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Rees: Vier Millionen für drei Dezibel

Rees : Vier Millionen für drei Dezibel

Der RP-Lärmtest sorgt für Diskussionen. Vor allem die Frage, warum die Bahn an der Betuwe-Strecke Millionen in ein System investiert, das eine Schallreduzierung um drei Dezibel erreicht. Für den Menschen kaum wahrnehmbar.

Für Klemens Cornelissen ist eine Sache klar: "Die Blockverdichtung hat doch längst angefangen." Das System, bei dem die Bahn noch mehr Züge auf die Strecke setzen kann, werde längst praktiziert.

Noch am Sonntag habe er beobachtet, wie kurz hintereinander zwei Güterzüge aus der selben Richtung kamen. Immer mehr Züge seien unterwegs. Und noch eine Beobachtung hat der Mann vom Halderner Gewerbeverein gemacht: "Die Züge werden immer länger, und je länger sie werden, desto mehr Lärmbelastung gibt es."

Daher könne man beim Lärmschutz nicht auf das Dritte Gleis warten. Der müsse jetzt kommen. Von den Schienensteg-Dämpfern hält er gar nichts. Wie berichtet, hat die Bahn diese neue Technik an Gleisen am Halderner Bahnhof einsetzen lassen. "Das bringt gar nichts", ist der Eindruck von Klemens Cornelissen. Den teilt auch Harry Seesing, der direkt an der Strecke wohnt. In der RP hatte er schon vor einiger Zeit davon berichtet, dass er sich frage, warum die Dinge überhaupt für teures Geld eingebaut wurden.

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Zu Testzwecken eingebaut

Mit dieser Frage steht er nicht alleine da. Nach dem Lärmtest der RP gab es einige Leser, die den Sinn der Stegdämpfer generell in Frage stellen. "Es steht doch in keinem Verhältnis zum Aufwand, wenn damit der Schall nur um drei Dezibel gesenkt wird", heißt es. "Vermutlich war das ein Druckfehler in der Zeitung", wird noch ergänzt.

Doch bei den Angaben handelt es sich keineswegs um einen Druckfehler, wie die Bahn bestätigt. Die verwies bei dem Thema gleich weiter nach Frankfurt zu den Lärmschutz-Experten des Transportriesen. "Es stimmt, dass die Reduziertung des Lärmpegels an der Grenze des Hörbaren liegt. Daher können wir schon verstehen, dass drei Dezibel bei manchem für Kopfschütteln sorgten", sagt ein Bahnsprecher.

Doch die Dämpfer, die in Haldern eingebaut wurden, seien in erster Line zu Testzwecken installiert worden. Platt gesagt: Die Reduzierung des Lärms ist ein Nebeneffekt der Erprobung unter realen Bedingungen. "Aus dem Konjunkturprogramm des Bundes waren 100 Millionen Euro für die Erprobung des Lärmschutzes bestimmt", erläutert der Bahnsprecher. Das Geld für die Dämpfer auf der Betuwe stamme aus diesem Topf. Ziel sei, die Möglichkeiten für Schallreduktion an der Strecke zu erweitern.

"Bislang haben wir da eigentlich nur die Schutzwände. Wir wollen Alternativen erproben." In der Summe führe das dann auch schon zu einem Effekt. "Die Dämpfer wird es ja nie alleine, sondern nur in Verbindung mit anderem Lärmschutz geben."

(RP/rl)