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Ausstellung im Schloss Ringenberg: Kunst und Möbel fürs Schloss

Ausstellung im Schloss Ringenberg : Kunst und Möbel fürs Schloss

Acht Künstler nutzen das großartige Raumgefühl im Schloss Ringenberg. „Mobilia“ heißt die Ausstellung des Kulturraums Niederrhein. Sie lotet die Grenzen zwischen Kunst und Design aus.

Die kreative Art der Bemöbelung von Rittersaal und Kaminraum in den hohen, lichten Räumen von Schloss Ringenberg bedeutet nicht nur die garantierte Spannung zwischen Historie eines klassischen Wasserschlosses im Grünen und städtischer Kunst aus Düsseldorf mit einem gewissen Anspruch. Sie ist auch reizvolle Aufgabe, Einzelkunstmöbel aus verschiedenen Versatzstücken im Raum so zu platzieren, dass sie optische Aha-Effekte beim Zuschauer auslösen. Kurator Wilko Austermann stand vor einer interessanten Herausforderung, Raum und Wirkung aufeinander abzustimmen. Das Ergebnis ist absolut sehenswert. Acht Künstler aus dem Rheinland tragen mit ihren Arbeite dazu bei.

 Kurator Wilko Austermann sitzt auf einer Skulptur von Katja Tönnissen aus Kleve.
Kurator Wilko Austermann sitzt auf einer Skulptur von Katja Tönnissen aus Kleve. Foto: Thomas Hesse

„Mobilia – Möbel in der Kunst“ heißt die Schau, die vom 18. Mai bis 18. Juli an altehrwürdiger Stätte zu sehen ist. Der Titel passt auch zur inhaltlichen Neumöblierung des Schlosses. Es ist die erste Ausstellung am neuen sogenannten Kunst- und Kulturort Schloss Ringenberg. Der Kulturraum Niederrhein ist mit im Spiel, insgesamt handelt es sich bei der Ringenberger Veranstaltung um ein Kooperationsprojekt des MMIII Kunstvereins Mönchengladbach, des in Geldern ansässigen Kulturraums, dessen Geschäftsführerin Ingrid Misterek-Plagge bei der Vorstellung in dieser Woche dabei war, dem Verein Leistende Landschaft und Schloss Ringenberg. Sie betonte, dass es künftig „ein dichteres Kulturprogramm geben wird“ nach dieser ersten coronabedingt aufgeschobenen Ausstellung. „Es geht wieder los in der Nach-Baegert-Gesellschaft-Zeit“, sagte Bürgermeister Bernd Romanski (SPD).

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Ein Zeichen ist, dass Claudia Bongers aus Wesel als neue Geschäftsführerin im Schloss Ringenberg im Amt ist. Das ist ein starkes künstlerisches Zeichen. Das andere ist die Förderung über das Landesprogramm „Dritte Orte“. Nach diesen Weichenstellungen ist die neue Ausstellung nun wirkmächtiges Lebenszeichen. Das heißt auch, die Nutzung als Ausstellungsort wirkt wie eh und je bei Kunstausstellungen im Schloss. Acht Künstler – Andreas Fischer, Erika Hock, Tobias Hoffknecht, Benjamin Houlihan, Christoph Knecht, Katharina Maderthaner, Tobias Nink und Katja Tönnissen – haben Möbelstücke zersägt, neu zusammengesetzt, verfremdet, verschachtelt, verkantet, gefärbt. Hier heißt es nur bedingt „form follows function“, und der alte Kalauer „Ist das Kunst oder kann man das gebrauchen?“ bekommt erfrischende Interpretationen verpasst. Da sind die badezimmerrosa und keramikgefliesten Thronsessel von Katja Tönnissen, auf denen man Platz nehmen kann. Oder die von Bildhauer Tobias Nink, einem Tony-Cragg-Schüler, zu humorvollen Objekten transformierten Schränke. Möblierte Collagen sozusagen. Oder die kinetischen Maschinen von Andreas Fischer, der Tische und Schränke zerlegt, um sie in beweglichen Objekten neu zu komponieren, denen er schrägen Sound hinzufügt. Man sieht, die Spannbreite dieser Ausstellung ist groß, und das macht diese Art zeitgenössischer Kunst interessant.

Nachdem die Ausstellung im Mönchengladbacher Kunstverein und damit in industrieller Umgebung zu sehen war, ist sie nun dem stillen Ambiente des historischen Schlosses ausgesetzt, was die Gegensätzlichkeit von Raum und Objekt besonders unterstreicht. Wichtiges Signal ist und bleibt aber, dass das Schloss erstmals seine Türen fürs Publikum öffnet. „Die Ausstellung gibt außerdem einen Vorgeschmack auf die Nutzung des Schlosses als Dritten Ort, indem sie den Dialog mit interessierten Bürgern der Stadt und der Region eröffnet“, heißt es offiziell.