1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: "In Dormagen etwas bewegen"

Dormagen : "In Dormagen etwas bewegen"

Buchhändler Jorgos Flambouraris spricht über Kultur in der Kleinstadt, Veranstaltungsräume, Rockkonzerte und seine Leidenschaft für beherrschbare Risiken.

Jorgos Flambouraris hat ein Lieblingsthema. Der Chef der City-Buchhandlung spricht gern und oft über die Stadt, in der er lebt, die Chancen und Risiken ihrer Lage zwischen den Großstädten. Bisweilen beklagt er kleinstädtischen Kleinmut und fehlende Wertschätzung für Menschen, die dort etwas bewegen wollen — wie der 47-jährige Deutsch-Grieche, der sich in Dormagen richtig wohlfühlt. "Ich komme aus dem Umland von Athen — ich weiß, wie es ist, in einer Kleinstadt vor den Toren einer Großstadt zu leben", sagt er. Er will in Dormagen Kultur und Leben schaffen und ist deshalb nicht nur Buchhändler, sondern auch Veranstalter — mit ambitionierten Plänen.

Herr Flambouraris, sie holen in den kommenden Wochen Krimi-Autor Jacques Berndorf und Joachim Gauck nach Dormagen — was treibt Sie an?

Flambouraris In unseren NachbarGroßstädten gibt es viele Institutionen, da ist alles vorhanden und verteilt. Hier kann ich etwas bewegen.

Sind sie nicht ausgelastet...?

Flambouraris (lacht) Doch, aber müssen Lesungen oder Konzerte immer in Köln oder Düsseldorf stattfinden? Wir haben Ende der 1980er Jahre angefangen, Tickets zu verkaufen, das war neu. Ich will aber zeigen, dass man auch hier tolle Veranstaltungen anbieten kann.

Steckt auch Ihr Ehrgeiz dahinter?

Flambouraris Ich bin ein Typ, der sich gern etwas vornimmt und schaut, ob es klappt. Wie bei Joachim Gauck, den ich gleich nach Erscheinen seines Buches gebucht habe, lange bevor er als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten antrat.

Welchen Stellenwert haben Veranstaltungen mit bekannten Autoren oder Bands für Dormagen?

Flambouraris Einen sehr großen. Die Dormagener sehen, dass auch hier namhafte Autoren oder Künstler auftreten, und dass solche Auftritte in ihrer Stadt genauso viel wert sind wie in Köln oder Düsseldorf. Was viele noch nicht begriffen haben.

Wie bewerten Sie die Veranstaltungsorte in Dormagen?

Flambouraris Wir haben die schöne Freilichtbühne in Zons, die eine Rockband mal als einen ihrer "Top 10"-Konzertorte gelobt hat — in einem Atemzug mit der Loreley. Wir haben das Sportcenter für über 2500 Besucher, wir haben Knecht-steden mit Basilika und Aula, und die Kulturhalle, die hervorragend, aber auf 200 Zuhörer begrenzt ist. Der Aula im Bettina-von-Arnim-Gymnasium fehlen leider die technischen Voraussetzungen und attraktivere Rahmenbedingungen.

Auf der Freilichtbühne gab es die tollen Abende mit Manfred Mann und Uriah Heep — wer kommt 2011?

Flambouraris Wir stehen in Verhandlungen, Ende Januar weiß ich mehr. Ab Februar läuft sicher der Ticket-Vorverkauf. Wahrscheinlich werden wir Status Quo holen, allerdings nicht auf die Freilichtbühne, sondern in die Arena am Höhenberg. Vielleicht gibt's auch ein Wiedersehen mit Manfred Mann.

Ist die Freilichtbühne zu klein für Status Quo?

Flambouraris Ja, sowohl vom Platz als auch von den Kosten her. Um das Honorar schultern zu können, musst Du Kartenpreise verlangen, die dort keiner zahlt.

Wie finanzieren Sie solche Auftritte?

Flambouraris Reich werde ich jedenfalls nicht damit, zumal ich allein das Risiko trage. Und das muss kalkulierbar bleiben. Deshalb können wir Deep Purple nicht nach Dormagen holen — die kosten mit allem drum und dran etwa 150 000 Euro.

Was fehlt, um Dormagen als Kulturstandort voranzubringen?

Flambouraris Die Konzerte sind bisher ohne Sponsoren gelaufen. Dabei könnten Unternehmen von Gastspielen profitieren — ebenso wie Gastronomen und Hoteliers. Beim "Fish"-Konzert 2009 kam mehr als die Hälfte des Publikums nicht aus Dormagen, sondern aus ganz Deutschland und dem Ausland.

(NGZ)