Kirmes 2018 in Düsseldorf: Höllenblitz-Besitzer Klaus Renoldi im Porträt

Fahrgeschäft auf der Rheinkirmes: Dieser Mann ist der Herr des Höllenblitzes

Klaus Renoldi ist Schausteller in der sechsten Generation und betreibt auf der Kirmes eine Geister-Achterbahn. Sein Job ist der eines Unternehmers: Er hat Verantwortung für seine Mitarbeiter - und die Passagiere seines Fahrgeschäfts.

Am Rande der Kirmes steht ein Berg – mehr als 30 Meter hoch, etwa 50 Meter breit, grau und zerklüftet. An seiner Vorderfront ein reißender Wasserfall, davor ein altmodisches Minengerüst aus Holz, an dem ein todesmutiger Bergarbeiter baumelt. Und alle paar Minuten rast eine Lore mit angehängten Gondeln voll kreischender Menschenfracht von oben rechts nach unten, einmal durch den Wasserfall, und dann oben links wieder in den Berg.

Der Höllenblitz ist eins dieser Fahrgeschäfte, bei denen man nicht genau weiß, was einen erwartet – eine Blackbox, hinter deren Front alles mögliche auf einen warten könnte. „Im Grunde ist der Höllenblitz eine Geisterbahn, die etwas schneller fährt“, sagt Klaus Renoldi, 43 Jahre alt, braungebrannt, mit dortlich norddeutschem Schlag in der Sprache. Man könnte auch sagen: eine Achterbahn im Dunkeln, ergänzt durch eine aufwändige Lasershow. „Man kann Geschwindigkeit auch visuell durch Licht erzeugen“, sagt Klaus Renoldi dazu. Die Liebe zum Detail gehört beim Höllenblitz dazu – die Story vom wilden Bergwerk wird hier mit Augenzwinkern erzählt.

Geisterbahnen haben Tradition in Renoldis Familie. Jedenfalls seit zwei Generationen. Das Herumziehen auf Märkten geht noch weiter zurück: Renoldis Ur-ur-ur-Großvater sei als Schuster aus Italien gekommen, erzählt er. „Er hat auf Märkten Schuhe verkauft, damit muss das Marktwesen für uns angefangen haben.“ Irgendwann gab es dann eine hölzerne Schaubude in der Familie. Darauf wurde aufgebaut. „Meine Großeltern hatten eine Raupenbahn“, sagt Renoldi. „Mein Vater und meine Mutter haben dann mit Geisterbahnen angefangen.“ Geisterfestival, Kingdom of Magic, Geisterschlucht – quer durch Deutschland reisten die Renoldis mit diesen Bahnen. „Mein Vater war ein Visionär“, sagt Renoldi. „Für die Geisterschlucht hat er mit dem Erbauer ausgeklügelt, dass die Gondeln sich drehten –  in welche Richtung, war elektronisch vorprogrammiert.“ Heute klingt das selbstverständlich, damals war es eine Innovation.

Klaus und seine Schwester gingen in Bremen zur Schule, wohnten erst bei Pflege-Eltern und später bei den Großeltern, waren aber in den Ferien selbstverständlich bei den Eltern auf dem Festplatz. Für Klaus Renoldi war früh klar, dass er ebenfalls Schausteller wird. Mit 16 war er das erste Mal mit der elterlichen Geisterbahn allein unterwegs. „Ist eine Riesenverantwortung“, sagt er. „Aber ich bin früh herangeführt worden von meinem Vater und habe genug Selbstbewusstsein gehabt.“ Natürlich, das gibt er zu, habe er gerade in den ersten paar Jahren viel gelernt. „Besonders zum Thema Personalführung. Da lernt man eigentlich nie aus.“ Seine treuesten Mitarbeiter sind seit fast 30 Jahren mit der Familie unterwegs.

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Parallel betrieb Renoldi senior den Magic Mountain, einen Vorläufer des Höllenblitzes. Als der weiterentwickelt wurde zur Star World, stieg der jüngere Renoldi voll ins Geschäft ein – mit etwa 24 Jahren.

Heute ist Klaus Renoldi junior Unternehmer eines Betriebs mit etwa 20 Mitarbeitern (Familienmitglieder nicht mitgerechnet), die er nicht nur bezahlen, sondern auch unterbringen und in den stressigen Auf- und Abbauphasen verpflegen muss. „Die sollen was anständiges essen, wenn sie so harte körperliche Arbeit tun.“ Seit 2007 ist er mit dem Höllenblitz unterwegs. 42 Lkws sind nötig, um das Fahrgeschäft zu transportieren. Zehn Tage dauert der Aufbau im Idealfall.  Renoldi muss dafür sorgen, dass der Höllenblitz pünktlich zum Kirmesstart auf dem Platz steht, TÜV-abgenommen und betriebsbereit. Wenn man ihn auf dem Kirmesplatz sieht, hat er normalerweise das Handy am Ohr.

Jeden Vormittag überwacht er den Betriebstest seiner Achterbahn. Nachmittags, wenn „die Minenbahn durch die Schächte flitzt“, wie es in der Höllenblitz-Werbung heißt, hat Renoldi ein wenig Zeit für seine Tochter (8) und seinen Sohn (5). Sie ist einmal Höllenblitz gefahren und hat erst mal genug. „Aber der Junior ist vergangenes Jahr das erste Mal gefahren, in Stuttgart“, sagt Renoldi. „Seitdem will er jeden Tag. Wir versuchen, das etwas zurückzuschrauben.“ Die siebte Generation der Schaustellerfamilie Renoldi scheint gesichert.

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