Zentrum plus in der Altstadt in Düsseldorf ist anders als andere

Generationen : Mehr als nur ein Seniorentreff

Das Zentrum plus im Wilhelm-Marx-Haus besetzt erfolgreich Nischen. Hier wird Bridge auf höchstem Niveau gespielt, treffen sich ältere Schwule und Lesben, kommen Schüler, um den Berichten von NS-Überlebenden zuzuhören.

Carin Merklinghaus kommt aus Erkrath, Doris Wangler gar aus St. Tönis ins Zentrum plus der Arbeiterwohlfahrt in der ersten Etage im Wilhelm-Marx-Haus. „Weil es einfach ein toller Anlaufpunkt ist, gerade das kulturelle Angebot groß ist. Und man immer Bridge auf hohem Niveau spielen kann“, erzählt Merklinghaus. Mareike Stahr ergänzt: „Es gibt tolle Ausflüge, die Handy-Schulung ist sehr lehrreich. Die Kinder haben dazu ja keine Zeit – oder sind zu schnell.“ Viele würden zudem zum Tanzen kommen. „Wir treffen uns auch privat“, fügt Elvire Wagner hinzu. Das Bridge-Quartett ist befreundet, das Zentrum plus in der Altstadt ist ihr Treffpunkt.

Seit Februar ist Svijetlana Stefanac hier die Koordinatorin. „Es kommen Menschen aus dem Stadtteil zu uns, aber eben zum Teil auch von weit her. Weil wir so gut angebunden sind. Aber sicherlich auch wegen der Angebote. Und nachher kann man noch einen Bummel in der Altstadt machen. Wir versuchen Nischen zu besetzen, das funktioniert.“ Es gibt zum Beispiel mehrere Angebote für ältere Schwule („Gay & Grey“) oder auch den Lesben-Stammtisch, diese Personengruppen fühlen sich hier gut aufgehoben und akzeptiert. „Wir dokumentieren diese Offenheit bewusst nach außen“, sagt Stefanac. Am heutigen Dienstag kommen im Rahmen des Erzählcafés drei Schulklassen ins Zentrum plus, um dem Bericht einer Überlebenden der NS-Verfolgung zu lauschen, im Dezember gibt es eine Wiederholung.

Das Zentrum plus ist aber auch einfach nur Café, zwei- bis dreimal die Woche offen für alle, mit frisch gebackenem Kuchen und Kaffee für 80 Cent, gerade Männer kommen, um hier einfach nur in Ruhe Zeitung zu lesen. „Ohne unsere vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre das so selbstredend nicht machbar“, betont Stefanac. Natürlich rundet das bekannte Beratungs- und Mit­machangebot von Sturzprävention über Gedächtnistraining bis zum Parkinsontreff das Programm ab. Termine wie die „Zeitreise mit schönen Stimmen“ stechen schon hervor. „Da kommt der 85-jährige Harald Krumbein zu uns und präsentiert kurzweilig Lieder aus Oper und Operette“, berichtet die Sozialpädagogin, „dafür kommen die Fans sogar aus Krefeld oder Neuss angefahren“.

Was sich die 51-Jährige wünschen würde, wären Freiwillige, die bereit sind, auch mal den Hut aufzuziehen: „Bei meiner vorherigen Stelle in Mülheim gab es einen Mann, der Wanderrouten festlegte, sie vorher auskundschaftete und dann unterwegs auch immer etwas dazu erzählen konnte“, nennt sie ein Beispiel. Was stets benötigt werde, seien zudem Kundige, die den Umgang mit Handy, Laptop und Computer seniorengerecht vermitteln. „Das sind so beliebte Geschenke von Kindern und Enkeln, leider werden Oma und Opa dann später damit alleingelassen.“ Was Svijetlana Stefanac aber noch mehr Sorgen bereitet: „Der Anbau des Wilhelm-Marx-Hauses soll verkauft werden, unser Mietvertrag endet im Juni. Die Awo ist auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, noch wissen wir nicht, wo es weitergehen soll.“

Das Zentrum plus bietet immer auch Selbsthilfegruppen einen Treffpunkt, „es muss aber zu uns passen, vom Alter und der Interessenslage“. Dass die Angebote der Einrichtung gerne den Zusatz 50+ erhalten, müsse übrigens nicht unbedingt heißen, dass diese Altersklasse schon zum alten Eisen gehört. „Es kann aber auch nicht schaden, sich frühzeitig Gedanken über altersgerechte Wohnformen oder soziale Kontakte zu machen. Und nicht erst, wenn es dann vielleicht schon zu spät ist“, sagt Svijetlana Stefanac.

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