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Emmerich: Gemeinde hofft auf "Signalwirkung"

Emmerich : Gemeinde hofft auf "Signalwirkung"

Karsten Weidisch muss Trauungen absagen, Religionsunterricht fällt aus. Die Aktiven der Veni-Gruppen fordern, angehört zu werden. Nach Auffassung des Bistums ist die Entpflichtung Weidischs keineswegs "plötzlich" erfolgt.

Die Folgen von Pfarrer Karsten Weidischs plötzlichem Abzug treffen die Gemeinde hart. Niemand kann seine Arbeitsfelder übernehmen. Liturgieformen wie "Celebration at home" oder "Talk in Mass" werden ersatzlos gestrichen. Ebenso der Unterricht an der Hauptschule. Auch hatte Weidisch für das Jahr schon etwa 15 Trauungen geplant, es waren Taufen angesetzt: "Ich muss alles absagen", so Weidisch. Wie es mit der Erstkommunionkatechese weitergeht, ist unklar. Ob die bisher üblichen Beerdigungstermine zu halten sind, müsse geprüft werden.

Große Teile der Gemeinde fordern, dass Weidisch bleibt. Theoretisch gäbe es die Möglichkeit noch. Weidisch ist jetzt zwar seit Mitternacht entpflichtet. "Aber der Bischof hat jederzeit das Recht, Pfarrer zu ernennen", räumte er gestern ein. "Er könnte mich Mittwochmorgen wieder einsetzen."

Weidisch erläuterte, wie die Bistumsleitung ihm den Rücktritt nahegelegt hatte. "Die kamen schon mit einer deutlichen Botschaft, dass der Grundkonflikt in der Gemeinde nicht zu beseitigen ist", erklärte er. "Es gab die Möglichkeit, zu sagen, ich reiche selbst meine Entpflichtung ein, oder, der Konflikt wird bleiben" — und dann hätte der Bischof irgendwann eingegriffen.

Weidischs eigene Haltung ist jedoch: "Ich habe gesagt, ich habe noch Kraft." Am Mittwochvormittag wird er nun mit Bischof Felix Genn über seine Zukunft sprechen. "Ich muss sehen, wie es in dieser Kirche weitergehen kann für mich." Er wisse es nicht, "abgesehen davon, dass ich weiter als gläubiger Mensch und Priester tätig sein will." Er werde zunächst weiter in Emmerich wohnen, aber nichts "Dienstliches" mehr tun.

Andrea Schaffeld, Vorsitzende des Rates der Seelsorgeeinheit, fragt sich jetzt bitter, warum man nicht mit den eigenen Unterstützern beim Bistum mehr Rabatz gemacht habe, so, wie die Kritiker es taten. "Wir selber haben nie mehr Druck auf Münster ausgeübt. Warum sind wir nicht in der Menge lauter geworden?" Jetzt muss die Gemeinde sich neu sortieren. Die Angst steht im Raum, dass alles, was "neu" war in der Gemeinde, jetzt wieder einschläft. "Wir sind auf der Autobahn unterwegs, und einer knallt die Handbremse rein. Dass man da ins Schleudern kommt, ist ja wohl keine Frage", so Schaffeld. Bei der angesetzten Klausurtagung am Wochenende werde es nun auch um die Frage gehen: "Wer kann eigentlich noch weitermachen?"

Die Gemeindeversammlung am Donnerstag in der Aldegundiskirche erwarte sie gespannt, so Schaffeld. "Wenn die Bistumsleitung auch nur im Entferntesten geahnt hätte, wie viele Menschen hier mobil sind, hätten sie nie im Leben auf die verwegene Idee kommen können, dieses Treffen anzubieten", meinte sie. "Die rechnen vielleicht mit 50 Leuten."

Tatsächlich werden wohl eher Hunderte da sein. Ihr sei schleierhaft, wie das Bistum diese Diskussion moderieren wolle. Ihre Hoffnung: "Was hier passiert, wird in anderen Gemeinden wahrgenommen. Wir müssen so stark werden, dass das nirgendwo anders wieder passieren kann."

Während Weihbischof Wilfried Theising am Donnerstag in Emmerich ist, wird Karsten Weidisch in Xanten sein. Er predigt im Dom zum Gedenken an Nikolaus Groß.

Gestern Abend beteten Gläubige in der Liebfrauenkirche für die "Quertreiber" in der Gemeinde.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bürger fordern Verbleib von Weidisch und Olding

(RP)