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Dormagen: "Masterplan" für Horrem

Dormagen : "Masterplan" für Horrem

Im Planungsausschuss stellten Verwaltung und Dowobau jetzt die Ergebnisse einer Wohnbedarfsanalyse für den Stadtteil vor. In den kommenden zehn bis 15 Jahren soll Horrem systematisch attraktiver gemacht werden.

Wenn von Horrem die Rede ist, fallen schnell Begriffe wie Fehlplanung oder Bausünden. Im Planungsausschuss waren jetzt weitere bezeichnende Charakterisierungen zu hören, als es um die Vorstellung der Wohnbedarfs- und stadträumlichen Analyse ging, die von der Stadt und der Gemeinnützigen Baugenossenschaft bei einer Hamburger Beratungsgesellschaft in Auftrag gegeben worden war – 4000 der 38 000 Euro Honorar zahlte die Stadt, das Übrige die Dowobau.

Als "Durchlauferhitzer" bezeichnete Jürgen Schmitz vom Amt für Jugend- und Sozialförderung der Stadt Dormagen den Ortsteil: Menschen ziehen hin – und schnell wieder weg.

Die Ergebnisse, die Axel Tomahogh-Seeth von der Genossenschaft im Detail für Horrem-Nord präsentierte – am 27. Juni wird die Stadt über Umgestaltungsmöglichkeiten in Horrem-Süd mit der Wohnungsverwaltung Röhr sprechen, der 800 Wohnungen in Horrem gehören – offenbaren die Probleme: Horrem ist mit etwa 2100 Mietwohnungen der verdichtetste Stadtteil Dormagens.

Die Einwohnerstruktur ist brüchig, die Kaufkraft bei zwei Dritteln der Horremer gering. Die Genossenschaft verzeichnet einen relativ hohen Leerstand vor allem bei Mehrzimmer-Wohnungen, die 70 Quadratmeter groß oder größer sind; momentan stehen etwa 70 Wohnungen der Dowobau im Horremer Norden leer.

Die Mieter klagen über den Zustand der in den 1960er Jahren in großem Stil erstellten Mietwohnungen in mehrgeschossigen Mietblöcken. Die seien bedarfsgerecht für den Zuzug an Arbeitern geplant worden, aber: "Heute ist eine andere Wohnqualität gefragt", so Tomahogh-Seeth – Wohnungen an der A 57 seien nicht mehr zu vermieten. Die Wohnungen seien nicht heruntergekommen, müssten aber attraktiver werden, räumt die Dowobau ein.

Aus einer repräsentativen Mieterbefragung ergab sich, dass Nachbarschaftskonflikte der zweitwichtigste Grund für Unzufriedenheit in Horrem sind. Damit ist klar: Wer Horrem attraktiver machen will, muss nicht nur Wohnungen sanieren oder neuen Wohnraum schaffen. "Wir können nichts erreichen ohne die Bevölkerung", sagt Jürgen Schmitz. Deren Beteiligung werde nicht einfach, sei aber unerlässlich.

Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung, ein "integriertes Handlungskonzept" zu erstellen. Dessen Erarbeitung soll bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen, 20 000 Euro kosten und ab Frühjahr 2012 die Grundlage für weitere Schritte liefern, die Horrem attraktiver machen. Schmitz weiß: "Städtebau ist auch Psychologie. Wir müssen Aufbruchstimmung erzeugen."

(NGZ)