Dormagen: Kammerchor präsentiert Schätze geistlicher Musik

Dormagen : Kammerchor präsentiert Schätze geistlicher Musik

Bewegendes Konzert zur Passionszeit in Knechtsteden.

Chormusik hat in der Basilika des Klosters Knechtsteden ihren festen Platz. Am Palmsonntag passte alles zusammen, wenn auch der strahlende Sonnenschein den klingenden Ernst der Musik scheinbar konterkarierte. Der heimische Kammerchor hatte unter der straffen und der bei jedem Ton mitgehenden Leitung von Bert Schmitz die musikalische Literatur zur Passion gesichtet. Wunderbare Musik von teils nur den Experten bekannten Komponisten kam dabei zutage. Welche Schätze die geistliche Musik doch bereithält, drängte sich als erster Eindruck auf.

Günther Ramin, Sethus Calvisius, Gustav Ernst Schreck, Carl Piutti haben als Leipziger Thomaskantoren ihren hohen Rang neben Johann Kuhnau, Erhard Mauersberger und - natürlich - Johann Sebastian Bach. "Traurig ist meine Seele bis an den Tod", so lautete das von Kuhnau vertonte Motto des Nachmittags, das vielfach variiert wurde. Ernstes und gespanntes Zuhören war die erste Reaktion in der vollbesetzten Basilika. Aber auch Freude über das Dargebotene des 22-köpfigen Chors war erkennbar. Dessen Einsätze stimmten, die Überleitungen beim teilweisen Wechselgesang im Altarraum waren glatt und ohne Brüche, und die Stimmen wurden klar geführt.

Wer das Glück hatte, ganz vorne zu sitzen, konnte sogar einzelne Sänger oder Sängerinnen heraushören und sich ansonsten am wunderbar getakteten Chorsingen erfreuen. Inseln für das unangestrengte Zuhören und die Andacht waren die gelegentlich eingestreuten Choräle (Johann Adam Hiller und Johann Sebastian Bach) und der Solopart der Orgel. So drang die gar nicht laut daherkommende Musik bis in den letzten Winkel der Knechtstedener Basilika, wobei der Voraltarraum durchaus den nötigen Platz für eine erheblich stärkere Besetzung hergegeben hätte.

Betrübten Sinnes, wie ihn die Konzert-Thematik ("Tristis est anima mea") eigentlich nahelegt, verließ kaum jemand das Gotteshaus. Mögen die in jeder Textzeile durchscheinenden christlichen Grundüberzeugungen auch nicht jedem geläufig gewesen sein, so überzeugte doch die Sprache der Musik voll und ganz. Bert Schmitz hat mit seinem Kammerchor wieder einmal den richtigen Ton getroffen und ist mit seinem herrlichen Musizieren zugleich zum Kern des Passionsgeschehens vorgedrungen - ein wahres Fest der Vokalmusik!

(NGZ)
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