1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Nico Pachali – der neue Künstlerstipendiat der Stadt Duisburg

Bildende Kunst in und mit Räumen : Das ist der neue Künstlerstipendiat der Stadt Duisburg

Nico Pachali ist neuer Künstlerstipendiat in der Stadt Duisburg. Wir haben ihn gefragt, was sein künstlerisches Markenzeichen ist.

Nach Alexander Kuczewski (2019) und Javkhlan Ariunbold (2020) ist er für das Jahr 2021 der nunmehr dritte Inhaber des neuen Aufenthaltsstipendiums der Stadt Duisburg. Nico Pachali, 1988 in Gera geboren, hat Anfang Januar seine Wohnung am Innenhafen bezogen und begonnen, sein Atelier auf der zweiten Etage des Kultur- und Freizeitzentrums Rheinhausen einzurichten. Der Künstler startet unter erschwerten Bedingungen inmitten eines erneuten Lock- und Shutdowns. Seine erste Ausstellung in Duisburg ist für April im Kunstraum SG1 in der Innenstadt geplant, sofern Corona dies zulässt. Im November dann soll er bei der zeitlich dorthin verschobenen Gruppenausstellung „Vor Ort 2021“ der Interessengemeinschaft Duisburger Künstler im Lehmbruck Museum mit dabei sein. In welcher Form diese letztlich stattfinden kann, ist ebenfalls vom Stand der Pandemie abhängig.

Pachali zog nach dem Abitur 2009, das er im thüringischen Weida machte, nach Braunschweig, um an der dortigen Hochschule für Bildende Künste zu studieren. Zunächst studierte er drei Jahre lang Kunstwissenschaften und von 2012 bis 2017 dann Freie Kunst, die er mit einem „Diplom mit Auszeichnung“ abschloss. Danach besuchte er die Meisterklassen der Professoren Thomas Rentmeister und Isa Melsheimer und erhielt als Abschluss den Meisterschülerpreis der Hochschule. Nahtlos ging es weiter bei ihm mit einem Residenzstipendium in Heiligenrode der Gemeinde Stuhr im Landkreis Diepholz (2018/2019) und einem Niedersachsenstipendium für Bildende Kunst im Folgejahr. Am 25. September 2020 ist er dann zum neuen Aufenthaltsstipendiaten für das Jahr 2021 in Duisburg gewählt worden.

Pachalis künstlerisches „Markenzeichen“ ist die Arbeit mit transparentem Klebeband. Auf diese Weise erschafft er mehr oder weniger große Wand- und Bodenarbeiten für Räume in horizontaler und/oder vertikaler Ausrichtung. Seine Kunstwerke entwickeln sich in einer Art performativen Handlung: „Ich probiere aus, mache und schaue, denke und fühle, verändere – oder auch nicht“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung und fügt hinzu: „Wie ich arbeite, ist mir anfangs oft wichtiger, als was ich erarbeite.“

Doch neben dem Material (Klebeband, Kugelschreiber, Permanentmarker) ist für Pachali der Raum mindestens ebenso wichtig. So nutzt er seine Klebebandarbeiten auf der Grundlage von Schrift und Sprache in Bezug auf seine Handlungen in und mit Räumen als zeichnerisches Medium. Raum – oder „Space“, wie der 32-Jährige sagt, – und Sprache seien für ihn dynamische Prozesse, zu denen sich noch der Faktor Zeit hinzugesellt. „Ich finde es interessant, dass das Material, mit dem ich arbeite, einem Verfallsprozess unterworfen und grundsätzlich nicht für die Ewigkeit bestimmt ist. Insofern gibt es in meinen Arbeiten ein Spannungsfeld zu beobachten, das sich zwischen dem Wollen, dem Wunsch und der Realität des Materials bewegt. Weil man diesen Zustand von Endlichkeit und Vergänglichkeit nicht ändern kann, muss man mit diesen Eigenschaften arbeiten und die eigenen Handlungen daran anpassen.“

Als Pachali sein Kunststudium begann, dachte er zunächst, er würde Maler werden wollen. Als er später alle seine Arbeiten auf den Boden gelegt und mit Klebeband zusammengeklebt hatte, stellte er eine interessante Charakteristika von transparentem Klebeband fest. Es habe nämlich die besondere Eigenschaft, wie er sagt, auf diesem beidseitig zu arbeiten, dabei textilartig zu wirken und Verknüpfungen unter Einzelstücken herzustellen. Auf diese Weise entstehen einzigartige (Foto)Collagen in Form experimenteller Zeichnungen, die allesamt in einer äußerst eigenwilligen sogenannten „Space-Language“ verfasst sind. Das Jahr in Duisburg verspricht spannend mit ihm in der Stadt zu werden.