Düsseldorf: Ein uriger Zeltplatz im Linksrheinischen

Düsseldorf : Ein uriger Zeltplatz im Linksrheinischen

80 Plätze stehen gleich neben dem Paradieshafen in Lörick zur Verfügung. Der Chef Jürgen Kürten ist ein Original.

Vor der Rezeption des Campingplatzes Lörick warnt ein Schild die Besucher: "Betreten auf eigene Gefahr". Es sieht auch gleich ein bisschen gefährlich aus. Denn neben dem Schild steht ein brauner Campingwagen mit zerbrochenen Scheiben und einer großen Beule im Dach. Vier Wohnwagen hat Sturm "Ela" zerstört. "Alles meine und nicht versichert", sagt Jürgen Kürten, der Campingplatzbesitzer. Lapidar fügt er an: "Aber das waren meine alten, die mussten ohnehin weg."

Der 68-Jährige trägt Pilotenbrille und Goldkette, dazu eine blaue Latzhose. Er ist Kfz-Mechaniker und war früher stets mit seinen drei Kindern campen. In den 80er Jahren habe sich das dann mit dem eigenen Campingplatz ergeben. 80 Stellplätze gibt es gleich neben dem bekannten Löricker Paradieshafen, etwa 20 sind durch Dauercamper belegt. "Man kennt die Pappenheimer, man weiß, wen man auf den Platz lassen kann und wen nicht", sagt Kürten, der ein echtes Original ist.

Eine Seniorin betritt lächelnd die Rezeption und bestellt ein Bier. Seit mehr als fünf Jahren ist Margarete Sembach Dauercamperin in Lörick, die, sagen wir, etwa saloppe Art macht ihr nichts aus. Kürten serviert das Bier in einem Bierkühler aus Gummi, den er "Neoprenanzug" getauft hat. Eigens aus Thailand hat er ihn importiert. Vor Margarete Sembachs Wagen steht ein Kirschbaum mit einer Schaukel daran, ihre Enkel waren früher oft da. Ab und an kämen Papageienvögel, erzählt sie. "Es sieht alles ein bisschen traurig aus wegen der Sturmschäden", sagt sie. Tagsüber malt sie gerne im Grünen. Abends fährt sie wieder nach Hause in die Stadt. Den Wechsel zwischen urbaner Atmosphäre und dem schönen Gelände am Rhein schätzt sie.

Sembachs Mobiliar im Wohnwagen ist wuchtig und aus Holz. "Gelsenkirchener Barock", sagt die Seniorin. "Aber find' ich super, diese alten Dinger." Der Wohnwagen nebenan, ein modernes helles Campingmobil, gefiele ihr nicht so gut. Sie möge es lieber romantisch. Mit den anderen Besuchern des Platzes ist sie immer gut klargekommen. "Es ergeben sich nette Gespräche", erzählt sie. "Man kann auch mal mit einem Stuhl aushelfen, da kommt nichts weg."

Ein paar Meter weiter sitzen Tim und Miriam Grabandt. Sie kommen von der holländischen Grenze. Auch sie haben sich auf Kürtens Campingplatz getraut. Mindestens eine Woche verbringt das Paar mit seinen beiden Hunden auf dem Campingplatz. "Man hat hier nicht allzu viel Luxus", sagt Tim Grabandt. "Aber den braucht man auch nicht." Fünf Stunden sind die Holländer am Rhein entlang gewandert, um als Belohnung in der Altstadt einen Kaffee zu trinken. Nun liegen die Hunde erschöpft vor dem Campingwagen, Miriam Grabandt stärkt sich mit Bockwürstchen und Mayonnaise. In der Hand hält sie ein Glas Wein. Eigentlich sind sie wegen ihrer Enkelin in Düsseldorf, sieben Wochen ist sie alt.

Es ist ruhig auf dem Platz an diesem Nachmittag. Eine Gruppe Jugendlicher hielte auf der Reise von Paris nach Norwegen immer hier, erzählt Kürten. Aber nur einmal im Jahr. In einer Ecke steht eine Schaufensterpuppe mit einer Grubenlampe in der Hand. Daneben zieren ein "Jurassic Parc"-Schild und ein Stierkopf den Eingang zu einem Wohnwagen. Betreten auf eigene Gefahr eben.

Der Campingplatz Lörick-Rheinaue liegt am Niederkasseler Deich 305, neben dem DLRG-Gelände und dem Strandbad. Neben 20 Dauerstellplätzen gibt es 60 Plätze für Touristen (20 Euro pro Nacht im Wohnmobil). Dauerplätze kosten vom 1. April bis 30. September 800 und vom 1. Oktober bis 31. März 500 Euro.

(kett)