Düsseldorf-Süd: Senioren müssen fürs Sitzen bezahlen

Düsseldorf-Süd : Senioren müssen fürs Sitzen bezahlen

Polizeipräsident Norbert Wesseler radelte gestern durch den Stadtbezirk 9. Am Kamper Acker bekam er den Vorfall erzählt, dass der OSD Bußgelder verhängt hat, weil Senioren innerhalb des Spielplatzgeländes auf Bänken saßen.

Wenn Sie in den nächsten Tagen eine Radtour planen, fragen Sie am besten bei Hartmut Albert nach, was sich der Leiter des Bezirksdienstes in Benrath für den Tag vorgenommen hat. Denn auf allen drei Touren, bei denen er Polizeipräsident (PP) Norbert Wesseler begleitete, schien die Sonne. Weniger Glück hatte da Polizeisprecher André Hartwich. Er musste seinem Chef auch schon bei Dauerregen radelnd zur Seite stehen. Mitte August hat Wesseler, der seit Februar im Amt ist, mit seiner Tour durch alle zehn Stadtbezirke begonnen. Den 10er hatte er Ende August angefahren.

Gestern nun stand der 9er auf dem Programm. Von der Wache in Wersten ging es zunächst zum Kamper Acker, den der PP nicht besonders attraktiv fand: "Sehr viel Beton." Das ist allerdings auch dem Umfeld geschuldet. "Dort hinten standen früher bepflanzte Blumenkübel, da man in diesen Kübeln aber immer wieder unschöne Dinge fand, wurden die irgendwann nicht nicht mehr bepflanzt", sagte Anton Merklinger, Mitglied des Vorstands der CDU Holthausen, Itter, Himmelgeist.

Am Kamper Acker kam Polizeipräsident Norbert Wesseler (Mitte) ins Gespräch mit Hermann und Helga Becker sowie dem CDU-Politiker Anton Merklinger (re.) Mit einer Strickaktion mit Kaffeeklatsch begrüßte die Tunnelgruppe den radelnden Polizeipräsidenten samt Tross im Tunnel zur Paulsmühle. Foto: Günter von Ameln

An einem solch sonnigen Tag wie gestern waren alle Bänke besetzt, mit solchen Menschen, die vielen Anwohnern und Geschäftsinhabern ein Dorn im Auge sind. Doch Polizeihauptkommissar Uwe Eisemann aus Holthausen, der Wesseler ebenfalls auf der Tour begleitete, brach auch eine Lanze für sie: "Sie sind eigentlich weder besonders laut, noch pöbeln sie rum", sagte er und berichtete, dass viele von ihnen nicht obdachlos seien, sondern sich dort einfach gerne aufhalten würden. In Gesprächen sei klar geworden, dass sie keine Lust darauf hätten, sich in einem für sie hergerichteten leerstehenden Ladenlokal am Kamper Acker zu treffen. Angst müsse man vor ihnen nicht haben, sagte Eisemann und erzählte von der Begebenheit, als letztens eine ältere Dame gestürzt sei, drei Passanten vorbeigegangen seien und ihr dann von diesem Klientel geholfen worden sei.

Seit der frühere Oberbürgermeister Dirk Elbers im Oktober 2012 den Kamper Acker und die dortigen Probleme in Augenschein genommen hatte, ist auf jeden Fall der städtische Ordnungsdienst öfter vor Ort. Doch deren Präsenz schreibt auch Stilblüten. Senioren, die sich letztens auf einer Bank innerhalb des Spielplatzes aufhielten, mussten ein Bußgeld bezahlen. Einer sogar 35 Euro. Der habe sich allerdings auch nicht gut benommen, sagte Helga Becker, die mit ihrem Mann Hermann, der im Seniorenbeirat sitzt, schon lange auf Besserung am Kamper Acker hofft.

Problem ist, dass sich von Gesetz wegen nur Kinder auf dem Spielplatz aufhalten dürfen oder Erwachsene, die Kinder begleiten, erläuterte Bezirksvorsteher und Mit-Radler Karl-Heinz-Graf, der sich in diesem Punkt ein wenig mehr Fingerspitzengefühl vom OSD wünscht. Allerdings sieht er die Politik gefragt, die Vorgaben zu ändern. So gibt es an der Silcher Straße einen Mehrgenerationenspielplatz, der von älteren Menschen - so gesehen unerlaubterweise - gut genutzt wird.

Vom Kamper Acker aus ging es für die Gruppe nach Benrath, wo sie in der Unterführung zur Paulsmühle von der Tunnelgruppe empfangen wurde. Deren Mitglieder nutzten die Radtour des PP, um auf das Problem der Angströhre aufmerksam zu machen. Kommende Woche will die Gruppe christo-mäßig den Tunnel verhüllen. Die Radtour endete am Benrather Rathaus.

(RP)
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