Geldern: Stadt Geldern hat Finanzamt gekauft

Geldern: Stadt Geldern hat Finanzamt gekauft

Vertrag mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes ist unterschrieben. Zu Jahresbeginn hatte Peter Werle aus Alpen den Zuschlag für das leere Gebäude am Mühlenturm bekommen. Ärztezentrum und Hotel nun wieder möglich.

Erneute Wende im Fall des alten Finanzamts in Geldern: Nun hat doch die Stadt Geldern die leerstehende Immobilie am Südwall gekauft. Zu Jahresbeginn hatte der Architekt und Projektentwickler Peter Werle aus Alpen eigentlich den Zuschlag für das ehemalige Finanzamtsgebäude am Mühlenturm bekommen - nach eigenen Angaben jedoch, ohne konkrete Pläne für das Gebäude zu haben.

Das Gebäude, das zuletzt vom Land als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde und seitdem leer steht, war versteigert worden. Die Stadt Geldern gehörte zu den Interessenten, wurde jedoch von Werle überboten. Nachdem die Stadt Geldern hinter den Kulissen angekündigt hatte, auch dazu bereit zu sein, ihr Vorkaufsrecht auf die Immobilie an der Gelderstraße auszuüben, kam es nun zum Abschluss eines Kaufvertrages mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB).

Zuvor hatte es eine Dringlichkeitsentscheidung gegeben, die später nicht-öffentlich vom Rat genehmigt worden war. Damit schließt sich ein Kreis: Bereits 2014 hatte der Rat erstmals beschlossen, den damaligen Bürgermeister Ulrich Janssen damit zu beauftragen, dass vor sich hin gammelnde Gebäude dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes abzukaufen.

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Bürgermeister Sven Kaiser zeigte sich gestern sehr erfreut: "Das Grundstück ist für die Weiterentwicklung der Innenstadt von großer Bedeutung. Nach dem Vertragsabschluss mit dem Land geht es nun darum, zügig zu klären, wie das Objekt im Sinne einer positiven Stadtentwicklung sinnvoll genutzt werden kann." Dabei, so Sven Kaiser weiter, seien auch die Nutzung als Hotel und ebenso das Konzept zur Einrichtung eines Ärztehauses interessante Vorschläge, die weiter verfolgt werden sollten. Hierzu führe die Stadt Geldern nun umgehend Gespräche mit potenziellen Interessenten. Die sind seit Jahren bekannt: Familie Janssen vom See-Park-Hotel und der Gelderner Arzt Arne Kleinstäuber verfolgten bekanntlich ein gemeinsames Projekt: Am Standort wollten sie einerseits ein Hotel, andererseits ein Hausärztezentrum aufbauen.

Das Konzept wurde im Juni 2015 erstmals bei einer Podiumsdiskussion zur Lage der Gesundheitsversorgung in Geldern durch den damaligen Bürgermeisterkandidaten der SPD, Jörg Grahl, vorgestellt. In die oberen Etagen soll demnach ein 40-Zimmer-Hotelbetrieb im mittleren Preissegment, der Übernachtung mit Frühstück bietet, einziehen, ins Erdgeschoss ein Hausärztezentrum.

Arne Kleinstäuber erläuterte damals, es soll "kein Sammelsurium von Facharztpraxen werden, sondern ein Zentrum ausschließlich für Haus- und Kinderärzte, also für die Grundversorgung der Bevölkerung". In Zeiten des Wahlkampfs hatte der Vorschlag aus Reihen der SPD aber keine Chance. Die CDU positionierte sich klar dagegen. Später gab es Gerüchte, dass Gebäude am Eingang zur Innenstadt könnte zu einem Wohnheim für Saisonarbeiter werden. Das war für den Rat Ende vergangenen Jahres der Anlass, im letzten Augenblick der ersten Bieter-Runde doch noch ein eigenes Gebot für das alte Finanzamt abzugeben.

(RP)