Duisburg: Der harte Alltag eines Artisten bei Flic Flac

Duisburg : Der harte Alltag eines Artisten bei Flic Flac

Mehmed Mehmedov zaubert mit Partnerin Julia Pleno eine Liebesgeschichte in die Zirkuskuppel. Dahinter steckt Arbeit und Disziplin.

Irgendwas an der Haltung stimmt nicht, der Kopf von Julia saß wohl zu tief. So ganz genau lässt sich das nicht sagen, denn die Kritik geht nun in einem bulgarischen Wortschwall unter. Mehmed Mehmedov ist unzufrieden, soviel steht jedenfalls fest. Dabei sah die Luftakrobatik von unten betrachtet ziemlich perfekt aus. Grazil hatte Julia Plenos den muskulösen Körper ihres Partners erklommen, um sich dann in einem formvollendeten Kopfstand auf den breiten Schultern niederzulassen.

Nicht gut genug: "Ich habe ja gesagt, ich bin Perfektionist", sagt Mehmedov fast schon entschuldigend. Fünf Stunden vor der Abendshow ist deshalb aus seiner Sicht auch genau der richtige Zeitpunkt, um an Kleinigkeiten zu arbeiten. "Zieh uns hoch", schallt sein Kommando durch das abgedunkelte Zirkuszelt: Das Duo Mehmedov/Plenos entschwindet erneut in die Zirkuskuppel.

Am Morgen hatte Mehmed Mehmedov noch völlig tiefenentspannt durch die Fensterscheiben des "Café Ziegenpeter" auf den grau vorbeifließenden Rhein geschaut. Vor ihm ein schwarzer Kaffee — ohne Zucker, ohne Milch: "Den brauche ich morgens und kurz vor der Show. Dann bin ich voll da." Sein Engagement bei FlicFlac hat den Handlungsreisenden in Sachen Körperkunst in die Stadt gespült.

Die wunderbar geturnte Liebesgeschichte an den Tüchern ist Teil des aktuellen FlicFlac-Programms "Exxtrem". Bereits in Köln wurde das Duo Mehmedov/Pleon für seine Akrobatik gefeiert, und auch in Duisburg drehen sich auffallend viele Gespräche der FlicFlac-Besucher um die "Tücher-Nummer". Dabei sind die beiden Protagonisten keineswegs ein lang eingespieltes Team. Vor dreieinhalb Monaten hat Mehmedov seine jetzige Partnerin erst kennengelernt. "Die Choreographin von FlicFlac wollte so eine Nummer und hat uns zusammengebracht. Ich glaube, wir harmonieren gut", sagt Mehmedov nüchtern.

Nüchtern genug, um den Zauber aus der Kuppel als reine Shownummer zu identifizieren. "Julia hat einen Mann. Ich habe meine Frau. Ein Paar sind wir nur auf der Bühne", stellt Mehmedov klar.

Seit 15 Jahren verdient der Bulgare sein Geld als Zirkusartist. "Ich war Turner, irgendwann kam das Angebot aus dem Zirkus. Seitdem bin ich dabei", sagt Mehmedov. Das Zirkusleben sei eine Droge. "Wenn du drauf bist, dann kommst du nicht mehr runter." Das Umherreisen, die ständigen Auftritte, der tägliche Drill sind für den 31-Jährigen sein Lebenselixier. "Ich will nichts anderes." Pläne für eine Zeit danach gibt es zwar, "aber so lange der Körper mitmacht, werde ich mein Geld im Zirkus verdienen."

Zwei Stunden investiert Mehmedov jeden Tag in seine Muskeln. Gleich neben seinem Wohnwagen, in dem Ehefrau Bernadette und der Jack-Russel-Terrier die kleine Familie bilden, stemmt er Gewichte. "Das leert den Kopf ", sagt Mehmedov. Einen anderen Ausgleich brauche er nicht. Vielleicht noch gutes Essen: "Ihr habt wunderbare Kebabs hier", sagt der Sohn türkischer Eltern und lacht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein Blick hinter die Kulissen von FlicFlac Exxtrem

(RP/rl/top)