Interview auf der Rheinkirmes: Klaus Unterwainig von Gulasch Alt

Aktion Ein Herz für...: Der Gulasch-Alt-Chef hat sich vor 40 Jahren in Düsseldorf verliebt

In unserer Reihe „Ein Herz für...“ besuchen spannende Menschen unser Reportermobil und verzieren für uns ein Lebkuchenherz. Klaus Unterwainig von der Gulasch-Hausbrauerei hat uns dabei verraten, wie er es vom Kellner zum Brauerei-Chef geschafft hat.

Herr Unterwainig, wie geht es Ihnen heute?

Klaus Unterwainig Ich habe unheimlich viel im Kopf momentan. Mit Weltmeisterschaft und Kirmes - und meine Geschäfte laufen ja trotzdem weiter. Alles gleichzeitig.

Dann danken wir Ihnen herzlich, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Wofür schlägt Ihr Herz?

Unterwainig Mein Herz schlägt eigentlich für Düsseldorf. Ich bin ja gebürtiger Österreicher, aber schon vierzig Jahre hier, und Düsseldorf ist meine Stadt.

Warum?

Unterwainig Ich habe hier ganz klein angefangen - mit nichts. Und bin hier sehr gut aufgenommen worden.

Wie alt waren Sie, als Sie herkamen?

Unterwainig Jetzt bin ich 59, also war ich 19. Ich hatte Kellner in Österreich gelernt, bin dann aber mit einer Baufirma zum U-Bahn-Bau. Ich habe an der Station Heinrich-Heine-Allee mitgebaut. Ein Jahr lang. Dann sind die anderen wieder zurück und ich hatte jemanden kennengelernt. Also bin ich hier geblieben.

Also, erst haben Sie sich in eine Person verliebt und dann in die Stadt?

Unterwainig Man hat hier kurze Wege. Ich wohne in Oberkassel und fahre einfach über die Brücke in die Stadt, wenn ich das möchte. Es ist viel Grün, gute Menschen.

Dann machen Sie jetzt ein Düsseldorf-Herz. Vielleicht mit einem Rheinturm aus Fondant? Wie sieht der Rheinturm noch mal aus?

Unterwainig Erst dick und dann dünn.

Wunderbar. Wir arbeiten schon mal an den blauen Fluten des Rheins.

(Klaus Unterwainig beginnt, aus rotem Fondant einen Rheinturm zu formen.)

Unterwainig Arbeiten Sie mal.

Was kam denn nach dem U-Bahn-Bau für Sie?

Unterwainig Danach habe ich beim Oberkasseler Hof als Kellner angefangen. Den gibt es heute nicht mehr. Direkt gegenüber war der Alte Bahnhof, den gab es damals schon. Wirklich ein alter Bahnhof. Und das war immer mein Traum, da mal Bier zu brauen. Irgendwann hat es dann auch geklappt.

Na, so einfach können wir Sie aber nicht davon kommen lassen. Man sagt doch nicht einfach: Ich braue jetzt mal ein bisschen Bier. Das muss man doch lernen.

Unterwainig Naja, das mache ich ja nicht selber. Das macht der Brauer.

Also sind Sie Unternehmer geworden?

Unterwainig Ja, das kann man so sehen. Aber ich packe auch selbst viel mit an. Ich arbeite sehr viel. Ein Unternehmer bin ich auch, ich muss ja 80 Menschen am Fressen halten, auf Deutsch gesagt. Aber ich mache gerne Kirmesveranstaltungen und Stadtfeste und sowas.

Wieviel Brauer steckt in Ihnen?

Unterwainig Ich wollte es gerne lernen. Aber allein der Verwaltungsaufwand, es zu lernen, ist gigantisch. Außerdem dauert ein Brauvorgang zwölf Stunden. Ich habe das mal versucht. Morgens um fünf Uhr geht es los und abends um elf bist du fertig, aber du kannst sonst nichts mehr machen. - So, zeigen Sie noch mal das Foto vom Fernsehturm. Ah ja.

Wie Sie sagen: unten dick, oben dünner und dann so ein Dreieck. Wegen des Rheins müssen wir aber noch mal warnen: Wir sind sehr untalentiert.

Unterwainig Das meint man nur.

Sie haben sich die berühmte Toleranz des Rheinländers angewöhnt.

Unterwainig Ganz schnell.

Sind Österreicher tolerant?

Unterwainig Ja. Naja. Ach, doch. Hinter vorgehaltener Hand muss ich natürlich sagen, die sind ein bisschen rechts geworden. Wenn in so einem Dorf, wo nur 800 Menschen leben, ein Flüchtlingsheim ist mit 60, 70 Mann - das ist natürlich gewöhnungsbedürftig. Obwohl wir das ja in Lörrick auch gut hingekriegt, das funktionierte wunderbar.

Aber wie hat denn das geklappt mit dem Alten Bahnhof und der Bierbrauerei? Man sagt doch nicht einfach: Wir machen da jetzt eine Hausbrauerei auf und macht es dann einfach.

Unterwainig Doch, wir haben das genau so gemacht. Ich hatte einen guten Braumeister. Der war bei Schumacher in Rente gegangen und hat dann bei mir neu angefangen. Ich kannte ihn schon seit vielen Jahren. Aber das Ganze war schon ein Sprung ins kalte Wasser, der sehr viel Geld gekostet hat.

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Hatten Sie Angst, dass es schiefgeht?

Unterwainig Nein. Die habe ich nie, wenn ich etwas anpacke. Aber ich würde es heute nicht mehr so machen.

Erfahrung macht klug, gell?

Unterwainig Ja.

Vorher hatten Sie ja aber auch schon Erfahrungen gesammelt.

Unterwainig Natürlich. Ich hatte als Kellner angefangen, dann vom Schumacher die Kirmes übernommen. Dann habe ich mein erstes kleines Lokal in Oberkassel dazu genommen, dann ein zweites, dann ein drittes. Und dann kam auf einmal der Alte Bahnhof. Dann waren wir am Ziel. Heute wäre das nicht mehr so einfach.

Der Rheinturm ist wahrscheinlich etwas groß, den müssten wir oben mal abschneiden.

Unterwainig Das kann am Ende sowieso keiner erkennen.

Ach, wir sind ja noch lange nicht am Ende. Das wird schon. - Sie haben ja vorher gesagt, Sie mögen Düsseldorf auch deshalb, weil Sie viele Menschen unterstützt haben.

Unterwainig Naja, viele waren mir gut gesinnt. Mir wurden viele Türen geöffnet. Durchgehen musste ich dann schon selbst. Naja, das sieht ja jetzt schon gut aus.

Wir brauchen jetzt noch zwei so Querstreben.

Unterwainig Ah, verstehe.

(Er beginnt, zwei dünne Stränge zu rollen.)

Und ihr macht den ganzen Tag nur Herzen?

Naja, schön wär’s. Einmal am Tag dürfen wir. Das ist immer sehr schön, weil wir festgestellt haben: Wenn man zusammen was mit den Händen macht, dann kommt man ganz gut miteinander ins Gespräch.

Unterwainig Das kann gut sein. Ach, jetzt kann man es wirklich ganz gut erkennen. Jetzt müssen da noch so Perlen dran, das ist die Uhr.

Kirmes ist ja eine besondere Herausforderung für Brauer, oder? Wie stellt man sich denn so auf vor so einem Großevent mit so vielen durstigen Menschen?

Unterwainig Das haben wir ja öfter. Wir brauen dann drei Monate vor Beginn vor. Das Bier kommt in die Kühlhäuser ins Lager und dann haben wir hier keinen Stress mehr. Wir können nur 3.500 Hektoliter pro Jahr brauen. Wir sind ja sehr klein.

Das ist auch Teil des Konzepts von Gulasch, oder?

Unterwainig Wir wollen nicht größer sein. Personalmäßig wäre das eine Katastrophe. Wir suchen das ganze Jahr.

Dabei ist das doch ein schöner Beruf - Gastronom.

Unterwainig Weil man ein Feedback bekommt. Man muss sich auch stellen, wenn mal was daneben geht. Dann muss man argumentieren. Wenn ich genau erklären kann, was daneben gegangen ist, und zeige, dass es mir leid tut - denn das wollen die Leute heute auch - dann verzeihen die Leute einem eigentlich alles. - So, was soll ich jetzt noch machen?

Sie können noch Düsseldorf draufschreiben?

Unterwainig Ich probiere hier mal. Ah ja, so langsam geht’s.

Wir sagen das jetzt nicht zum Schleimen, aber Sie machen das wirklich gut.

Unterwainig Sonst brauche ich nichts tun?

Ein Foto wäre noch schön.

Unterwainig Gut!

Vielen Dank!

RP-Redakteurinnen Laura Ihme und Helene Pawlitzki berichten zehn Tage lang von der Düsseldorfer Rheinkirmes. Sie testen Achterbahnen und Karussells, treffen sich mit den Menschen, die die Kirmes möglich machen und geben bei Instagram (@rheinischepost) und Facebook (RP Rheinkirmes) Einblicke hinter die Kulissen. Die Artikel, Bilderstrecken und Videos finden Sie auf unserer Rheinkirmes-Seite.

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