Heerdt: Anwohner kritisieren Ausbau der Rudolfstraße

Düsseldorf Heerdt : Anwohner kritisieren Straßenausbau

Weil die Stadt von einer „Erstherstellung“ der Straße ausgeht, könnten die Anlieger der Rudolfstraße an den Kosten beteiligt werden.

Schlosserei, Druckerei, Kugellager, Schreinerei, Gärtnerei und ein Modellbauer, um nur einige zu nennen, sind an der Rudolfstraße angesiedelt. Es gibt aber auch Wohnhäuser, der Anteil liegt etwa bei 20 Prozent. In der Vergangenheit war sie ein einfacher Weg, der mit einer Asphaltdecke versehen wurde. Alle waren damit zufrieden, Gewerbetreibende und Anwohner. Das hat sich gründlich geändert. Denn nach jahrelangem Stillstand hat sich die Stadt nun entschlossen, die Rudolfstraße von Grund auf umzubauen. Das bedeutet: Die 360 Meter lange Strecke zwischen Pestalozzi- und Heesenstraße bekommt eine 550 Meter breite Fahrbahn, einen 1,85 Meter breiten Gehweg auf der südlichen Seite und Parkbuchten. Darüber hinaus sollen 19 Bäume gepflanzt werden. Die Bauarbeiten haben schon begonnen. Die Kosten liegen etwa bei 723.000 Euro.

Rolf Pelzer, Inhaber des alteingesessenen Stahl- und Metallbau-Unternehmens Johannes Schiefer, ist entsetzt, weil die Stadt von einer „erstmaligen Herstellung der Rudolfstraße“ ausgeht. Das bedeutet, die Anlieger können an den Kosten des Ausbaus beteiligt werden. Lediglich für Pflege bzw. Sanierung muss die Stadt allein sorgen. „Wieso Erstherstellung, die Straße war ja da, von einer Erstherstellung kann keine Rede sein“, schimpft Pelzer.

Die zu erwartenden Kosten treibt auch sein Nachbar Hans-Peter Tieves um. Er, der bis zur Rente 40 Jahre bei BMW gearbeitet hat, hat das vom Großvater vor 1900 gebaute Haus an der Ecke Rudolf-/Pestalozzistraße in dritter Generation übernommen. „Mein Großvater hat es noch mit Goldmark bezahlt“, sagt der Enkel, der schon Erfahrungen mit dem Thema Anliegerkosten gesammelt hat. „Ich habe ein Eckgrundstück, das an die Pestalozzistraße grenzt“, sagt Tieves. „Nach dem kompletten Ausbau der Pestalozzistraße wurde ich schon von der Stadt zur Kasse gebeten.“ Zwei Jahre nach Fertigstellung der Straße sei ihm eine Rechnung ins Haus geflattert, die „mich sehr erschüttert hat“. Jetzt sei er 74 Jahre alt und längst Rentner. „Mein Geld ist für Reparaturen und Modernisierungen in mein altes Haus geflossen“, stellt er fest. „Wie soll ein Rentner denn diese hohen Anliegerkosten von mehreren Tausend Euro zahlen können?“, fragt er. Außerdem zahlen alle Kfz-Steuern, mit denen Straßen gebaut werden sollten.

Was die beiden Heerdter außerdem umtreibt, ist die Vorgehensweise der Stadt. „Warum ist niemand zu uns gekommen? Warum hat niemand mit uns die Pläne erörtert, bevor die Bagger anrollten? Warum durften wir nicht mitreden?“, fragen sie sich. Die gesamte Nachbarschaft stehe hinter ihnen und sei sich einig, dass ein zu großer Aufwand betrieben werde. Es hätte andere, kostengünstigere Möglichkeiten der Straßensanierung gegeben. „Wir brauchen keinen so breiten Gehweg, 1,50 Meter würden reichen, denn es gibt ja kaum Fußgänger auf unserer Straße.“ Aufwendig gestaltete Parkbuchten auf der gesamten Länge seien ebenfalls überflüssig. „Und Bäume auf jeden Fall“, stellen die beiden Heerdter übereinstimmend fest. „Zu teuer, wir können gern auf Bäume verzichten.“

Warum sich die meisten Anlieger, die bereits bei einer Mobilen Redaktion der Rheinischen Post gegen die Ausbauabsichten ihrer Straße gewettert hatten, gegen den Ausbau wehren, liegt auch daran, dass die Rudolfstraße viel Schwerlastverkehr verkraften muss. Pelzer: „Es ist keine Seltenheit, dass hier 40-Tonner an- und abfahren.“ Das sei bei der Planung nicht bedacht worden. „Wir wollen keine Zustände wie auf der Heerdter Rheinallee, deren Ausbau eine Fehlplanung ist“, sind die Kritiker sich einig. „Dort fahren sich regelmäßig Lkw fest und beschädigen die Gehwege.“ Die Anlieger hätten die aufwendige Straßenerneuerung nicht bestellt und: „Wir wollen keine Luxusvariante.“

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