "Da kämpft man um jeden Auftrag", erklärt die Dispositionsleiterin.

An die Mehrkosten durch den gestiegenen Kraftstoffpreis will Ahland gar nicht erst denken. Kein Wunder: Bereits im vergangenen Jahr waren im Vergleich zu 2010 fast 45 000 Euro mehr fällig. Ahland: "Diese Summe komplett auf die Kunden umzulegen, ist nicht machbar."

Spediteur Jakob Brimmers schätzt die derzeitige Lage ähnlich ein: "Der aktuelle Dieselpreis ist eine Frechheit. Aber was können wir schon großartig dagegen unternehmen?" Für die in Straelen ansässige Spedition Jakob Raeth ist eine Flotte von 50 Lkw, die im Jahr auf eine Laufleistung von etwa sechs Millionen Kilometer kommen, am linken Niederrhein unterwegs. "Die Dieselkosten machen 25 bis 28 Prozent unserer Gesamtkosten aus. Da freut man sich natürlich nicht, wenn der Preis immer weiter steigt", sagt Brimmers.

Aber nicht nur in der Speditionsbranche sorgt der hohe Spritpreis für Unmut. "Wir haben Angst, dass uns die Kunden wegbrechen", erklärt Johanna Germes vom gleichnamigen Gelderner Taxi- und Busunternehmen. Inzwischen sei der Dieselpreis so hoch, dass Taxi-Fahren zum Luxus geworden ist.

Die Erhöhung der Tarife im Kreis Kleve — seit dem 15. August beträgt die Grundgebühr 2,80 Euro; der Tagespreis wurde um zehn Cent auf 1,40 Euro pro Kilometer angehoben; Nachtfahrten kosten ab jetzt 1,60 Euro pro Kilometer — sei deshalb nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auch Brigitte Hellmann fürchtet um die Zukunft ihres Taxiunternehmens. "Wir haben Mehrkosten von fast 1000 Euro pro Monat.

Das kann nicht jeder lange mitmachen." Hellmann würde sich wünschen, dass der Staat den Unternehmern entgegenkommt — etwa bei der Steuer, die einen Großteil des Spritpreises ausmacht.

Und auch bei der Polizei machen sich die Rekordpreise bemerkbar. "Der Diebstahl von Kraftstoff ist lukrativer geworden", sagt Polizeisprecher Manfred Jacobi. Bester Beweis: Erst vor einer Woche zapften Unbekannte 300 Liter Diesel aus dem Tank eines Lkw, der auf dem Rastplatz Tommheide in Wachtendonk stand.

(RP/rl)