Kirmes 2018 in Düsseldorf: Bilanz von Schützen, Polizei, Feuerwehr und Rheinbahn

Bilanz der Rheinkirmes: Die „Sonnenkirmes“ knackt den Besucherrekord

Besucherrekord: Das war die Rheinkirmes 2018 in Düsseldorf

Schützen, Feuerwehr, Polizei und Rheinbahn sind hochzufrieden: Mehr als vier Millionen Besucher kamen zur „größten, sonnigsten Kirmes am Rhein“. Ein Rekord. Trotzdem gab es kaum Vorfälle. Nur die Hitze war ein Problem.

Ein entspanntes Organisationsteam zog Sonntagmittag im Tiroler Dorf auf dem Festplatz Bilanz: Er habe in vierzig Jahren nicht erlebt, dass das Wetter so ununterbrochen sonnig und die Kirmes so reibungslos verlaufen sei, sagte Schützenchef Lothar Inden, und sprach von der „größten und sonnigsten Kirmes am Rhein“. Dem schloss sich Kirmes-Architekt Thomas König an. Es sei eine „perfekte“ Kirmes gewesen. Zwar sei die Sonne nicht nur positiv, die Hitze führe zu „nicht uneingeschränkt optimalen Bedingungen, aber wir wollen nicht stöhnen.“

Besucherzahlen Am letzten Kirmestag überschritt die Rheinkirmes ihre Bestmarke. Nach Hochrechnungen waren 2018 bis zu 4,25 Millionen Menschen auf dem Festplatz zu Gast.

Besonders gut lief laut König das erste Wochenende mit etwa 1,2 Millionen Besuchern - ebenfalls ein Rekord. Die Wochentage inklusive des Feuerwerks-Freitags hätten das Vorjahresniveau gehalten. Dass hier kein weiterer Rekord aufgestellt wurde, habe wahrscheinlich mit der großen Hitze am Nachmittag zu tun. „Die Besucher kamen erst nach 18 Uhr, es war nicht so voll. Das hatte aber auch den Vorteil, dass die Besucher, die nach dem Feuerwerk kamen, auf dem Festplatz gut aufgenommen wurden“, so König. Gegen 21 Uhr wurde zeitweilig eine Einbahnstraßenregelung eingeführt, so dass die Besucherströme nur in eine Richtung um den Festplatz laufen konnten. Sie wurde aber nach einer Stunde wieder aufgehoben.

Der zweite Samstag war etwas schwächer als im Vorjahr. Das führte König auf die Konkurrenzveranstaltung Kölner Lichter zurück. „Und die Leute sind einfach auch kaputt bei 30 Grad im Schatten.“

Bilanz der Schausteller und Wirte Die Resonanz sei „durch die Bank positiv“ gewesen, sagte König. Fazit von Oliver Wilmering, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Düsseldorf: „Das Wetter war top, alle Rahmenbedingungen waren bestens, es war für uns die erfolgreichste Kirmes der letzten Jahre“. „Wir lagen sowohl bei der Besucherzahl als auch beim Umsatz deutlich über dem Vorjahr“, freute sich Karl-Heinz Gatzweiler, Inhaber der Altbier-Hausbrauerei „Zum Schlüssel“.

Max Johannes Eberhard, Chef der Wilden Maus XXL, die 2018 Premiere auf der Rheinkirmes hatte, konnte sich über mangelndes Interesse nicht beklagen: „Ich bedanke mich für das große Interesse an der Anlage, aber besonders für die Geduld der vielen Fahrgäste, die unermüdlich mit großer Gelassenheit auf eine Achterbahnfahrt gewartet haben.“ Etwa 15 Prozent der Fahrgäste hätten die Virtual-Reality-Brillen gebucht, die die Fahrt noch spannender machen sollten - mehr als erwartet. Allerdings musste in Stoßzeiten das Angebot eingeschränkt werden. Eberhard verspricht, das System weiter zu optimieren.

Rheinkirmes 2018 in Düsseldorf: Das Feuerwerk im Video

Trotz allgemeiner Zufriedenheit hatten einige Schausteller geklagt, dass die Hitze am Nachmittag für schlechtere Geschäfte sorgte. „Die Kinderfahrgeschäfte und Reibekuchenstände sind bei hohen Temperaturen am Nachmittag nicht so frequentiert“, sagte der Kirmesarchitekt dazu. „Die Reibekuchenstände können das abends wett machen - die Kinderfahrgeschäfte nicht.“ Das Problem hatten offenbar auch einige Wirte. Mit gemischten Gefühlen zieht beispielsweise Nina Thea Ungermann, Chefin der Hausbrauerei Schumacher, Bilanz für ihr Zelt: "Dafür, dass so eine Hitze herrschte, ist es ganz gut gelaufen. Insgesamt war es aber viel zu heiß auf der Kirmes", sagt sie.

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Angesprochen auf den Standort des Uerige in einer Seitenstraße der Kirmes, sagte Architekt Thomas König: „Wenn der Uerige-Baas dort nicht zurecht kommt, wird es woanders auch nichts.“ Die Hausbrauerei hatte in diesem Jahr kein Zelt an einer Hauptstraße erhalten. Daraufhin hatte es Mutmaßungen gegeben, dass dies eine Bestrafung für das Spontan-Konzert der Toten Hosen 2017 sein könnte, das nicht mit den Schaustellern abgesprochen worden war. Die Kirmes-Organisatoren hatten das aber stets bestritten.

Polizei setzt auf Prävention Es gebe im Polizeifunk eine Abkürzung, die auf diese Kirmes zutreffe, sagte Pressesprecher Markus Niesczery: k.b.V. oder auch „keine besonderen Vorkommnisse“. Einzig bemerkenswert: Am ersten Samstag setzte jemand bei einer Auseinandersetzung Pfefferspray ein und verletzte damit direkt auch die Umstehenden, außerdem wurde ein großer Feuerwehreinsatz ausgelöst, weil jemand ein Gasleck gemeldet hatte. Dazu Niesczery: „In Menschenmengen sind auch wir gehalten, kein Pfefferspray einzusetzen, weil man die Wirkung nicht eingrenzen kann.“

Die Polizei setzte besonders auf Präventionsmaßnahmen wie sogenannte Gefährderansprachen, bei der Menschen angesprochen werden, die sich auffällig verhalten, bevor sie sich daneben benehmen. Deren Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken (siehe Infobox), während die Zahl der Platzverweise von 73 auf 121 gestiegen ist. „Bei der Hitze wirken das Bier oder der Cocktail doppelt so stark - wahrscheinlich gab es auch deswegen mehr Platzverweise“, so Niesczery. „Ab einem bestimmten Pegel reagieren manche Leute nicht mehr auf eine reine Ansprache.“

Knöllchen und Abschleppungen 186 Fahrzeuge (184 in 2017na ) ließ die Polizei abschleppen, 768 Verwarngelder und 824 Ordnungswidrigkeits-Anzeigen wegen Verkehrsverstößen wurden ausgeteilt - eine hohe Zahl, die aber seit 2011, als es mehr als 2000 waren, deutlich gesunken ist. Das Ordnungsamt schrieb 238 Knöllchen (300 im Vorjahr). In Oberkassel kam es wieder einmal zu Feuerwehreinsätzen, bei denen die Einsatzkräfte wegen Falschparkern nicht gut durchkam. Das habe aber nichts mit der Kirmes zu tun gehabt, sagte ein Sprecher.

Kaum Einsätze der Feuerwehr Am Montag brannte ein Schaltkasten, beim Kirmesfeuerwerk dann zwei Quadratmeter Wiese. Mehr hatte die Feuerwehr nicht zu löschen. 387 Mal war das Deutsche Rote Kreuz im Einsatz, 170 Menschen kamen ins Krankenhaus. „Das ist normal für eine Woche Rettungsdienst in Düsseldorf“, so ein Sprecher der Feuerwehr.

Zufriedene Rheinbahn Die U-Bahn sei dieses Jahr nicht nur das größte, sondern auch das vollste Fahrgeschäft gewesen, sagte Rheinbahn-Sprecherin Heike Schuster. „Das ist nicht immer angenehm bei der Hitze - auch für unsere Fahrer nicht. 800 zusätzliche Mitarbeiter waren im Einsatz, davon 500 Fahrer, die 900 Halte am Luegplatz ermöglichten. „Mehr geht derzeit nicht“, so Schuster. Direkt am Montag beginnen dort aber die Bauarbeiten für Hochbahnsteige, die genau in einem Jahr zur nächsten Rheinkirmes abgeschlossen sein sollen. Weil die Passagiere dann keine Stufen zur Bahn hochsteigen müssen, erwartet die Rheinbahn, dass der Bahnverkehr schneller laufen kann. Auch die Pendelbusse seien gut angenommen worden, so Schuster. „Und die Stimmung war gut. Die Menschen waren freundlich und haben ab und zu sogar mal ein kleines Geschenk vorbeigebracht.“

Fazit Keine Skandale, kein Wetterdesaster, kein Überraschungskonzert - man könnte die Kirmes fast als ereignislos bezeichnen. Am aufregendsten ist noch die Anekdote, die ein Sprecher des Ordnungsamts erzählte: Dessen Kollegen schritten bei einem Pärchen-Streit ein, der so weit eskaliert war, dass sie ihm bereits das Hemd zerrissen hatte. Grund des Streits: Die Dame wollte unbedingt auf die Wilde Maus, der Herr nicht. Ob aus Höhenangst, aus Desinteresse oder wegen der langen Schlange, ist nicht überliefert. Auch spannend: Auf der Infinity-Schaukel saßen offenbar mehrfach Menschen, die ihren Mageninhalt nicht bei sich behalten konnten - und ihn ins Tiroler Dorf spieen. Gut unterrichteten Kreisen zufolge passierte das gleiche Debakel auch dem benachbarten Schumacher-Zelt, das daraufhin ein Zeltdach im Raucherbereich installierte. Kirmes-Architekt König plant bislang keine Konsequenzen für den Aufbau: „Das ist blöd, aber das Risiko besteht bei diesen extremen Fahrgeschäften leider immer.“