1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Johanna Boeck-Heuwinkel erste Kanzlerin der Kunstakademie Düsseldorf

Johanna Boeck-Heuwinkel : Die erste Kanzlerin der Kunstakademie

Die Juristin Johanna Boeck-Heuwinkel ist seit Anfang Mai Kanzlerin der Kunstakademie. Zum ersten Mal leitet eine Frau die Geschäfte am Eiskellerberg.

In der Vergangenheit gab es oft Unruhe, unheilige Allianzen und Querelen an der Düsseldorfer Kunstakademie. Mit Kanzler Jörn Hohenhaus, der 2017 antrat, und Rektor Karl-Heinz Petzinka, der im kommenden Sommer nach vier Jahren zur Wiederwahl ansteht, wurden die Wogen geglättet, Abläufe versachlicht und befriedet. Jurist Hohenhaus hat es Anfang des Jahres beruflich von Düsseldorf weggezogen. Und seinen Platz hat nun erstmals in der Geschichte der Kunstakademie eine Frau eingenommen. Wenige Tage erst ist Johanna Boeck-Heuwinkel da, das geräumige, aber piefige Kanzlerinnenzimmer wird sie noch persönlicher gestalten, verspricht sie. Der prächtige Blumenstrauß kommt von den Kollegen, die ihr das Ankommen leicht gemacht haben. Besonders gefreut hat sie sich darüber, dass ihr NRW-Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen die Ernennungsurkunde überreicht hat. Überhaupt ist Freude ein Wort, das die großgewachsene gebürtige Rostockerin häufig und gerne benutzt, um ihren Wechsel aus der Welt der Technik in die der Kunst zu beschreiben.

  • Markus Lüpertz und Pfarrer Klaus Hurtz:
    Kultur in Mönchengladbach : „Ein faszinierendes Ringsum-Genie“
  • „Mutter und Kind“ auf der Von-der-Mark-Straße
    Kunst im öffentlichen Raum : „Mutter und Kind“ – eins von Lehmbrucks Lieblingsmotiven
  • Die Künstlerin Johanna Wiens ist in
    Kunst in Meerbusch : Eine Reise um die Welt mit Farbe und Pinsel
  • An der MediaDesign-Hochschule werden Gamedesiger ausgebildet.
    Wege in den Beruf : So vielfältig ist das Studium in Düsseldorf
  • Die Kanzlerin spricht bei der virtuellen
    Kanzlerin im Bürgerdialog : Merkel sagt Kulturschaffenden weitere Hilfen zu
  • Kanzlerin im Untersuchungsausschuss : Wirecard beschädigt Merkels Bilanz

Die Stellenausschreibung war ihr wie ein Fingerzeig im Leben vorgekommen. Den Wechsel an eine der renommiertesten Kunstakademien in Deutschland empfinde sie als Beglückung. In den vergangenen Wochen hat sie schon an Sitzungen der Verwaltung teilgenommen und festgestellt, dass ihr der Vorgänger eine gut bestellte wie behutsam modernisierte Verwaltung übergeben hat. Die Abteilungsleitungen seien fachlich ideal besetzt, sagt sie.

Eine Kunstexpertin ist sie nicht, aber sie genießt und liebt die Kunst. Zuletzt hat sie in München in einem sehr technischen Umfeld mit Mikroskopen und Flugzeugen im Umfeld gearbeitet. Da habe es sie dringlich und regelmäßig zur Kunst hingezogen, einmal in der Woche hat sie Museen und Galerien durchstreift. „Wir erleben es gerade in der Pandemie: Was besonders fehlt, ist die Kunst“. Das faktische Nichtangebot von Aufführungen und Ausstellungen führe zu Vereinsamung und Traurigkeit in der Gesellschaft. Die Aufgaben der wenigen Kunstakademien im Konzert der wissenschaftlichen Universitäten seien besonders ernst zu nehmen, da diese die wichtigsten Ursprungsorte von Kreativität sind, was der gesamten Gesellschaft zugutekommt. Die Kunstakademie Düsseldorf, die der ehemalige Rektor Markus Lüpertz treffend eine „Geniebude“ nannte, sei von ihrem Selbstverständnis her ein Garant von größtmöglicher Freiheit. Das weiß sie als in der ehemaligen DDR Geborene besonders zu schätzen.

Mit Rektor Petzinka (65) bildet sie das Führungsduo der Akademie, dessen Aufgabenteilung vorsieht, dass der Rektor für alle Fragen der Kunst da ist, die Kanzlerin für die Organisation des Betriebes und für die Finanzen. „Im Idealfall wird man auf der gleichen Welle surfen“, sagt Boeck-Heuwinkel. Je besser und enger die beiden zusammenarbeiten, desto weniger Reibungsverluste ergeben sich. „Auch Verwaltung kann man gestalten“, sagt die 49-Jährige. Das Thema Administration ist seit Studienzeiten ein zweites Standbein von Boeck-Heuwinkel, die außerdem eine kaufmännische Ausbildung gemacht hat. „Recht und Ordnung müssen gelten, das ist natürlich vorrangig“, sagt sie. „Aber eine gut gehende Administration ist geräuschlos. Denn sie darf nie Selbstzweck sein.“ Sie habe regelrecht Freude daran, Verwaltungen zu beleben, den Dienstleistungsaspekt zu betonen und den Servicegedanken auszubauen. In ihrem Leben sei ihr Blick stets nach vorne ausgerichtet, daher sei sie auch nicht Rechtsanwältin geworden. In Kanzleien müsse man zurückschauen, was geschehen ist. Ihr Gestaltungswille richtet sich auf Zukünftiges.

Was das in Düsseldorf sein kann? Das, womit Petzinka und Hohenhaus schon begonnen haben: Ausbau eines W-Lan-Netzes und Vernetzung aller Studierenden über eine zentrale E-Mail-Adresse. Die Digitalisierung schwächelt seit jeher an der Akademie und dürfte jetzt auf einem guten Weg sein.

Boeck-Heuwinkel ist eine begeisterte Sportlerin, bald schon wird sie sicher – wie der Rektor auch – mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Als ihr leidenschaftlichstes Hobby bezeichnet sie ihre Tochter Matilda, die die Freude der Mutter teilt, in der Kunst- und Modestadt Düsseldorf angekommen zu sein.