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Issum: Pop-Up-Welten im Issumer His-Törchen

Issum : Pop-Up-Welten im Issumer His-Törchen

120 Bücher aus mehr als 80 Jahren. Etliche Werke zum selber öffnen und staunen sowie Funktionsmodelle, die vor Augen führen, welche Finesse in diesen Arbeiten steckt. Bei dieser Ausstellung bringt jedes Umblättern eine Überraschung.

Wer erinnert sich nicht gerne an die beweglichen "Pop-Up"-Bücher, die mit einer kleinen Bewegung der Seite ganze Welten dreidimensional entstehen lassen? Leider sind diese Werke in den zurückliegenden Jahrzehnten im Zuge der weltweiten Digitalisierung immer mehr aus den Haushalten verschwunden. Doch glücklicherweise gibt es Menschen wie Sammler Ulrich Tietz, die sich mit Leib und Seele den vielseitigen "Pop-Up"-Arbeiten verschrieben haben.

Seit Sonntag ist eine große Ausstellung zu dieser Buchgattung im Issumer His-Törchen zu sehen. Dort gibt es viele Schätze zu entdecken und die Besucher werden mit zahlreichen ausliegenden Werken dazu eingeladen einmal selber Hand anzulegen und beim Umblättern zu staunen. "Wie viele Menschen kenne ich die ,Pop-Up'-Bücher auch aus meiner Kindheit", erinnerte sich Bürgermeister Clemens Brüx bei der Eröffnungsrede. "Aber irgendwie habe ich sie dann aus den Augen verloren. Es ist schön, hier im His-Törchen jetzt wieder in die Welt dieser Arbeiten einzutauchen. Ich habe viele Sachen zehnmal aufgeklappt und immer wieder etwas Neues gefunden. Dabei merkte ich: Der Begriff 'Pop-Up-Buch' wird dem Ganzen gar nicht gerecht, denn für mich sind es echte Kunstwerke."

Dem stimmte Ulrich Tietz zu, der seit 35 Jahren diese Art von Werken sammelt: ",Pop-Up'-Bücher haben eine große technische und thematische Vielfalt". Die rund 120 Stücke in der Ausstellung zeigen dies auf eindrucksvolle Weise. Vom gruseligen "Facetasm"-Buch von Charles Burns, bei dem verschiedene mutierte Gesichter ineinander übergehen, bis hin zu klassischen Märchengeschichten von Vojtech Kubasta gibt es eine ganze Wunderwelt von unterschiedlichen Arbeiten zu entdecken: gewundene Seelandschaften bei einem Buch über "Die kleine Meerjungfrau" und parodistisch überzeichnete Pop-Stars bei einer Geschichte von zügellosen Entertainern. Beim "Popigami" sieht man eine wunderbare Verbindung zwischen Origami- und Pop-Art-Kunst.

Es ist auch unglaublich spannend zu sehen, wie die Mechanismen der "Pop-Up"-Bücher sich über die Jahre immer weiter verfeinert haben. Neugierige Forscher können dabei einmal selbst bei rund 20 Funktionsmodellen nachvollziehen, wie die eleganten Klapp-, Schieb- und Ziehmechanismen funktionieren. Eines der ältesten Werke der Ausstellung ist von Anfang der 30er Jahre. "Doch ich habe bewusst keine teuren Raritäten ausgestellt, sondern die besonders eindrucksvollen Stücke und jene Bücher, die einen mit ihren Funktionen überraschen können", so Ulrich Tietz.

Eines der atemberaubendsten Werke in seiner Sammlung führte Tietz bei der Eröffnung vor: einen edlen Prachtband zu Ehren des thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej. Auf einer Doppelseite entfaltet sich ein feines Anwesen dreidimensional aus dem Buch. Laschen eröffnen weitere Texte und Elemente, während im Hintergrund Lichtdioden ein Feuerwerk simulieren und eine Tonaufnahme zur Feier des Moments abgespielt wird.

Die Ausstellung ",Pop-Up'-Bücher - eine unterschätzte Buchgattung" sollte sich keiner entgehen lassen, der seine Kindheitserinnerungen wachrütteln oder atemberaubende Bild- und Faltkunst erleben will.

(ckn)