Düsseldorf: Maler Willy Spatz als Weltkriegs-Chronist

Düsseldorf: Maler Willy Spatz als Weltkriegs-Chronist

Der Professor der Düsseldorfer Kunstakademie führte seit Beginn des Ersten Weltkriegs ein anschauliches Tagebuch über die Ereignisse in Düsseldorf. Es wird in einem Blog von Archiven des Rheinlands veröffentlicht.

Abgesehen von der Ausmalung der Kapelle von Schloss Burg schlummern die meisten Werke des Historienmales Willy Spatz im Verborgenen, wenn sie nicht sogar im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Oder sie sind nur schwer zugänglich wie die fünf Historiengemälde zum Thema Entwicklung der Rechtsprechung, die den Plenarsaal des Oberlandesgerichtes in Düsseldorf schmücken. Ein ähnliches Schicksal hatten bisher auch die Tagebücher des Malers, in der er über den Ersten Weltkrieg berichtete. Die 21 Bände mit etwa 10 000 Seiten ruhen in den Regalen des Stadtarchivs Düsseldorf. Aber jetzt werden sie öffentlich leicht zugänglich - im wahrsten Sinne des Wortes Tag für Tag mehr. Denn es wird im Internet-Blog des Landschaftsverbands Rheinland und vieler rheinischer Archive veröffentlicht.

In diesem Blog werden auf den Tag genau Eintragungen aus Tagebüchern, Zeitungsberichte, Mitteilungen aus Briefen oder von Feldpostkarten von vor hundert Jahren seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs online gestellt. Der Blog wächst also Tag um Tag. "So werden Entwicklungen, Reaktionen und die Wahrnehmung der Kriegsauswirkungen dargestellt. Für historisch Interessierte ist das eine sehr umfangreiche Sammlung", sagt Monika Marner, die das Projekt des Weltkriegs-Blogs koordiniert und auch die Idee dazu hatte. "So können relativ einfach Materialien für den Geschichtsunterricht, heimatgeschichtliche Forschungen oder auch wissenschaftliche Untersuchungen bereitgestellt werden", erläutert sie. An dem Projekt beteiligen sich viele kommunale und private Archive aus dem Rheinland, darunter auch das Düsseldorfer Stadtarchiv.

"Das Tagebuch des Malers Willy Spatz ist so facettenreich, dass es ein vielschichtiges Bild gibt", erklärt Benedikt Mauer, Leiter des Düsseldorfer Stadtarchivs. Denn der Professor der Kunstakademie habe nicht nur eigene Beobachtungen und Gedanken säuberlich mit Bleistift geschrieben, sondern auch Zeitungsmeldungen, Karikaturen aus Zeitschriften und Fotos eingeklebt. "So entsteht ein Panorama der Zeit", erklärt Mauer. Aus welchem Grund er ein solch umfassendes Tagebuch geführt hat, warum er es überhaupt begonnen habe, sei nicht klar. Aber Spatz gebe mit seinen Beobachtungen Stimmungen aus Düsseldorf wieder. "So hat er ausführlich einen Aufzug von Krieg-spielenden Kindern geschildert", nennt Mauer ein Beispiel. Die Spieluniformen mit Schulterstücken aus Spielkarten, die von Mädchen dargestellte Sanitätskolonne oder der Umgang mit Kriegsgefangenen seien bildhaft dargestellt.

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Des öfteren spreche Spatz auch völlig unterschiedliche Themen kurz hintereinander an. Er schreibe über die Mode der Frauen und wenig später von verwundeten Bekannten, die Entwicklung Düsseldorfs zum Lazarett-Standort mit der anerkannten Kieferklinik stehe neben beruhigenden Meldungen über den Frontverlauf. "Spatz muss gewusst haben, dass die Zeitungsberichte zensiert wurden, aber er hat das nicht thematisiert", so Mauer.

Alle Schriftstücke und Fotos im Archive-Blog zeigen die digitalisierten Originale. "Die Texte wurden aber auch abgeschrieben und in eine heutige Form transskribiert, so dass sie leicht zu lesen sind", hebt Marner hervor. Zudem werde für jedes Dokument Datum und Archiv angegeben, so dass Forschung oder Arbeit im Unterricht leicht möglich sei. Natürlich könne auch unter Stichworten oder unter den Beiträgen der einzelnen Archive gesucht werden. - Die Adresse der Website: http://archivewk1.hypotheses.org/

(RP)
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