Straelen: Zwei Engländer im EÜK ausgezeichnet

Straelen: Zwei Engländer im EÜK ausgezeichnet

Der Straelener Übersetzerpreis 2018 ging an Katy Derbyshire. Den Förderpreis erhielt Simon Pare. Bewusste Entscheidung vor dem Hintergrund des Brexit. Viel Applaus zum 40-jährigen Bestehen des Hauses an der Kuhstraße.

Emotionen spielen immer eine Rolle, wenn im Atrium des Europäischen Übersetzer-Kollegiums (EÜK) der Straelener Übersetzerpreis verliehen wird. Und diesmal waren sie überwältigend. Katy Derbyshire konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, als sie sich, nach ihrem Dank an viele Helfer und befreundete Übersetzer, an ihre Mutter wandte. Die war zu Recht stolz auf ihre Tochter. Hatte die Jury ihr doch den mit 25.000 Euro dotierten Preis für die Übersetzung von Clemens Meyers "Im Stein" zuerkannt. Der Förderpreis (5000 Euro) ging an Simon Pare für die Übertragung von Christoph Ransmayrs "Der fliegende Berg" ins Englische.

Dr. Ursula Sinnreich, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, übergab die Auszeichnungen. Sie machte die politische Dimension der Verleihung deutlich. Vor dem Hintergrund des drohenden Brexit sei die Entscheidung bewusst für englische Übersetzer getroffen worden. Europa und die Welt verdankten England das grundlegende Gesetzeswerk Magna Carta, Schriftsteller wie William Shakespeare und Jane Austen, Persönlichkeiten wie Henry Purcell und Amy Winehouse, Alfred Hitchcock und Emma Thompson, Francis Bacon, Stephen Hawking, Sir Norman Foster. "Und zwei so wundervolle Übersetzer wie Katy Derbyshire und Simon Pare."

EÜK-Präsident Claus Sprick begrüßte die Gäste. "Nur gelungene Übersetzungen fördern die internationale Begegnung", betonte er. Wie groß der Anteil des EÜK daran ist, machte die Generalsekretärin der Kunststiftung deutlich, die auf den runden Geburtstag des Hauses an der Kuhstraße einging. "Seit 40 Jahren treffen sich hier Autoren und Übersetzer."

Das EÜK bilde den Rahmen für Konzentration und Ruhe, biete die Chance für Diskurs und Begegnung. Die Leistung der Menschen an diesem Ort der Inspiration und Kommunikation verdiene höchste Anerkennung. Ein Urteil, das vom starken Beifall der Anwesenden unterstrichen wurde. Nur durch Übersetzungen erhalte man Kenntnis der Literatur der ganzen Welt. Wenn eine Übersetzung gelinge, seien Übersetzer großartige Schriftsteller, befand Julia Franck. Die Autorin hielt die Laudatio auf die beiden Preisträger, denen sie beide für ihr "glänzendes Werk" dankte. Ohne die Liebe zur Literatur könne es keinen Roman und kein Gedicht geben, aus der eine exzellente Übersetzung spricht.

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"Poesie kann nur im Hirn des Menschen entstehen." Katy Derbyshires Hirn feiere Hochzeit mit Meyers "Im Stein". Ihre Übersetzungen ermöglichten das Wiedererkennen und die Entdeckung von Romanen, fänden deren originäre Tonlage in der englischen Literatur. Der rauschhafte Blick auf die Figuren sei noch stärker ausgearbeitet als im Original.

Pare, der Ransmayrs Vorlage in seiner Dankesrede als "fantastischen Flattersatz-Roman" charakterisierte, hat sich nach Ansicht der Laudatorin vom Versmaß des Originals gelöst - um dann doch zum lyrischen Versende zurückzufinden. Der Träger des Förderpreises dankte dem mutigen Verlag, der nach vielen Jahren eine Veröffentlichung in England möglich gemacht habe.

Gitarrist Brad Richter aus Tucson (Arizona) lieferte den virtuosen musikalischen Rahmen des Festakts. Danach kam es beim Büfett vom "Goldenen Herzen" noch lange zu anregenden Gesprächen, nicht nur rund um Literatur und Übersetzungen.

(RP)
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