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Dormagen: Delhovener Eltern bangen um Schulplatz

Dormagen : Delhovener Eltern bangen um Schulplatz

Der Schulstart ihres Sohnes wird für Katrin und Christian Beulker zur Zitterpartie. Ein neues Gesetz sorgt dafür, dass nicht alle Kinder an der Tannenbuschschule aufgenommen werden. Die Kreis-Schulaufsicht begrüßt die Regelung.

Seinen ersten Schultag in der Tannenbuschschule kann Johann kaum erwarten. Den Schulweg — rund 800 Meter — hat er schon mit Mama Katrin (34) und Papa Christian (40) geübt. Und wer neben ihm sitzen soll, weiß der Fünfjährige auch schon. "Jonas natürlich".

Der ist schließlich sein bester Freund. Was Johann nicht ahnt: Wenn Anfang September der erste Schultag beginnt, könnte der Weg länger werden. Und sein Sitznachbar anders heißen.

Denn es ist absehbar, dass einige Erstklässler im Stadtgebiet ab dem Schuljahr 2013/2014 nicht ihre Wunschschule besuchen können. Der Grund: Nach dem neuen Schulrechtsänderungsgesetz müssen die neu angemeldeten Kinder durch die Klassenrichtzahl 23 geteilt werden. Danach richtet sich die Zahl der Eingangsklassen. Kommt es an Grundschulen zu Überhängen oder Unterschreitungen, ist die Stadt als Schulträger zum Umverteilen gezwungen.

Für die Tannenbuschschule bedeutet das, das sie nur eine Eingangsklasse bilden kann. Und weil die Bandbreite einer Klassengröße zwischen 15 und 29 beträgt, müssten bei aktuell 34 Anmeldungen fünf i-Dötzchen abgelehnt werden. Für Christian und Katrin Beulker wird der Schulstart ihres Sohnes deshalb zur Zitterpartie.

Im November 2011 zog die vierköpfige Familie — Nesthäkchen Peter ist mittlerweile drei Jahre alt —von Haan in das für sie "überschaubare" Delhoven. "Es gibt eine Kirche, daneben Kindergarten und Grundschule. Wir waren der Meinung, hier können unsere Kinder in einer intakten Dorfgemeinschaft aufwachsen", erklärt das Ehepaar.

Doch schon bei der Anmeldung im Delhovener Kindergarten stießen die Beulkers auf Probleme. "Weil Johann abgelehnt wurde, mussten wir auf den Kindergarten im fünf Kilometer entfernten Straberg ausweichen", sagt Katrin Beulker, die selbst Grundschullehrerin ist. Dort werde ihr Sohn zwar gut versorgt — "die tägliche Fahrerei ist jedoch eine Belastung für mich und meinen Mann."

Doch nicht nur das: Das Paar befürchtet, dass ihnen die Kita-Absage jetzt zum Verhängnis werden könnte. Denn bei Überhängen spielt neben Kriterien wie Wohnort, Geschwisterkind oder Konfession auch der Kindergartenplatz eine Rolle. "Und Johann geht nun einmal in Straberg in die Kita", sagt die 34-Jährige.

Bei der Schulaufsicht im Rhein-Kreis Neuss sieht man solchen Sorgen gelassen entgegen. "Wer sein Kind in der am Wohnort nächstgelegenen Grundschule anmeldete, hat gute Chancen", erklärt Schulrat Alois Mayer. Zwar geht er davon aus, dass es den einen oder anderen Härtefall geben werde — grundsätzlich sei man aber froh, dass es jetzt ein "gesetzlich verankertes Steuerungsinstrument gibt". Mayer: "Der neue Schlüssel führt zu einer gleichmäßigen Verteilung der Schüler auf das Dormagener Stadtgebiet."

Aussagen, die bei Christian Beulker auf wenig Verständnis stoßen. "Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Kinder sind doch keine Statistik." Den 40-Jährigen ärgert es besonders, dass eine Stadt wie Dormagen Baugrundstücke erschließt, ohne anschließend Verantwortung für die zugezogenen Familien zu übernehmen. "Den Beteiligten fehlt einfach ein schlüssiges Konzept."

Ihre Situation wollen die Beulkers jetzt in einem offenen Brief schildern, der dem Schulausschuss vorgelegt werden soll. Ihre Erwartungen? "Die Stadt soll zeigen, dass sie ihren Ruf als kinderfreundliche Stadt auch verdient."

(NGZ/rl)