Düsseldorf: Kunstakademie: Das Mataré-Portal ist zerstört

Düsseldorf: Kunstakademie: Das Mataré-Portal ist zerstört

Der Kunsthistoriker Raimund Stecker spricht von "Frevel". Akademie-Kanzler Dietrich Koska sagt, die neue Schließanlage habe die Anbohrung von innen heraus erforderlich gemacht. Vor Jahren schon sei das Schloss erneuert worden.

"Ich war geschockt beim Rundgang, diesen Frevel zu sehen", sagt Raimund Stecker. "Da gibt es in der Professorenschaft Kunstwissenschaftler, die eine Bildhauer-Ausstellung im K20 mitkuratieren und zugleich zulassen, dass ihr repräsentativstes Kunstwerk, ihr Entree - die Tür von Ewald Mataré -, so respektlos entstellt wird."

Dem Kunsthistoriker ist wie vielen anderen, die beim Akademierundgang am Eiskellerberg ein- und ausgehen, aufgefallen, dass das wertvolle Eingangsportal der Kunstakademie durch ein modernes Sicherheitsschloss als Gesamtkunstwerk zerstört wurde. Die Bronzeplatte des Portals, das Anfang der 1950er Jahre vom Bildhauer Ewald Mataré geschaffen wurde, ist seit einiger Zeit von einem Zylinder durchbohrt. Während an anderen Orten, etwa in der Basilika St. Lambertus, für den Erhalt und die Restaurierung der Mataré-Arbeiten Geld gesammelt wurde, um das Original zu sichern, geht ausgerechnet die renommierte Akademie, an der Kunst der Lehrstoff ist, sträflich mit dem Recht des Künstlers am Werk um. Darüber schütteln derzeit viele Kunstfreunde den Kopf.

Die Bronzeplatte wurde durchbohrt. Foto: Endermann, Andreas (end)

Der Kanzler der Kunstakademie, Dietrich Koska, hat gestern auf Anfrage gesagt, dass die Mataré-Tür bereits vor zehn Jahren ein externes Schloss erhalten habe, das vor etwa drei Jahren noch einmal verändert worden sei. Der Konflikt zwischen Denkmalschutz und Funktionalität sei fast programmiert: "Über der Eingangstür und über allem steht für uns der Satz: Für unsere Studenten nur das Beste. Daran halten wir uns. Moderne Zeiten bringen moderne und mitunter veränderte Anforderungen mit sich."

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Aktuell habe man - allerdings nur von der Innenseite des Gebäudes - noch einmal einen neuen Mechanismus anbringen lassen müssen, um den Gegebenheiten der neuen Schließanlage gerecht zu werden. Eine kleine, nur drei Zentimeter große Platte habe man auf das Schloss gesetzt, um den Schließmechanismus feiner zu regeln.

Bis vor kurzem habe man die Tür von innen einfach öffnen können, das wär nicht mehr vereinbar mit dem modernen System der Schlüsselvergabe gewesen. Koska sagt, dass es an der Kunstakademie üblich sei, Studenten besonderen Zugang zu den Arbeitsräumen zu ermöglichen - auch spätabends und nachts. Damit die angehenden Künstler zu jeder Zeit in ihren Klassen arbeiten können. Über das neue differenzierte Schlüsselsystem seien die Zugänge individualisierbar, was Uhrzeiten angeht und den Zutritt für spezielle Räume. Es gebe Klassen, in denen besonders wertvolles Gerät stehe, und die Studierenden, die dort arbeiten dürfen, müssten für den Zugang ein Pfand hinterlegen. Man verfüge über ein intelligentes Schließsystem aus Mitteln der Landesregierung, die aufgrund der entfallenen Studiengebühren zur Verfügung gestellt wurden. "Aus unserer Sicht haben wir die Studienbedingungen enorm verbessert", sagt Koska.

(RP)
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