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Düsseldorf: Zwiebeltürme für eine friedliche WM

Düsseldorf : Zwiebeltürme für eine friedliche WM

In politisch schwierigen Zeiten wollen die Schüler der Freien Christlichen Gesamtschule zusammen mit dem Künstler Björn Frahm im Vorfeld der Fußball-WM ein Zeichen setzen. Das Fotoprojekt wird im Juni auch in Moskau zu sehen sein.

Der Zwiebelturm ist ein markantes Wahrzeichen vieler russisch-orthodoxer Kirchen. Der Künstler Björn Frahm hat das für ein Fotoprojekt aufgegriffen und die Türme zum Symbol des Friedens erklärt. Anlässlich der näher rückenden Fußball-Weltmeisterschaft in Russland möchte er ein Zeichen setzen.

Keine leichte Aufgabe in Zeiten von gegenseitigen Sanktionen und Konfrontationen im Syrienkonflikt. Schüler der Freien Christlichen Gesamtschule in Hassels unterstützen den Künstler bei seinem Projekt. Und das ist kein Zufall: Denn von der Schule sind aktuell acht Jungen und Mädchen zu einem Austausch in Moskau.

"Bei den aktuellen Konflikten ist es klug, miteinander im Gespräch zu bleiben", sagt Schulleiter Holger Braune. Seit rund zehn Jahren gibt es den Austausch mit Moskau. Dabei geht es neben dem Aspekt der Völkerfreundschaft vor allem auch um Physik. "Die Schüler werden gemeinsam an einem Physikwettbewerb teilnehmen", berichtet Detlef Faber, der den Austausch koordiniert. Das diesjährige Thema ist Slit-Scan-Fotografie (siehe Info).

In der Vorbereitung der zehntägigen Reise setzen sich die Schüler jedoch nicht nur mit Naturwissenschaften auseinander. "Wir sprechen über Land und Politik", sagt Faber. Das ist schwierig, denn gerade in Sachen Politik gibt es aktuell mehr Trennendes als Gemeinsames. Ein Zustand, den Künstler Björn Frahm auf kultureller Ebene gerne vermeiden möchte. "Ich setze auf menschlicher Ebene ein Zeichen", sagt er. So kam er auf die Idee für ein gemeinsames Projekt. Zum Auftakt versammelten sich die Schüler für ein Bild in Pose des Zwiebelturmes.

Heute folgt der zweite Teil der Fotoserie. Gemeinsam mit den acht Düsseldorfer Austauschschülern sowie Schülern aus Moskau wird das Motiv noch einmal wiederholt. Das Ergebnis des Fotoprojektes wird am 17. Juni in der Deutschen Schule in Moskau ausgestellt - anlässlich des Fußballspiels zwischen Deutschland und Mexiko.

Ein besonderer Tag, der wegen seiner historischen Dimension noch einmal den Zwiespalt zwischen menschlichen und politischen Beziehungen betont. Bis 1990 war an diesem Datum der Feiertag zur Deutschen Einheit. Ein Tag, der an die gewaltsame Niederschlagung des Aufstandes von Bürgern gegen das DDR-Regime mit Hilfe sowjetischer Truppen erinnerte.

Diese Geschichte haben die Düsseldorfer Schüler bei ihrem Besuch in Moskau vermutlich nicht im Kopf. Gedanken über die Politik vor Ort machen sie sich trotzdem. So sieht der 15-jährige Maximilian Putins Politik kritisch, ist sich aber unsicher, inwieweit er dieses Thema zur Sprache bringen will. "Wer weiß, wie das bei den Menschen ankommt", sagte er.

Sein Interesse geht denn auch über das Politische hinaus. Zum einen freut er sich als passionierter Physiker auf den Wettbewerb, zum anderen ist er sehr auf Moskau gespannt: "Ich war noch nie in so einer großen Stadt", sagt er. Besonders interessiert ihn, ob sich das Leben von deutschen und russischen Schülern unterscheidet. Eine Frage, auf die Schulleiter Holger Braune gerne eine Antwort gibt: "Die Schüler merken schnell, dass sie eigentlich gar nicht so unterschiedlich sind."

(RP)