Duisburg: "duistanz": Der Prozess ist das Ziel

Duisburg: "duistanz": Der Prozess ist das Ziel

Das "Kaiser Antonino Dance Ensemble" arbeitet an einer neuen Produktion, auch um den Altstadtpark aufzuwerten.

Im Januar 2002 haben der israelischer Tänzer und Choreograf Avi Kaiser (Jahrgang 1954) und sein italienischer Lebens- und Tanzpartner Sergio Antonino (Jahrgang 1974) ihr Duisburger Domizil auf der Dachetage am Springwall 4 bezogen. "The Roof - Tanzraum" haben die beiden ihren Arbeits- und zugleich Lebensmittelpunkt dort genannt, von wo sie einen einzigartigen Blick auf den "Garten der Erinnerung" im Duisburger Innenhafen haben. Jetzt hat ihr ständiges Hinüberschauen auf diesen Ort eine Initialzündung bei ihnen ausgelöst und sie dazu inspiriert, den "spirit oft the place", wie Antonino es formuliert, in sichtbare Kunst zu verwandeln: mit Musik, Gesang, Schauspiel, Tanz, Sound, Licht, Installationen und Interaktionen.

Sergio Antonino (l.) und Avi Kaiser in ihrem "Roof"-Tanzatelier. Foto: andreas probst (archiv)

Der Altstadtpark, wie der Garten auch heißt, wurde im Rahmen der Internationalen Bauausstellung NRW 1999 nach Plänen des Land-Art-Künstlers Dani Karavan geschaffen. In der drei Hektar großen Grünanlage wurden bewusst herausgearbeitete Überreste der ehemaligen Bebauung, darunter eine ehemalige SPAR-Zentrale und die Spedition "Allgemeine Land- und Seetransport AG, Hermann Ludwig", stehen gelassen. Daran angrenzend liegen das Gemeindezentrum mit der Synagoge der Jüdischen Gemeinde und ein Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

"Kein anderer Ort im Innenhafen", sagt Kaiser, "trägt so viel Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich, wie dieser." Selbst Natur werde hier zu Kultur, in Form der Bäume als Teil von Architektur. Doch dieser Ort habe im Laufe der Zeit, so Antonino, an "spirit" eingebüßt. Hunde bestimmten heute den dortigen Alltag, Leerstand sei in die ehemalige DKM-Galerie eingezogen und die früher alle kunstvoll illuminierten Gebäudeteile blieben häufig im Dunkeln. Aus dem einstigen "Zentrum für geistige, künstlerische und religiöse Auseinandersetzung ist ein Unort geworden", beklagt Kaiser. Dieser Herausforderung stellen sich nun die beiden Tanz-Künstler und haben sich mit Janine Roeder (Tanz, Gesang und Schauspiel), Wolfram Lakaszus (Sound- und Licht-Produktion) und Marko Kassl (Akkordeon) sowie weiteren sechs bis sieben Tänzerinnen und Tänzern Verstärkung für ihr künstlerisches Vorhaben geholt.

  • Musical : Benjamin Blümchen kommt in die Rheinhausen-Halle

Mit dabei werden auch die Komponisten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim sein, die jetzt in Düsseldorf leben und mit ihrem "EarPort" bis Mitte 2010 noch in unmittelbarer Nachbarschaft von "The Roof" beheimatet waren. "duistanz" heißt das Projekt, das am 18. August mit einem "Teaser", einem Aufmacher, in der Duisburger Fußgängerzone starten soll. Diese Arbeit habe als Endpunkt nicht aber eine Aufführung als Ziel, erläutern Kaiser und Antonino ihre Vorgehensweise, sondern "der Prozess ist das Ziel". Und dieser ginge von innen - aus dem Tanzraum "The Roof" - nach außen - in den "Garten der Erinnerung".

Dabei komme dem Ludwigsturm (ein ehemaliges Treppenhaus des Speditionsgebäudes) mit seinem Vorplatz, der an die Synagoge heranreicht, eine besondere Bedeutung zu. Hier wie auf dem Ludwigsforum, dem früheren Hallenboden der Firma, könne sich hervorragend eine Art "körperliches Atelier als Bühne" entfalten. Dabei eigne sich die in der Mitte des Parks stehende ehemalige Getreide-Waage für assoziative und symbolische Darstellungen vorzüglich. Mit Beginn der Prozess-Arbeit sollen auch Menschen des AWO-Seniorenzentrums sowie Kinder des Jüdischen Kindergartens in das Projekt eingebunden werden. Es werden Workshops, offene Proben und sogenannte "HangOuts" (das sind sessionartige Improvisationen) draußen im Garten angeboten und stattfinden.

Der Höhepunkt der Arbeit wird unter dem Titel "About Skys" am 24. und 25. August erreicht sein. Anschließend soll die Produktion in Teilen noch in Ruhrort, Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr gezeigt werden. Gefördert und unterstützt wird das neue Projekt des "Kaiser Antonino Dance Ensembles" vom Land NRW, von der Kunststiftung NRW, von der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen sowie vom Kulturbüro der Stadt Duisburg.

(RP/rl)
Mehr von RP ONLINE