Dormagen: Wo Mais und Gras zu Wärme werden

Dormagen : Wo Mais und Gras zu Wärme werden

Der Kölner Energieversorger Rheinenergie hat auf der Grenze zwischen Hackenbroich und Thenhoven eine Biogasanlage errichtet. Künftig sollen 4000 Haushalte mit Strom und Wärme versorgt werden. 4,8 Millionen Euro hat die Nawaro-Anlage gekostet. Die NGZ erklärt, wie sie funktioniert.

Wer Thomas Saure über seinen Job sprechen hört, könnte meinen, er sei Koch. Der Referent für Erneuerbare Energien beim Kölner Energieversorger Rheinenergie spricht über "dicken Eintopf", über "Suppe" oder "Bouillon", während er das Areal zwischen Hackenbroich und Thenhoven abschreitet. Das Gebiet fällt bereits seit einigen Monaten auf durch seine dunkelgrünen Dächer, die für den Autofahrer auf der K 18 schon von weitem zu sehen sind.

Die Betonzylinder sind das Herzstück der Biogasanlage, die Rheinenergie jüngst in Betrieb genommen hat. Und was Saure mit Suppe meint, ist ein Gemisch aus Energiemais, Grassilage und Sonnenblumen. "16 Landwirte aus dem näheren Umkreis beliefern uns mit dem Rohstoff", erklärt Thomas Saure. Auf einer Fläche von der Größe eines Fußballfelds werden Energiemais, Grassilage und Sonnenblumen gewogen, gehäckselt, gepresst und gelagert. "Dann findet die so genannte Versauerkratung statt", erklärt der Energiereferent. Der Rohstoff bleibt in diesem Zustand zwei Jahre haltbar. 15 000 Tonnen lagert das Unternehmen am Rand der Anlage, geschützt mit drei verschiedenen Folien.

Mit einem Radlager wird später ein Container befüllt, der den Rohstoff über eine so genannte Stopfschnecke füttert. "In den Fermentern wird der Rohstoff unter dem Flüssigkeitsspiegel wie eine Suppe gerührt", sagt Saure. Die Feststoffe werden in Methangas umgewandelt. Im einem weiteren Schritt wird das Gemisch in einem so genannten Gärrestlager bis zu zwei Monate gelagert. Es bleibt ein Stoff, den die Landwirte als Dünger auf ihre Felder kippen.

Das Gas wird in Aktivkohlefiltern gereinigt und in ein Blockheizkraftwerk geleitet, das mit einem schweren, grün lackierten Gas-Ottomotor betrieben wird. "Die Anlage hat eine Leistung von 1200 Kilowatt", sagt Thomas Saure. Überschüssiges Gas, das sich bei einer Unterbrechung der Anlage ansammelt, kann über eine Fackel verbrannt werden. Die so genannte Nawaro-Anlage arbeitet fast vollautomatisiert. Lediglich ein bis zwei Mitarbeiter überwachen den komplexen Prozess. Immerhin 4,8 Millionen Euro betrug die Investition. Mit Wärme beliefert werden auch 1000 Haushalte in Dormagen. Das Heizwerks des Projektpartners Energieversorgung Dormagen (evd) liegt in unmittelbarer Nähe zur Biogasanlage. 3000 Haushalte in Köln werden zudem mit Strom beliefert. Gesteuert wird die Anlage, die auf einem Areal von 1,5 Hektar steht, von einem einzigen Büroarbeitsplatz.

Für Thomas Saure sind Biogasanlagen die Zukunft. Seit Mitte der 90er Jahre wächst die Branche stetig. "Heute gibt es 6000 Biogasanlagen in Deutschland", sagt der Energierefernt, "unsere gehört zu den größten 100."

(jco)
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