1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Kapitän Thomas Krützberg verlässt das Kulturschiff

Thomas Krützberg : Kapitän verlässt das Kulturschiff

Sieben Jahre lang hat Thomas Krützberg mit enormem Einsatz und Willensstärke sein Dezernat geleitet. Zum 1. Mai wird er Geschäftsführer des Immobilienmanagement Duisburg. Seine Nachfolge tritt Astrid Neese an, bislang Leiterin der Duisburger Arbeitsagentur.

Eine solche Blöße wie sein Vorgänger Karl Janssen hätte sich Thomas Krützberg nie gegeben. Noch ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Kulturdezernent hatte Janssen freimütig bekannt, dass er von Kultur „eigentlich keine Ahnung“ habe. Und unter uns: das merkte man auch. Janssen, der sich vor seiner Duisburger Zeit im sozialen Bereich einen guten Namen gemacht hatte, sah sich in der Kultur auch nicht als Kenner, sondern als Manager. Ob man ihn deshalb zum „Kulturmanager des Jahres“ erklären musste, steht auf einem anderen Blatt.

Auch bei Thomas Krützberg musste man skeptisch sein, als er im Mai 2013 Dezernent für Familie, Bildung und Kultur der Stadt Duisburg wurde (später kamen noch die Bereiche Arbeit und Soziales hinzu). Sein bisheriger Lebens- und Berufsweg hatte keineswegs auf den Kulturbereich gezielt. Krützberg, der 1959 in Homberg in einfachen Famlienverhältnissen geboren wurde, begann nach der mittleren Reife 1975 seine berufliche Laufbahn bei der Stadt Duisburg. Ehrgeizig muss er aber schon damals gewesen sein, jedenfalls kombinierte er seine Ausbildung mit einem Fachhochschulstudium, das er als Diplom-Verwaltungswirt abschloss. Er wurde Stadtinspektor, arbeitete beim Sozialamt, wurde persönlicher Referent des Sozialdezernenten. 1996 wechselte er zum Jugendamt, wurde Abteilungsleiter, später stellvertretender Jugendamtsleiter und im März 2002 Jugendamtsleiter.

Als man ihn vor sieben Jahren fragte, ob er Nachfolger von Karl Janssen werden solle, habe er seine Frau gefragt, ob er das Amt antreten solle. „Kannst du machen“, habe die geantwortet und hinzugefügt: „Und wer macht die Kultur?“ In seiner letzten Kulturausschuss-Sitzung erzählte Krützberg diese witzige Anekdote. Spätestens da konnte er sicher sein, dass niemand ihm vorhalten würde, er habe, wie einst Karl Janssen, von Kultur keine Ahnung. Denn unmittelbar nach seiner Wahl zum Kulturdezernenten hatte sich Krützberg mit einem erstaunlichen – auch zeitlichen – Einsatz ins Kulturleben der Stadt gestürzt. Wir Kulturjournalisten wunderten uns schon, dass Krützberg bei nahezu jedem Theaterabend, jedem Konzert und jeder Ausstellungseröffnung dabei war. Er ließ es sich nicht nehmen, auch kleinere Kulturveranstaltungen zu besuchen und dort Grußworte zu sprechen. 

Dass er auch ein „Macher“ ist, bewies Krützberg gleich zu Beginn seiner Amtszeit. Zu seinen ersten Taten gehörte es, dass er die Doppelsskulptur „Begegnungen“, die jahrelang auf einem Bauhof deponiert worden war und dort anscheinend vergessen worden war (was die RP aufdeckte), restaurieren ließ und wieder als Wahrzeichen der Stadtautobahn aufstellen ließ. Krützberg war es auch, der die Traumzeit, die Janssen einst nach Querelen kurzerhand absagen ließ, wieder etablierte. Auch musste er das Debakel um die Mercatorhalle klären, die wegen eklatanter Brandschutzmängel, verursacht durch kriminelle Schludrigkeit einer Baufirma, geschlossen werden musste. Krützberg verhandelte nicht nur mit der Rheinoper, an deren Existenzberechtigung er keinen Zweifel ließ, sondern auch mit der so genannten freien Szene, die früher zu wenig beachtet wurde. Nicht alle Probleme konnte er da zur vollen Zufriedenheit klären. Das neue soziokulturelle Zentrum am Stapeltor 6 steht nach wie vor auf der Liste der ungeklärten Projekte. Auch der Personalmangel in der Stadtbibliothek besteht nach wie vor. Ähnlich wie ihr Vorgänger muss sich Astrid Neese, die als Leiterin der Agentur für Arbeit auch nicht „von sich aus“ im Kulturbereich zu Hause ist, in ihr neues Amt einarbeiten. Ob ihr das so überzeugend gelingt, wie dem Autodidakten Thomas Krützberg, bleibt abzuwarten.

Im Rückblick auf seine Zeit als Dezernent gestand Krützberg, dass er die Beschäftigung mit Kultur als große persönliche Bereicherung empfunden habe. Er zitiert dabei gerne Richard von Weizsäcker. Der meinte, dass die Kultur substantiell eine genauso wichtige Pflichtaufgabe sei wie beispielsweise der Straßenbau oder die öffentliche Sicherheit. Krützberg macht sich die Weizsäcker-Ansicht zu eigen, der gesagt hatte: „Es ist grotesk, dass wir Ausgaben im kulturellen Bereich ‚Subventionen‘ nennen, während kein Mensch auf die Idee käme, die Ausgaben für ein Bahnhofsgebäude oder einen Spielplatz als Subventionen zu bezeichnen. Der Ausdruck lenkt uns in eine falsche Richtung. Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns entweder leisten oder nach Belieben auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.“

Krützberg sieht sich vermutlich selber als Kapitän, der nun das Kulturschiff verlässt. Als künftiger Chef des Immobilienmanagement Duisburg, der auch für kulturell genutzte Gebäude zuständig ist, wird die Verbindung mit seinen früheren Arbeitsbereichen nicht gänzlich abreißen. Vielleicht ist Krützberg auch froh, dass er künftig nicht mehr ein Mammutdezernat leiten muss, das ja nicht nur die Kultur umfasst, sondern auch die Bereiche Familie, Bildung, Arbeit und Soziales. Seiner Nachfolgerin Astrid Neese wurde bereits signalisiert, dass das Dezernat nach der Kommunalwahl einen neuen Zuschnitt bekommt. Gerade für die Nach-Corona-Zeit täte ein Focus auf die Kultur, die es jetzt besonders schwer hat, gut.