Düsseldorf-Urdenbach: Wolfgang Keil erzählt Geschichten aus dem Dorf

Geschichte : Zur Kommunion mit Wim Wenders

Wolfgang Keil weiß viel über Urdenbachs Geschichte und erzählt auf Führungen davon. Der Filmregisseur ging in seine Klasse.

Neulich reiste ein Kamerateam des NDR in Urdenbach an, um in der Grundschule Szenen für eine Dokumentation über einen weltbekannten Düsseldorfer zu drehen: Wim Wenders. Der Filmregisseur hat seine Grundschulzeit in Urdenbach verbracht. Wolfgang Keil, der jeden Stein im Dorf kennt, hat mit ihm die gleiche Klasse besucht. „Fairer Weise muss ich sagen, ich habe an ihn keine großen Erinnerungen, eher an die Mädchen“, sagt der pensionierte Leiter der Polizeiinspektion Süd und lacht.

Auf einem Foto aus dem Jahr 1955 von seiner Kommunion vor der Kirche Herz Jesu ist Wenders auf dem Gruppenbild zu sehen: mit Fliege und einem amüsiert hochgezogenen Mundwinkel. Mit seiner Familie habe Wim Wenders in der Neßlerstraße gelebt, erzählt Keil. Als sein Vater, ein Arzt, versetzt wurde, zog die Familie fort.

Heute besucht Keils Enkelin die Grundschule, so wie zuvor seine Tochter, er selbst, seine Mutter und seine Oma — fünf Generationen. Weil die Geschichte des Dorf für Keil zur Passion geworden ist, weiß er auch um die Ursprünge der Schule.

Wolfgang Keil vor seinem Haus an der Angerstraße, erbaut im Jahr 1709. Foto: Anne Orthen (ort)

Im katholischen Rheinland gab es in Urdenbach die Besonderheit einer evangelischen Gemeinde, die seit 1624 eine Schule unterhielt. Allerdings auf der Angerstraße, neben dem heutigen Wohnhaus von Keil. Später wechselte die Schule an die neu ausgebaute Hochstraße. Auch katholische Kinder besuchten damals die evangelische Schule. „In den oberen Räumen wohnten die Schuldiener und Lehrer, unten befanden sich die beiden Klassenräume. In jedem wurden mehr als 70 Kinder unterrichtet“, erzählt Keil. Einen Großteil seines Wissens bezieht er aus Büchern des ehemaligen evangelischen Pfarrers Helmut Ackermann, anderes hat er von seinem Urgroßvater erfahren, den er noch gut kannte.

Probleme mit Platznot in Schulen gab es auch schon damals. Als die Räume an der Hochstraße überfüllt waren, wurden die katholischen Schüler 1843 ein Jahr lang in einem Saal einer Gaststätte Am alten Rhein unterrichtet. „Auf dem Stundenplan stand Rechnen, Schreiben und Bibeltexte auswendig lernen“, sagt Keil. Von diesem Provisorium zogen die Schüler danach in Räume an der heutigen Urdenbacher Allee.

Dort kam Keil 1945 auch zur Welt. Seine Familie lebte in dem Gebäude, weil seine Großmutter seit Anfang der 30er Jahre Hausmeisterin an der Schule war. Diese Aufgabe führte später seine Mutter bis in die 80er Jahre fort. 1952 wurde Keil eingeschult und wechselte für die fünfte bis achte Klasse an die katholische Volksschule an der Garather Straße. Zu einigen seiner Mitschüler hat er heute noch engen Kontakt und sieht sie bei den Treffen der Alde Odebacher Jonges. So auch Gisela Käppler. Gemeinsam erinnern sich die alteingesessenen Urdenbacher an die Eigentümlichkeiten der damaligen Zeit mit Plumpsklos und schlagenden Lehrern. „Ein Fräulein kniff mit spitzen Fingernägeln kräftig in die Wange und drehte die Haut dann“, erzählt Gisela Käppler. Die Lieblinge der Lehrer durften die Pausenglocke läuten. Im Winter wurden die nassen Schuhe im Klassenraum an den Kohleofen gestellt. Während des Unterrichts trugen die Kinder dann Hausschuhe.

Das gibt es an manchen Grundschulen heute wieder. Vieles andere zum Glück nicht.

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