Größte Kirmes am Rhein: Schützen prägen die Kirmes

Größte Kirmes am Rhein : Schützen prägen die Kirmes

Die größte Kirmes am Rhein gäbe es ohne den Sankt-Sebastianus-Schützenverein nicht. Denn Deutschlands zweitgrößtes Volksfest ist eigentlich das Schützenfest der Sebastianer.

Keine Kirmes ohne Schützen. Auf diesen einfachen Nenner ist der Hintergrund der Düsseldorfer Rheinkirmes (13. bis 22. Juli) zu bringen. Schließlich ist die "Größte Kirmes am Rhein", wie das Spektakel auf den Oberkasseler Rheinwiesen landauf, landab genannt wird, trotz ihrer Stellung als Deutschlands zweitgrößtes Volksfest — nach dem Münchner Oktoberfest und vor den Cannstatter Wasen — zuerst einmal ein Schützenfest. Und zwar das des Sankt-Sebastianus-Schützenvereins von 1316, des größten und einem der ältesten Schützenvereine Düsseldorfs.

"Die Schützen haben die Kirmes begründet und geprägt", sagt Lothar Inden, 1. Chef des Sankt-Sebastianus-Schützenvereins von 1316. Foto: Gabriel/dmt

Das wissen aber nur wenige Menschen. Der Großteil der rund vier Millionen Besucher, die in zehn Tagen etwa 100 Millionen Euro auf der Kirmes ausgeben, bringt die Rheinkirmes mit ihren attraktiven Fahrgeschäften, Bierzelten und gastronomischen Angeboten nicht oder nur ganz am Rande mit dem Sommerbrauchtum und seiner jahrhundertelangen Tradition in Verbindung. Doch woran liegt das?

"Die Schützen haben die Kirmes begründet, geprägt und sind seit Jahr und Tag alleiniger Ausrichter. Dass wir damit nicht richtig in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, liegt natürlich auch zu einem guten Teil an uns: Bis vor wenigen Jahren standen wir als Sankt-Sebastianus-Schützenverein nicht einmal auf den Werbeplakaten", sagt Lothar Inden, seit sieben Jahren 1. Chef des Vereins und damit Cheforganisator des gigantischen Festes.

Dies habe sich aber geändert, die Schützen hätten sich viel um die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert. "Und das hat Früchte getragen, die Menschen sehen uns als Organisatoren und Kirmes-Verantwortliche."

Für Lothar Inden, den Architekten Thomas König — der sogenannte "Kirmesarchitekt" — und den Vorstand des Vereins bedeutet die Organisation der Kirmes: Nach der Kirmes ist vor der Kirmes. Zwar geht es nicht gleich am Montag nach dem Abschluss wieder los, aber wirklich lange Verschnaufpausen gibt es nicht.

"Bis zum 15. Oktober müssen alle Bewerbungen der Schausteller vorliegen, von denen wir aus Platzgründen nur rund ein Drittel berücksichtigen können. Bei dem Auswahlverfahren geht es um Ausgewogenheit der Stände, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Wir brauchen nicht ein Dutzend Mal das gleiche Gericht und zu teuer darf es auch nicht sein", sagt Inden. "Wir verstehen uns als eine Familienkirmes und wollen nicht zu einem zweiten Oktoberfest werden. Die Preise sollen sich so darstellen, dass alle Menschen unsere Kirmes genießen können!"

Auch mit der Stadtverwaltung sind die Schützen im Gespräch. Es gibt einen Runden Tisch mit Mitarbeitern aller Düsseldorfer Ämter, von der Feuerwehr bis zum Ordnungsamt. Dabei werden offene Fragen geklärt, Probleme gelöst und neue Impulse eingebracht. Das Verhältnis zur Stadtverwaltung sei ausgesprochen gut, betont Inden: "Die Beteiligten interessieren sich alle für den Erfolg der Kirmes. Niemand versucht, Ideen auszuhebeln."

Dafür bekommen die Schützen — nichts. "Wir arbeiten alle ehrenamtlich, niemand von uns erhält hierfür eine Bezahlung", betont der 1. Chef. "Wir sind einfach mit Begeisterung dabei und identifizieren uns mit dem Sommerbrauchtum in Düsseldorf und der langen Tradition unserer Veranstaltung. Außerdem bekommen wir doch von den Besuchers den größten Lohn: Sie erfreuen sich an unserer Arbeit und an dem, was wir für sie schaffen. Das ist für uns Ehrenamtler genug."

(rps)
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