Geldern: Junge Gäste aus aller Welt im Tipi-Dorf

Geldern: Junge Gäste aus aller Welt im Tipi-Dorf

Die Jugend der Welt traf sich im Tipi-Dorf Walbeck. Zu Spaß, Spiel, Sport, Unterhaltung und - es wurde Deutsch gesprochen. Eine Sprache, die für die Hälfte, also rund 60 junge Leute im Alter von 16 bis 18 Jahren, vor knapp einem Jahr zu Beginn in Deutschland noch vollkommen fremd war.

Eingeladen waren deutsche Gleichaltrige, deren Abreise ins Ausland kurz bevorsteht. Diese Lebensphasen werden begleitet und gefördert von den jeweiligen Rotary-Clubs. "Unser Ziel des Schüleraustausches", so erklärte Günter Herrmann, Beauftragter für den Jugenddienst im Rotary-Club Geldern: "Völkerverständigung und Verbindung von verschiedenen Kulturen."

"Ich konnte damals nur sagen: Amerika ist cool", erzählt Rachel aus Michigan von ihrem Antritt zu Schuljahresbeginn in der Kamp-Lintforter Schule als die frische "Austauschschülerin aus Amerika". In einwandfreiem Deutsch mit leichtem Akzent überzeugt sie jeden, wenn sie jetzt schwärmt: "Deutschland ist sehr besonders. Ich habe jeden Tag etwas Neues gelernt, deutsche Worte, Eindrücke. Ich habe viele Freunde kennengelernt, liebe es mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Hier sind die Entfernungen so anders." Außerdem, so gesteht die quirlige junge Dame, habe sich ihr Verhältnis zur Mutter sehr verändert. "Es war bisher gut, aber über die Distanz hat sich unsere Mutter-Tochter-Bindung gefestigt." Deshalb freue sie sich sehr auf die anstehende Europa-Tour mit ihr. Was sie in Michigan sicher vermissen werde, seien die herrlichen Schoko-Croissants aus dem Gastgeberland und die langen Spaziergänge. Auch Nicolas aus Bogota/Kolumbien ist sichtbar glücklich. Nicht nur weil er gerade beim Fußballspiel einen Ball im Netz platzierte. Der 17-Jährige plant sogar, nach dem Abitur und einem speziellen Studienkolleg in Deutschland Mechatronik-Technik zu studieren. "Ich finde es hier super, weil alles organisiert ist. Im Unterricht sind alle konzentriert und so diszipliniert", erklärt der Gast des Rotary-Clubs Kleve, momentan bei der Gastfamilie in Kalkar.

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Günter Hermann erläutert das Prinzip des Schüleraustausches seiner Organisation: "Die Motivation sowohl der Inbounds als auch der Outbounds ist es, jeweils Land und Leute kennen zu lernen. Das geschieht überwiegend über die Sprache des jeweiligen Gastlandes." Inbounds werden bei den Rotariern die Gäste bezeichnet, die nach Deutschland kommen. Outbounds sind die Schüler, die für etwa ein Jahr in alle Welt gesendet werden. Es sei angestrebt, je einen zuvor ausgewählten Teenager aus zu entsenden und dafür einen in Deutschland zu Gast zu haben. Das Alter um 16 Jahre sei gezielt anvisiert, weil es für die Rückkehrer nach einem Jahr im Ausland leichter sei, schulisch wieder Anschluss zu bekommen. "Die Inbounds hier sind angehalten, an den wöchentlichen Meetings der jeweiligen Clubs teilzunehmen", berichtet Herrmann. Bis auf die Tour durch Deutschland und Einladungen der Gastfamilien trage jeder Schüler beziehungsweise die Eltern die Kosten und Flug selbst. Nach dem Akklimatisieren in Deutschland fahren die Inbounds während der Herbstferien auf Deutschland-Erkundungsreise.

Akklimatisieren war vor zehn Monaten auch das Stichwort für Maura aus Paraguay. "In meiner Heimat ist es so heiß, hier musste ich mich erst einmal an die Kälte gewöhnen. Zu Hause habe ich drei Geschwister", berichtet die 17-Jährige, dass sie in einer Gastfamilie mit zwei Geschwistern lebt. Maura hat genaue Vorstellungen ihres weiteren Lebenslaufs: "In Paraguay die Schule beenden und danach Medizin studieren." Doch bevor es soweit ist, genießt sie so oder so die letzten Tage in Deutschland und das Adventure-Wochenende in der Gruppe. Die ist jetzt erst einmal zum Paddeln auf der Niers verabredet.

(mk)
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