Rheinkirmes in Düsseldorf: Die Recommandeurin am Hangover Tower

Rheinkirmes 2018 in Düsseldorf: Die Rekommandeurin

Ohne sie wäre Kirmes langweilig: die Ansager an den Karussells. Mit schrägen Sprüchen, Musik und Mikrofon-Effekten kommentieren sie das Geschehen. Christina Schneider hat diese Kunst des Rekommandierens perfektioniert.

Wer auf Christina Schneider trifft, merkt schnell: Diese Frau ist ganz schön schlagfertig. Wenn sie an der Kasse des Hangover Towers, den sie mit Ehemann Ewald betreibt, sitzt, hat sie für nahezu jeden Gast, der ein Ticket kauft, einen Spruch parat: „Wer hat Dir denn dieses T-Shirt gekauft?“, fragt sie einen jungen Mann, der gerade mit seiner Freundin zwei Fahrscheine für den Freifall-Turm kauft und ein weißes Shirt, auf das zwei Augen mit klimpernden Wimpern gedruckt sind, trägt. „Ich“, sagt die Freundin. „Sieht man“, sagt Schneider. Das Paar grinst und geht Richtung Eingang.

So geht das Schlag auf Schlag. Allein dafür muss Schneider aber nicht schlagfertig sein. Wohl aber für den anderen Job, den sie an dem Fahrgeschäft wahrnimmt: das Rekommandieren, also das Ansagen am Karussell in Kombination mit der Steuerung. Der Erfolg eines Fahrgeschäftes, sagen Experten, hängt zu einem Großteil davon ab, wie gut der Rekommandeur ist. Schafft er es, durch seine Sprüche und die Art, die Fahrt zu gestalten, das Publikum zu begeistern? Das ist die Kardinalfrage. Und fragt man eingefleischte Kirmes-Fans, wer das auf dem Düsseldorfer Platz am besten beherrscht, fällt meist Christina Schneiders Name.

Wie lange genau sie das Rekommandieren schon macht, kann die 50-Jährige gar nicht sagen. Gefühlt ihr ganzes Leben lang: Schneider entstammt der berühmten Schausteller-Familie Bruch, ist also eine echte Düsseldorferin, und hat schon als junge Frau angefangen, sich um die Stimmung an Buden und Karussells zu kümmern. Ihre erste Attraktion war das Frösche-Spiel, wo Besucher Plastik-Frösche mit einem Hammer in einen Eimer katapultieren müssen. „Das war meine Feuerprobe.“ Viel anspruchsvoller als ihre Arbeit heute am Hangover Tower sei das gewesen: „An so einem Geschäft ist man ja in direktem Kundenkontakt, man hat keine Schutzzone“, sagt sie. Die Interaktion mit dem Publikum sei viel direkter.

Als Rekommandeurin am Freifall-Turm sitzt sie allein in einem kleinen Raum an der Rückwand des Geschäfts. Ausgestattet mit Mikrofon und Musikanlage, steuert sie gleichzeitig mit verschiedenen Knöpfen die Fahrt auf dem Turm. „Wenn jetzt etwas schief geht, bin ich die Erste, die weg ist“, ruft sie dann zum Beispiel, bevor sie die Fahrgäste Richtung Spitze in einer Höhe von über 80 Metern fährt.

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Das ist auch aktuell ihr Lieblingsspruch, wie sie verrät. Ein Teil des Programms, das Schneider und ihr Mitarbeiter Eric Mahn Möbius im Wechsel am Steuer heruntererzählen, ist ein festes Repertoire. „Das verändert sich laufend. Manchmal macht Eric spontan einen guten Spruch und ich sage dann, der ist so gut, den nehmen wir auf“, sagt Schneider. Ziel des Ganzen ist es immer, den Fahrgästen und auch den Kirmesbesuchern, die von außen zusehen und vielleicht noch überlegen, selbst eine Fahrt zu wagen, eine gute Show zu bieten, die sie zum Lachen bringt. „Wenn unser Publikum nicht lacht, dann machen wir einen Witz nicht mehr.“

Aktueller Dauerbrenner: Wenn die Gondel an der Spitze hält und die Insassen hoffen, dass der freie Fall bald kommt, erklingt das Ave Maria aus den Musikboxen – man lässt sein Leben schließlich noch einmal Revue passieren, bevor es abwärts geht. Eine gespenstische Atmosphäre entsteht, die besonders in den Abendstunden die Passanten fasziniert stehenbleiben lässt.

Nicht alles ist geplant, was die Rekommandeure so erzählen. Vieles ist improvisiert, auf das Publikum abgestimmt. „Wenn ich zum Beispiel an der Kasse sitze und so ein Halbstarker kauft ein Ticket, dann gebe ich das schon mal meinem Kollegen per Funk durch und wir ärgern den Gast ein wenig – solche Kandidaten wollen das dann auch“, sagt Christina Schneider und grinst.

Bleibt noch die Frage, ob jeder das Rekommandieren so einfach lernen kann. Schneider lacht. „Das ist wie Singen. Entweder Sie haben eine gute Stimme, oder Sie lassen es besser.“