Stadtteilcheck in Düsseldorf-Niederkassel

Stadtteilcheck : Zwischen Tradition und Veränderung

Menschen ziehen nach Niederkassel, weil sie das Dörfliche, die Bodenständigkeit, das Vereinswesen schätzen. Aber auch Niederkassel verändert sich, wo früher noch Felder waren, stehen heute schicke Villen.

Thomas Damm wurde 1960 in Niederkassel geboren und hat dem Stadtteil nur einmal kurz den Rücken gekehrt, der Liebe wegen, er kam zurück, ohne Frau. In Niederkassel war sein Leben, die Eltern, Großeltern, der Schützenverein, der Fußball – und eine Reithalle. „Da waren immer viele junge Mädchen“, erzählt Damm, der sich natürlich nur für das Sportliche interessierte. Dort lernte er auch sehr früh seine jetzige Frau kennen, Britta Damm, man verlor sich ein wenig aus den Augen, vor rund 20 Jahren hat es dann so richtig geknallt.

Thomas Damm hat immer das Dörfliche, das Ländliche und Familiäre an Niederkassel geliebt, das gehe in den vergangenen Jahren etwas verloren. „Nur noch Baustellen“ sieht er im Stadtteil, wo früher noch Felder waren, stehen heute Häuser. Landwirte haben ihre Betriebe aufgegeben, Gassen verschwinden, das bereitet ihm Sorgen. „Es ist eine andere Zeit“, sagt Damm und meint damit auch die Menschen, die sich nicht mehr in Strukturen einordnen wollen und weniger zugänglich geworden sind. Dass eine Kirche wie St. Anna aufgegeben wurde, kann Damm nur schwer nachvollziehen, „in den 90er Jahren war die Kirche immer gut frequentiert“. Auch beim Einzelhandel sei Niederkassel inzwischen Diaspora, „zwei, drei Lokale sind geblieben“, sonst sei nur noch wenig los.

Dennoch: „Natürlich lebe ich trotzdem immer noch sehr gerne in Niederkassel, der Stadtteil hat sich sein Flair erhalten.“ Damm ist Chef des Schützenvereins in Niederkassel, hat den Posten 2016 von seiner Frau übernommen und sieht sich auch ein wenig in der Pflicht: „Wir bieten schon viel an und wollen natürlich, dass die Leute mitfeiern. Aber vielleicht müssen alle hier lernen, noch ein wenig mehr aufeinander zuzugehen.“

Zahnarzt, Fortuna-Fan und Tonnengarde-Mitglied Esfandiar Modjahedpour fühlt sich mit Frau und Sohn pudelwohl in Niederkassel. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Seit einem Jahr leben Teodora Adina und Esfandiar Modjahedpour mit dem fünfjährigen Sohn in Niederkassel. „Nach langer Suche haben wir an der Niederkasseler Straße ein Objekt gefunden, in dem wir Beruf und Privates verbinden können. Wir fühlen uns hier sehr, sehr wohl“, sagen die promovierten Zahnmediziner. Als Bestätigung erzählt Esfandiar Modjahedpour von der Mitgliedschaft in der Tonnengarde: „Es hat sofort gefunkt.“ Die Familie ist in Düsseldorf ohnehin gut integriert. Esfandiar Modjahedpour wurde 1969 hier geboren, hat unter anderem in Unterbilk, Gerresheim und Oberkassel gelebt: „Aber hier in dem relativ kleinen Stadtteil fühlen wir uns verankert.“

Die Tonnengarde, die eine „deutliche Leidenschaft“ ausgelöst hat, sei genau das Gegenteil der digitalen Welt, in der alle Bürger leben, „hier ist man bodenständig, der Tradition und dem Brauchtum verbunden.“ Der Kieferorthopäde schätzt die Vernetzung und stellt fest: „Das Brauchtum muss gelebt werden, sonst geht die Tradition verloren.“ Aber das Ehepaar liebt auch den Feldmühlenpark: „Er hat eine ähnliche Funktion wie der Central Park in New York – er ist der Park für Niederkassel.“ Dass allerdings der Einzelhandel hier so schlecht aufgestellt ist, Metzgerei und Bäckerei verschwunden sind und die Lebensmittelversorgung schwierig ist, bedauern die Hinzugezogenen ebenso wie den knappen Wohnraum. Top wiederum sei, dass der Sport großgeschrieben wird, insbesondere der Fußball: „Hier gibt es auch eine sehr starke Fortuna-Gemeinde. Das verbindet.“ Die Modjahedpours sind alle F95-Mitglieder, einschließlich

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