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Dormagen: Organist "aus Liebe zur Sache"

Dormagen : Organist "aus Liebe zur Sache"

Udo Flaskamp sitzt seit seinem 17. Lebensjahr fast jeden Sonntag an der Kirchenorgel. Das Orgelspiel bezeichnet er als "Seelenmassage". Auch an Weihnachten musste er arbeiten, doch das gehört für den Stürzelberger zum Fest.

Die Stuhlreihen sind schon gut besetzt. Es ist Heiligabend und in zwanzig Minuten soll der 15 Uhr-Gottesdienst in der Lukaskirche losgehen. Udo Flaskamp sitzt vor seiner Orgel. Er trägt ein dunkelblaues Sakko. Eine randlose Brille sitzt auf seiner Nase. Einige Noten liegen neben ihm. Als erstes Stück wird er gleich "Walking in the air" von Howard Blake spielen. Gleich soll er sich noch mit dem Kirchenchor absprechen — alles Routine.

Seit 14 Jahren ist Udo Flaskamp für die evangelische Kirchengemeinde Dormagen als Organist im Einsatz. An Sonntagen spielt er somit regelmäßig in der Stürzelberger Lukaskirche sowie in Zons und Delhoven. Seine Arbeit ist dabei nur nebenamtlich. Flaskamp sieht das als Privileg. "Es ist besser, wenn das Orgelspiel nicht mein Broterwerb ist", sagt er. "So ist es eher aus Liebe zur Sache."

Flaskamp sitzt auch über Weihnachten an der Orgel. Allein an Heiligabend spielt er bei drei Gottesdiensten in Stürzelberg. Doch arbeiten zu müssen, wenn andere am Tannenbaum sitzen, macht ihm nichts aus. "Das Orgelspiel ist für mich Seelenmassage", sagt der 48-Jährige. Die Gottesdienste seien kein Bruch im Tag, sie seien vielmehr Teil des Tages. Zwischen den Gottesdiensten fährt er nach Hause, da bleibe genug Zeit für eine Feier mit der Familie. Mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen werden dann einige Lieder gesungen. "Unsere ganze Familie ist sehr musikalisch", sagt Flaskamp. In diesem Jahr war außerdem eine gute Freundin zu Besuch. Zum Essen gab es dazu Confit de Canard — Entenfleisch. Flaskamp wirkt sehr zufrieden mit seinem Weihnachten, gestresst ist er nicht.

Weihnachtsgottesdienste sind etwas Besonderes im Jahr. Das fällt auch Udo Flaskamp auf. "Zu Weihnachten strömt das Volk in die Kirche", sagt er. Die Kirche sei da der traditionelle und emotionale Anker. "Diejenigen, die an Weihnachten kommen, betreten oft unbekanntes Terrain", sagt Flaskamp. Viele Besucher würden die Lieder oder den Ablauf des Gottesdienstes nicht mehr kennen.

Für den 48-Jährigen besteht ein Gottesdienst aus drei Parteien: dem Pfarrer, der Gemeinde und dem Kirchenmusiker. "Fehlt eines von den dreien, ist der Gottesdienst nicht vollständig", meint Flaskamp. Sich selbst sieht er als Vermittler: Die Kirchenmusik sei nicht nur Beiwerk eines Gottesdienstes, sie sei die Verkündigung an sich.

Als Udo Flaskamp vor 14 Jahren nach Stürzelberg zog, konnte er an einem Heiligabend keine Orgel spielen. "Ich erinnere mich, dass mir da etwas gefehlt hat", sagt er und lacht. Und daher sieht er das so: An Weihnachten muss er nicht arbeiten — er darf.

(NGZ/jul)