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Lokalsport: "Panzer" Müller und die Fußballfreunde

Lokalsport : "Panzer" Müller und die Fußballfreunde

Vor 40 Jahren war der TuS Gelria 09 Geldern in der höchsten deutschen Amateurklasse im Einsatz. Jetzt gab's für Trainer Hartmut Heidemann und seine Jungs im "Schwarzen Pferd" ein freudiges Wiedersehen.

Das waren noch Zeiten, als Fußballer noch echte Freunde waren - und zwar durchaus mehr als elf. Vor genau 40 Jahren mischte der TuS Gelria 09 Geldern in der höchsten deutschen Amateurklasse mit. Zu den Wortführern auf dem Platz gehörte damals Franz Müller. Spitzname "Panzer", den kein gegnerischer Spieler gerne auf sich zurollen sah. Das Kicker-Urgestein aus Kamp-Lintfort versammelte jetzt noch einmal in der Gelderner Gaststätte "Schwarzes Pferd" den großen Freundeskreis um sich, der 1977 den Aufstieg in die Verbandsliga perfekt gemacht hatte.

Da sich die Erfolgskicker von einst zu seriösen, alten Herren entwickelt haben, ging es gesitteter zu als bei der legendären Aufstiegs-Party. Im Sommer 1977 hatte die Mannschaft das komplette Hotel "Rheinischer Hof" gemietet - inklusive Übernachtung und Frühstück. Müller: "Wir haben auf unseren Zimmern weiter gefeiert und nachts noch die Küche geplündert. Es war ja sonst keiner mehr da." Vor der großen Wiedersehensfeier nahm sich "Panzer" die Zeit, um die Aufstiegshelden von einst noch einmal vorzustellen. So spielte der TuS Gelria 09 vor bis zu 3000 Zuschauern:

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Tor: "Reinhard Flamming, ein ganz Ruhiger, aber richtig gut. Manchmal war auch Jürgen Kassen an der Reihe. Der hatte Hände wie Kohlenschüppen."

Abwehr: "Rechter Verteidiger war Pit Schieweck, zuverlässig und solide. Letzter Mann Klaus Rach, ein echtes Kopfballwunder. Unser Vorstopper Werner Pütter hatte einen richtigen ,Bumms' im rechten Fuß. Auf der linken Seite verteidigte Hartmut Scholz, unser torgefährlicher Kapitän."

Mittelfeld: "Rechter Läufer Uwe Brouwers war enorm zweikampfstark. In der Mitte führte Fredi Sollinger Regie. Der wäre besser Leichtathlet geworden, so wie der immer gelaufen ist. Aber Fußballspielen konnte er nebenbei auch noch. Linker Läufer war meine Wenigkeit. Ich brachte viel Erfahrung und eine ordentliche linke Klebe mit."

Angriff: "Vorne rechts hatten wir Heinz Lohrbach und Günther Gehnen, das waren zwei Trickser vor dem Herren. Auch Tschage und Helmus waren technisch sehr beschlagen. Mittelstürmer war Klaus Linßen, ein ganz gefährlicher Mann und schnell."

Trainer: "Hartmut Heidemann war der beste Trainer, den ich je hatte. Zwar ein ,harter Hund', aber immer korrekt. Nur faule Kompromisse konntest du mit dem nicht machen. Der hat uns grundsätzlich gesiezt und wir ihn auch. Zigaretten und Alkohol gab es nicht, so ,Spirenzkes' konnten wir uns nicht erlauben. In der Kabine war der Trainer immer ruhig, dienstags beim Training konnte er auch mal deutlicher werden. Aber er konnte auch loben."

Ersatzbank: "Bestimmt habe ich jetzt den einen oder anderen vergessen. Aber das ist natürlich keine Absicht."

Der Zusammenhalt von damals ist immer noch vorhanden: 32 (!) Spieler und Trainer Heidemann folgten der Einladung und schwelgten in Erinnerungen. Selbstverständlich machten auch Anekdoten die Runde. So beispielsweise der Grund, weshalb die 09er im Verbandsliga-Auftaktspiel auf ihren "Panzer" verzichten mussten. Müller: "In einem Vorbereitungsspiel gegen Viktoria Goch hatten wir eine richtige Pflaume als Schiedsrichter. Der hat mir für nix die Rote Karte gezeigt."

Vielleicht landete die Mannschaft deshalb 1978 mit 30:30-Punkten und 46:45-Toren "nur" auf Platz zehn und verpasste die Qualifikation für die neue Oberliga um Haaresbreite. Franz Müller zeigt sich in der Erinnerung selbstkritisch: "Unter dem Strich haben uns gerade einmal zwei Punkte gefehlt. Wir sind an unserer eigenen Dummheit gescheitert. Am letzten Spieltag gegen Meerbeck haben wir 90 Minuten auf deren Kiste gespielt und kein Tor gemacht."

Das letzte Wort soll selbstverständlich der Trainer haben. Hartmut Heidemann, der damals vom MSV Duisburg als Nationalspieler nach Geldern gekommen war: "Die Feier war ganz toll. Und ich muss ehrlich zugeben: Auf den ersten Blick habe ich nicht sofort alle wiedererkannt."

(ütz)