Gestaltung in Vennhausen : Ein Platz ohne Leben

Genutzt wird der Freiheitplatz an der Vennhauser Allee eigentlich nur, wenn Markttag ist. Das soll sich möglichst ändern, viele Menschen im Stadtteil setzen sich für eine Belebung ein. Auch der Brunnen soll bald wieder sprudeln.

Wenn man auf die Stadtkarte schaut, liegt er fast genau in der Mitte von Vennhausen. Der kleine Platz, der den schönen Namen Freiheit trägt, der Eingang ist zur gleichnamigen Siedlung, auf dem fünf stattliche Bäume gewachsen sind, die ein bisschen Grün an die vierspurige Vennhauser Allee bringen, die Schatten spenden, wenn die Sonne im Sommer kräftig brennt.

Immer hat es diesen Platz nicht gegeben. Früher, als die alte Post noch da war und das Spielwarengeschäft, konnten dort Autos parken. Die Politik wollte einen Ort schaffen für die Menschen im Viertel, an dem sie sich treffen können, sitzen können, quatschen können. 2003 wurde in der Bezirksvertretung der Beschluss gefasst, auf die Stellplätze zugunsten eines Treffpunkts für Vennhausen zu verzichten. Doch zu einem solchen Ort ist der Freiheitplatz nie wirklich geworden, „es ist schade, dass er so vergammelt“, sagt Jürgen Grundmann von der Initiative „Vennhausen lebt“, der nicht oft zum Freiheitplatz kommt, um einfach mal dort zu sitzen.

Weil es keine hübschen Bänke gibt, sondern Gitterstühle, die voneinander abgewandt angeordnet sind, weil die Baumscheiben nicht gepflegt werden, sich die Trinkerszene dort aufhält. Ein riesiger Brunnen wurde irgendwann aufgestellt, „in all den Jahren hat der aber vielleicht zwei, drei Mal gesprudelt“, sagt Stefan Stüttgen, ebenfalls Mitglied in der Initiative. „Die Menschen hier hatten sich eine Außengastronomie gewünscht“, erzählt Grundmann. Die Außengastronomie ist gekommen – ein paar Kreuzungen weiter, am Veenpark, gleich neben dem Spielplatz. Die Menschen im Neubaugebiet freut’s, zum Freiheitplatz wollen jetzt aber noch weniger.

Von einer „Trinkerszene“ sei beim Ordnungs- und Servicedienst nichts bekannt, sagt Stadtsprecher Manuel Bieker, „es liegen auch keinerlei Beschwerden vor“. Aber er bestätigt den Eindruck, den Grundmann und Stüttgen haben: „Insgesamt scheint der Platz wenig frequentiert zu sein. In den letzten Jahren hat sich das Zentrum auch durch den schönen Spielplatz mit benachbarter Eisdiele in den Eck-Bereich In den Kötten/Vennhauser Allee verschoben“, sagt Bieker.

Dabei ist das Plätzchen doch ganz schön, sagt Grundmann, der die Hoffnung nicht aufgeben will, dass sich jemand findet, der ein paar Ideen hat. Vielleicht sogar jemand, der ein bisschen Verantwortung übernimmt, die Initiative „Vennhausen lebt“ würde helfen, kann die Aufgabe aber nicht allein erfüllen. Bisher sind es die Schützen aus dem Stadtteil, die den Platz in ihr Fest einbauen, einmal im Jahr stellen sie dort ihr Biwak auf, vor zwei Wochen war’s mal wieder soweit. Es hat ziemlich heftig geregnet. Im Winter verteilt die SPD Glühwein. Viele Vennhauser fühlen sich ein bisschen allein gelassen von der Stadt, der Politik, der Verwaltung. „Für Vennhausen gibt es keinen Plan, kein Konzept“, sagt Grundmann.

Eine, die sich sehr einsetzt und auch den Freiheitplatz gut kennt, ist Petra Reidt-Schmidt aus dem SPD-Ortsverein. Sie erinnert sich noch gut an den alten Parkplatz und die hässlichen Container, die dort gestanden haben. Damals war sie selbst noch nicht Mitglied in der Bezirksvertretung 8, hat aber noch viele Unterlagen zum Umbau, der 2004 stattgefunden hat. 2006 wurde das Wasserspiel von Nessie-Schöpferin Inge Loerke aufgestellt, 120.000 Euro hat der Brunnen gekostet. Dass der von der Stadt betriebene Brunnen, der den schönen Namen Yin- und Yang-Brunnen trägt, nicht sprudelt, liege an elektrischen Problemen, eine Fachfirma sei jedoch bereits mit der Reparatur beauftragt, erklärt Stadtsprecherin Valentina Meissner.

Glücklich ist Reidt-Schmidt mit dem kleinen Markt, der immer donnerstags in Vennhausen ist. Jürgen Grundmann und Stefan Stüttgen haben allerdings das Gefühl, dass seit der Eröffnung des Netto gleich gegenüber weniger Händler kommen. Das kann die Politikerin nicht bestätigen, auch wenn tatsächlich der Obst- und Gemüse-Händler Vennhausen nicht mehr ansteuert. Der habe den Standort auf dem Wochenmarkt aufgegeben, „weil er nicht ausreichend Einnahmen bringt“, sagt Manuel Bieker von der Stadt. Ein direkter Zusammenhang mit dem Netto-Markt sei nicht als Grund gegenüber der Marktverwaltung genannt worden.

Petra Reidt-Schmidt will sich dafür einsetzen, dass es wieder Obst und Gemüse gibt auf dem Freiheitplatz. Sie weiß aus Gesprächen mit anderen Händlern, „dass der Markt gut angenommen wird, auch nach der Eröffnung von Netto“. Dass aber mehr passieren könnte auf dem Freiheitplatz, das weiß auch Petra Reidt-Schmidt, die schon mal über einen Trödel nachgedacht hat, so wie es ihn in Unterbilk gibt auf dem Friedensplätzchen. „Das ist aber an den Kosten gescheitert“, sagt die Politikerin, die sich dennoch Gedanken machen will, die aber wie die Initiative „Vennhausen lebt“ nicht allein ein Projekt initiieren, sich um alles kümmern kann. So wie auch am Friedensplätzchen nicht alles von allein passiert. Dort haben sich Nachbarn zusammengeschlossen, die Feste organisieren – zu Weihnachten und im Sommer. Jeder ist ein bisschen in der Vertantwortung, dann kann so ein einsamer Platz mit Leben gefüllt werden.

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