Kirmes 2018 in Düsseldorf: RP-Kirmesreporterinnen ziehen Bilanz

Kirmesreporterinnen-Projekt: 212 Stunden auf der größten Kirmes am Rhein

Eine Woche lang haben unsere Reporterinnen Laura Ihme und Helene Pawlitzki auf der Rheinkirmes gelebt, gearbeitet, geschlafen und gegessen. Ein echtes Abenteuer in einem Wohnmobil neben Höllenblitz, Kettenkarussel und Cocktailstand.

Es ist halb drei Uhr morgens und irgendwer hämmert. Stahl auf Stahl. Zwischendurch Rufe. Dann wieder hämmern. Eigentlich stellt das Fahrgeschäft nebenan ein Bergwerk dar. Jetzt hört es sich eher an wie eine Schmiede.

Acht Stunden später geben wir die Schlafversuche auf und stellen fest, dass der Höllenblitz doch noch steht. Die Nachtschicht verlässt gerade den Platz. „Schlafen!“, ermahnt der Chef seine Mitarbeiter. Ja, das wäre nicht schlecht, denken wir. Wie sich herausstellt, haben hier nur kleinere Vorarbeiten stattgefunden. Zeitdruck wegen Crange. Kirmes in Herne. Heute, am Kirmessonntag, läuft der Höllenblitz noch mal ganz normal.

Von der fieberhaften Aktivität der Nacht ist von außen kaum etwas zu sehen, nur ein paar Deko-Elemente sind weg – unter anderem Rusty, der automatische Bergarbeiter, der die vergangenen Tage zwischen 14 und 1 Uhr nachts ununterbrochen auf uns und seinen Freund Ötzi, den automatischen Berggeist, eingequatscht hat. Wir haben uns nicht mal verabschieden können. Oft hätten wir ihm gern den Stecker gezogen. Jetzt hat er uns den Stecker gezogen. Ein netter Höllenblitz-Techniker findet schließlich das Stromkabel, das unser Wohnmobil wieder mit Elektrizität versorgt.

Rheinkirmes 2018: Roomtour durch das Kirmes-Wohnmobil

Oben auf den Achterbahn-Schienen, die aus dem Höllenblitz herauskommen, hangeln zwei Arbeiter herum. Ab und zu steckt einer ein Spaltwerkzeug in eine Ritze und hämmert. Aha. Da kam das also her. Wir verstehen nicht alles, was uns erklärt wird, nur so viel: Irgendwas war schief. Jetzt ist es gerade. „Ich konnte auch nicht schlafen“, sagt die Schaustellerin vom Breakdancer. Normalerweise sind die Nächte auf der Kirmes still – überraschend still. Wenn auch kurz. Hier in den Rheinwiesen hört man von der Stadt allenfalls mal eine entfernte Polizeisirene.

Der Festplatz erwacht jeden Wochentag gegen halb elf. Dann bereiten die Schausteller ihr Fahrgeschäfte und Buden auf den Tag vor. Karussels und Breakdancer werden mit dem Schlauch abgespritzt, Kassenhäuschen mit Glasreiniger auf Hochglanz poliert. Der Platz vor dem Geschäft wird erst mit Wasser besprengt und dann gefegt (damit es nicht so staubt). Kräftig gebaute Männer bringen prallgefüllte Müllsäcke zu den Containern unter der Rheinkniebrücke. Sie tragen gern oben ohne in der Sommerhitze. Sonst trägt der Kirmes-Arbeiter meist Werbe-T-Shirts für Brauereien und Arbeitshose, später dann ein Poloshirt des Fahrgeschäfts.

Die Kinder der Schausteller laufen herum und spielen mit ihren Vätern und Müttern. Gerade sind Ferien. Emma ist drei und geht jeden Tag mit Oma Rosi auf dem Festplatz spazieren. Oft machen sie auch an unserem Kirmesmobil Station. „Dürfen wir uns hinsetzen?“, fragt Emma dann mit heller Stimme. Natürlich dürfen Emma und Rosi. Manchmal gibt es auch einen Keks. Dann fragt Emma immer sehr viel. „Was macht ihr im Wohnwagen? Was ist euer Geschäft? Was schreibst du?“

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Emmas Eltern gehört die Schlittenfahrt quer gegenüber. Manchmal kommt Emmas Papa an uns vorbei. „Wo gehst du hin?“, fragt Emma. „Zum Geschäft“, sagt der Papa. „Was machst du da?“, fragt Emma. „Gucken!“, sagt der Papa.

Oft kriegen wir auch Besuch von Nicht-Schaustellern. Leser kommen und erzählen uns, dass sie unser Video gesehen oder unsere Artikel gelesen haben. Manche von weit her - aus Finnland oder aus Xanten. Wir halten dann ein Schwätzchen, wenn wir können. Manchmal kommen auch Freunde, Verwandte oder Kollegen vorbei. „Wie haltet ihr das bloß aus?“, ist meistens die erste Frage. „Seid ihr froh, wenn es vorbei ist?“, die zweite. Und die dritte: „Würdet ihr es wieder tun?“

Alles gute Fragen. Die Wahrheit ist: Zehn Tage auf dem Festplatz wohnen ist vollkommen okay – länger muss nicht sein. Schon aus Angst, dass irgendwann die Ohren den Geist aufgeben. Unsere Unterhaltungen im Wohnmobil verlaufen ab Tag vier etwa so: Die eine sagt etwas, die andere schreit „WAS?“. Wie ein altes Ehepaar. Ab halb zwölf wächst in uns regelmäßig der dringende Wunsch, nach dem Knopf zu suchen, mit dem man die Kirmes abschalten kann. Den gibt es leider nicht. Aber dann gehen wir meist eine Pommes essen oder auf die Superrutsche oder an den Stand, wo man Frösche hüpfen lassen kann, und lenken uns ein bisschen ab. Und um ein Uhr ist ja dann schon wieder alles vorbei.

Würden wir es wieder tun? Fragt uns in zwei Wochen noch mal. Aber ja, wenn wir können, dann schon. Alleine deshalb, weil wir inzwischen wissen, wo das Wasser herkommt und das Abwasser hinkommt und wo man seine Chemietoilette entleeren kann. Diesen Wissensvorsprung darf man doch nicht verkommen lassen!

Sind wir froh, weil es vorbei ist? Naja. Ein bisschen Wehmut wird schon dabei sein, wenn wir die schöne gelbe Kirmesreporterinnen-Folie vom Wohnmobil abreißen und das (gar nicht so) alte Schätzchen wieder zum Autohaus bringen, das es uns geliehen hat. Unsere Woche auf der Kirmes war ein kleines Abenteuer. Strapaziös, aber ganz oft auch unheimlich lustig und spannend.