Der Druck auf die Düsseldorfer Rheinbahn wächst

Nahverkehr in Düsseldorf: Der Druck auf die Rheinbahn wächst

Die Stimmung zwischen Politik und Unternehmen ist angespannt. Die Fahrgastzahlen für das erste Halbjahr sind enttäuschend. Ist der Vorstand auf dem falschen Kurs?

In der kommenden Woche stellt die Rheinbahn die erste von 48 komplett überholten Straßenbahnen vor. Die mehr als 20 Jahre alten Wagen sollen in Technik und Design kaum wiederzuerkennen sein - und sie sollen den Kunden ein neues Level an Komfort bieten. Das ist die Art von Nachrichten, mit der die Rheinbahn mehr Düsseldorfer zu Fahrgästen machen möchte.

Die Freude ist derzeit trotz der endlich fertiggestellten Wagen getrübt - mal wieder. Vorstandschef Michael Clausecker sagte am Freitag unserer Redaktion, er fordere eine Entschuldigung von CDU-Politiker Andreas Hartnigk, dem stellvertretenden Vorsitzenden seines Aufsichtsrats. Hartnigk hatte am Mittwoch im Ordnungs- und Verkehrsausschuss des Stadtrats darauf gedrängt, dass der anwesende Rheinbahn-Mitarbeiter die Fahrgastzahlen für das laufende Jahr veröffentlicht - und sich nicht damit zufrieden gegeben, dass der Punkt vertagt wird. Clausecker kritisiert nun, Hartnigk habe seinen Mitarbeiter „bewusst vorgeführt“. Die Veröffentlichung solcher Zahlen im laufenden Jahr sei nicht üblich. Hartnigk lehnt eine Entschuldigung ab.

Der CDU-Politiker gilt als scharfer Kritiker von Clausecker, ihr Verhältnis ist schlecht. Hartnigk ist aber nicht der Einzige, der sich über den Auftritt verärgert zeigt. Aufsichtsratsmitglied Norbert Czerwinski (Grüne) kritisiert ebenfalls, dass die Rheinbahn der Politik ihre Zahlen zu nennen habe, wenn sie gefragt wird - und hätte erwartet, dass Clausecker persönlich erscheint.

Die Stimmung ist auch deshalb angespannt, weil alle Beteiligten die internen Zahlen längst kennen. Und sie sind schlecht, was Hartnigk zu der Anfrage gebracht haben dürfte. Die Zahl der Fahrgäste lag bis Mai in etwa auf Vorjahresniveau und damit erneut unter dem Plan. Clausecker hatte ein Wachstum um zwei Prozent pro Jahr versprochen. Das klappte schon 2017 nicht, es betrug gerade einmal 0,6 Prozent - genau so viel, wie Düsseldorfs Bevölkerung gestiegen ist. Aller Voraussicht nach wird es auch am Ende dieses Jahres keine Erfolgsmeldung geben,

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Für Michael Clausecker drängt die Zeit. Der Hoffnungsträger, der nach dem Regierungswechsel im Rathaus geholt worden war und 2016 antrat, hat viele Hebel in Bewegung gesetzt. Er hat viele Baustellen ausgemacht, von der Pünktlichkeit bis zum Marketing. Dazu kommen neue und generalüberholte Züge und eine Aufwertung der Park-and-Ride-Plätze. Clausecker hat mit den zwei Prozent, an denen er nun gemessen wird, aber offenbar zu viel versprochen.

Man muss fairerweise sagen: Die Aufgabe, die der ehemalige Bombardier-Manager übernommen hat, ist hart. An der Verkehrswende beißen sich auch andere Städte die Zähne aus, das Auto erweist sich als langlebiger, als manche Enthusiasten gemeint haben. Zudem ist die Rheinbahn von der Hilfe aus dem Rathaus abhängig. Viele im Unternehmen träumen von radikaleren Maßnahmen zulasten des Autoverkehrs - etwa mehr Busspuren oder höhere Parkgebühren. Davor schreckt das Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP aber zurück, insbesondere die Liberalen sehen sich als Anwalt der Autofahrer.

Nach den Ferien starten die bislang weitreichendsten Neuerungen der Ära Clausecker: Viele U-Bahn-Linien sollen am Abend häufiger verkehren, ein System aus „Metro-Bussen“ soll bessere Verbindungen außerhalb der Innenstadt schaffen.

Klar ist: Wenn das kein nennenswertes Wachstum bringt, wird die Debatte um den Kurs der Rheinbahn-Führung noch giftiger werden. Nicht zuletzt wegen des drohenden Diesel-Fahrverbots würde Düsseldorf gern mit einer Erfolgsgeschichte im Nahverkehr punkten, das würde den Parteien auch im Kommunal-Wahlkampf 2020 passen. Bis jetzt ist davon aber wenig zu sehen.

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