Düsseldorfer Al-Qaida-Zelle: Das Ende eines langwierigen Terrorprozesses

Düsseldorfer Al-Qaida-Zelle : Das Ende eines langwierigen Terrorprozesses

Es war einer der aufwendigsten Terrorprozesse der vergangenen Jahre in Deutschland. Am Donnerstag fiel das Urteil im Düsseldorfer Al-Qaida-Prozess. Damit endet ein Verfahren, dem lange Oberservationen und die Festnahme im April 2011 in der Landeshauptstadt vorausgingen. Von den vier Verurteilten werden jedoch nur zwei eine Haftstrafe antreten müssen.

Neun Jahre Haft für den Hauptangeklagten Adeladim El-K. wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung einer staatsgefährdeten Straftat. Sieben Jahre Haft für Jamil S, fünfeinhalb Jahre Haft für Amid C. Viereinhalb Jahre Haft zuletzt für Halil S. wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. So lauten die Urteile im Düsseldorfer Terrorprozess. "Der Senat ist zu der Überzeugung gelangt, dass die Angeklagten im Auftrag der Al-Qaida-Führung Terroranschläge in Deutschland verüben sollten und wollten", sagte ein Gerichtssprecher.

Zwei der Verurteilten werden jedoch keine reguläre Haftstrafe antreten müssen. Halil S. (30) und Amid C. (23) haben den größten Teil ihrer Strafe bereits in der U-Haft verbüßt. Beide Männer kamen deshalb noch am Donnerstag unter Auflagen auf freien Fuß.

163 Verhandlungstage in mehr als zwei Jahren, 500 Seiten Anklageschrift und zu den Terrorvorwürfen schweigende Angeklagte — das ist das Resultat des Prozesses. Und die Bundesanwaltschaft hielt den Hauptangeklagten Abdeladim El-K. für den bislang ranghöchsten Al-Qaida-Terroristen vor einem deutschen Gericht, während seine Verteidiger von einem "kleinen Fisch" sprachen. Beweismaterial für die Anschlagspläne aber hatten die Fahnder reichlich zusammengetragen.

Zugriff in den frühen Morgenstunden

Es war am frühen Morgen des 29. April 2011, als schwer bewaffnete Sondereinsatzkräfte die Zwei-Zimmer-Wohnung in der Düsseldorfer Witzelstraße stürmten. Monatelang hatten sie das Mehrfamilienhaus zuvor observiert. Hier lebte mehr als zwölf Jahre unauffällig der Deutsch-Marokkaner Jamil S. Er wurde an jenem Morgen gemeinsam mit seinem marokkanischen Freund Abdeladim festgenommen. Kistenweise trugen die Beamten Beweismaterial aus der Wohnung — vor den Augen der schockierten Nachbarn.

Es folgte eine dritte Festnahme — die von Amid C. — und Monate später die von Halil S. in Bochum. Laut Anklageschrift hatte das Quartett vor, aus Grillanzündern Hexamin für die Sprengstoffherstellung zu gewinnen. Sie sollen sich über Sicherheitsvorkehrungen an Gebäuden, Flughäfen und Bahnhöfen informiert haben. Ob sie versuchten, sich Materialen zu besorgen oder Bombenbaupläne im Netz herunterzuladen, immer wurden sie dabei observiert. Kurz bevor sie die Bombe bauen konnten, erfolgte dann der Zugriff.

Wer genau den Tipp auf die Zelle gegeben hat, liegt im Dunkeln, was auch die Verteidiger der Angeklagten bemängelten. Im Prozess war von einem Mann die Rede, dessen Telefonat Auslöser für den Alarm war. Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen wiederum aber hatte im Innenausschuss des Bundestages berichtet, dass ein Hinweis auch vom US-Geheimdienst NSA kam, der wegen seiner Spionage-Programme wie Prism international in die Kritik geraten war. Die Verteidiger hatten denn auch im Prozess den aus ihrer Sicht nicht hinreichend aufgeklärten Einfluss der Geheimdienste beklagt. Entsprechende Dokumente seien geschwärzt worden.

Bin Laden wusste von der Terrorzelle

Doch Material, dass insbesondere den Hauptangeklagten schwer belasten sollte, wurde auch noch an ganz anderer Stelle gefunden. Denn als die Terrorzelle aufflog, wurde Osama bin Laden noch gesucht. Doch nur wenige Wochen später erfolgte die Mission in Pakistan, bei der der Al-Qiada-Chef ums Leben kam.

In dessen Haus wurden Festplatten gesichert, die nicht nur E-Mail-Verkehr mit Abdeladim El-K. und Al Qaida belegten, sondern es wurde auch ein Schreiben gesichert, das ziemlich genau auf den Hauptangeklagten verweist und sogar sein Geburtsdatum nennt. Darin wird beschrieben, dass er der Kopf der Düsseldorfer Terrorzelle ist und nach Europa entsandt worden sei mit dem Auftrag, ein Blutbad anzurichten.

Gelungen ist das dem Mann, der sich 2010 offenbar in einem Al-Qaida-Ausbildungslager aufhielt, und seinen Verschwörern nicht. Die Beamten konnten aufgrund eines Hinweises und der monatelangen Observationen das geplante Bultbad verhindern.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die Männer der Düsseldorf Al-Qaida-Zelle

(das)
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