Grevenbroich/Dormagen: Metzger trotzen der Supermarkt-Konkurrenz

Grevenbroich/Dormagen : Metzger trotzen der Supermarkt-Konkurrenz

Gestiegene Rohstoffpreise und der Druck von Supermärkten machen den Metzgern im Kreis zu schaffen. Die Folge sind Preiserhöhungen.

Die Umsätze im Fleischerhandwerk entwickeln sich positiv. Obermeister Willi Schillings geht davon aus, dass die 30 Betriebe im Rhein-Kreis das vergangene Jahr mit einem Plus abgeschlossen haben. Doch Grund zum Jubeln besteht nicht: "Von den guten Umsätzen bleibt im Moment nur wenig bei den Metzgereien hängen", bedauert der 53-Jährige. Denn explodierende Rohstoffpreise und steigende Energiekosten ließen die Betriebsergebnisse schrumpfen. "Das trifft vor allem die kleineren Betriebe", weiß der Obermeister: "Viele Metzger haben bereits ihre Preise erhöht oder denken zurzeit darüber nach, diesen Schritt zu gehen."

Dies dämpft die Stimmung in der Branche — und das machte sich auch bei der jüngsten Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Düsseldorf bemerkbar. Im Herbst 2012 bezeichneten lediglich 17 Prozent der Fleischermeister ihre Geschäftslage als gut. "Hinzu kommt der Druck durch Supermarkt-Ketten und Discounter, die in jüngster Vergangenheit verstärkt mit Meister- oder Metzgerqualität werben", erklärt Paul Neukirchen (58), Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein.

Vor diesem Hintergrund startet das Fleischerhandwerk nun eine Imagekampagne. "Wir wollen und müssen unsere Stärken mehr herausstellen — nämlich hohe Qualität, persönliche Einkaufsatmosphäre, kompetente Beratung und immer mehr küchenfertig vorbereitete Produkte", betont Willi Schillings.

Und auch der Preis spielt dabei eine Rolle. "Denn die SB-Konkurrenz ist keineswegs billiger", meint der Obermeister. Er hat Testkäufe in einem großen Grevenbroicher Supermarkt getätigt, die Preise aufs Kilogramm ausgerechnet und miteinander verglichen. Seine Beispiele: "Teewurst gibt es im Warenhaus für 14,32 Euro, bei uns Metzgern für 13,99 Euro. Beim Frühstücksfleisch ist der Unterschied noch gravierender: 21,11 Euro im Supermarkt, 14,99 Euro in der Fleischerei." Beim Kochschinken verhält es sich jedoch etwas anders: Der ist in der Selbstbedienung für 19,99 Euro erhältlich, beim Fleischer wird er für 21,99 Euro verkauft. "Allerdings punkten wir hier mit Qualität: Wir bieten einen Schinken vom Stück an, der SB-Markt hat gepresstes Fleisch in seinem Angebot", so Schillings.

"Es gibt weitere Unterschiede, die wir bei unserer Kampagne herausstellen wollen", erklärt Paul Neukirchen: "Das beginnt beim regionalen Einkauf der Tiere und reicht über den Transport und die Herstellung der Produkte bis hin zum Verkauf im eigenen Laden." Die Fleischermeister und ihre Mitarbeiter seien eingebunden in die Region, das wollen sie in den nächsten Monaten ganz besonders unterstreichen.

Sorgen bereitet der Branche zurzeit auch der Fachkräftemangel und die schwierige Suche nach geeigneten Nachwuchskräften. "Die Metzgereien suchen händeringend nach Personal", sagt Willi Schillings. Der positive Aspekt: Die Beschäftigungsverhältnisse im Fleischerhandwerk seien nahezu ausschließlich langfristig angelegt. Was den Obermeister zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt: Die Zahl der Auszubildenden steigt. Zurzeit sind kreisweit 26 Jugendliche in der Lehre, im Vorjahr waren es 16.

(NGZ/ac/url)