1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Düsseldorf: Clara Schumanns Todestag wird bei den Düsseldorfer Literaturtagen mit Lesung gefeiert

Lesung der Düsseldorfer Literaturtage : Melancholie und musikalische Lichtblicke – Clara Schumanns letzte Jahre

Zum 125. Todestag des Musikerin und Komponistin widmete das Heine-Institut ihr im Zuge der Düsseldorfer Literaturtage eine Lesung. Die Schauspielerin Tessa Mittelstaedt erweckte auf bewegende Weise Momente aus Schumanns Biografie zum Leben.

Clara Schumann liebte und schätzte ihre Familie. Das macht sie in ihrem Testamentsbrief mit liebevollen Worten unmissverständlich deutlich. „Ihr tröstet mich“, heißt es dort, „ihr richtet mich auf“. Mit „Liebe und Sorgfalt“ seien die Kinder ihrer Mutter immer eine Stütze gewesen. Sie sollten deswegen selbst ein sorgenfreies Leben haben.

Es ist ein persönlicher und bewegender Einblick in das Leben von Schumann. Auch, weil die Schauspielerin Tessa Mittelstaedt ihn mit warmer Stimme und gefühlvoller Intonation vorträgt. Mittelstaedt wurde vom Heinrich-Heine-Institut eingeladen, im Rahmen der Düsseldorfer Literaturtage aus dem Testamentsbrief, der im Besitz des Instituts ist, und dem Buch „Clara Schumann – Ein Leben für die Musik“ zu lesen.

Der Zeitpunkt wurde bewusst gewählt: Am 20. Mai jährt sich der Todestag der berühmten Musikerin und Komponistin zum 125. Mal. Entsprechend standen die letzten Jahre von Schumanns Leben im Fokus. Mittelstaedt führte durch melancholische Momente. Wehmütige Abschiedsszenen wie das letzte öffentliche Konzert der virtuosen Pianistin: Gemeinsam mit James Kwast spielte sie die Variationen für zwei Klaviere über ein Thema von Haydn. Die Interpretation dieser Komposition von Johannes Brahms kam beim Publikum so gut an, dass Schumann und Kwast sie direkt noch einmal spielen mussten.

  • Denis Scheck bietet am 16. Mai
    Heinrich-Heine-Institut : Literaturtage locken mit Prominenz und Podcasts
  • Die Musiker des Trio Wanderer.
    Neue Gesamteinspielung : Schumann zum Schwelgen
  • Die Autorin Linda Zervakis berichtet in
    Kulturveranstaltungen in der Corona-Pandemie : Düsseldorfer Literaturtage 2021 notfalls nur digital
  • Cover der Beethoven-CD aus dem Schumann-Saal.
    Exzellente Akustik : Schwedische Tonmeister schwärmen vom Schumann-Saal
  • Markus Orths, 1969 in Viersen geboren,
    Verein Nettetaler Literaturtage : Lesung mit Markus Orths aus „Picknick im Dunkeln“
  • Das Clara-Schumann-Gymnasium hatte versuchsweise die Dienste
    Ministerium lehnt Test-Idee für Schüler ab : Schule in Viersen darf externe Testzentren nicht nutzen

In den darauffolgenden Jahren konnte Schumann aufgrund körperlicher Einschränkungen kaum noch selbst musizieren, aber die raren Momente voller Melodien und Harmonien genoss sie dafür umso mehr. Bisweilen war es bei der Lesung bedrückend zu hören, wie langjährige Freunde der Künstlerin starben und sie schwer darunter litt, nicht einmal mehr Konzerte besuchen zu können. Ein Lebensabend voller Verzicht, aber trotzdem hoffnungsvoller Momente wurde gezeichnet. So war Schumann bis zum Schluss von Familie und Freunden umgeben – von ihrem letzten Geburtstag über kleine Musikabende bis zum Abschied in ihrer Frankfurter Wohnung und der anschließenden Beerdigung in Bonn.

 Schauspielerin Tessa Mittelstaedt gab stimmungsvolle Einblicke in Clara Schumanns Leben.
Schauspielerin Tessa Mittelstaedt gab stimmungsvolle Einblicke in Clara Schumanns Leben. Foto: Christoph Wegener

Die Autorin Irmgard Knechtges-Obrecht hat all das in klaren und eleganten Worten umschrieben. Ihre Begeisterung für Clara Schumann wogte den Zuhörern direkt bei ihrer kurzen Einführungsansprache entgegen. Auch Mittelstaedt outete sich im Laufe des Abends als echte Schumann-Kennerin, die früh mit der Musik des berühmten Ehepaares in Berührung kam. Ihr Stiefvater, so erzählte sie, habe in ihrer Kindheit Lieder von Robert Schumann am Klavier gespielt und die Mutter dazu gesungen. Das habe die Schauspielerin ebenso geprägt wie Clara Schumanns außergewöhnliches Leben. „Sie war eine moderne Frau, die sich nicht von ihren Zielen abbringen ließ“, würdigte Mittelstaedt die Pianistin und fand damit passende Worte für das Ende einer gut einstündigen Lesung, die stimmungsvoll an eine echte Ausnahmekünstlerin erinnerte.