Dormagen: Feuerwehr ist häufig nicht schnell genug

Dormagen : Feuerwehr ist häufig nicht schnell genug

Der vorgelegte Brandschutzbedarfsplan zeigt: Die Wehrleute brauchen oft zu lange, bis sie ihren Einsatzort erreichen. Vor allem tagsüber ist die Personaldecke dünn. Die Stadt hat bereits reagiert – und Mehrarbeitsstunden angeordnet.

Der vorgelegte Brandschutzbedarfsplan zeigt: Die Wehrleute brauchen oft zu lange, bis sie ihren Einsatzort erreichen. Vor allem tagsüber ist die Personaldecke dünn. Die Stadt hat bereits reagiert — und Mehrarbeitsstunden angeordnet.

Wenn's brennt, dann muss es schnell gehen. Die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) sieht vor, dass nach der Alarmierung zehn Feuerwehrleute innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein müssen. Diese Vorgabe kann in Dormagen an vielen Stellen nicht eingehalten werden. In den vergangenen drei Jahren wurden maximal 68 Prozent der Einsatzorte in der geforderten Zeit erreicht. Das geht aus dem neuen Brandschutzbedarfsplan hervor, den Gemeindeverwaltung und Feuerwehr erstellt haben.

Die Zahlen seien ernüchternd, sagte Feuerwehrleiterin Sabine Voss. Von dem vorgeschriebenen Erreichungsgrad von 95 Prozent sei man weit entfernt. "Wir müssen deshalb dringend mehr Ehrenamtler gewinnen, die auch tagsüber für Einsätze bereitstehen", so Voss. Angesichts der alarmierenden Statistik hat die Stadt bereits reagiert: Seit einigen Wochen leisten die 70 hauptamtlichen Einsatzkräfte Überstunden. Nur auf diese Weise könne man sicherstellen, dass der Schutz der Bevölkerung nicht gefährdet sei, sagt Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann.

Das Problem habe laut Wehr-Leiterin verschiedene Gründe: Zum einen würden immer mehr Berufspendler ehrenamtliche Strukturen aufbrechen. Zum anderen missachteten viele Arbeitgeber ihre gesetzliche Pflicht, Feuerwehrleute für Einsätze freizustellen. Voss: "Das Verständnis für einsatzbedingte Abwesenheit lässt immer mehr nach." Darüber hinaus sei die Bereitschaft, sich ehrenamtlich bei der Feuerwehr zu engagieren, stark rückläufig. Besonders dünn ist die Personaldecke in Delhoven. Dort stehen im Ernstfall gerade einmal 25 Feuerwehrleute zur Verfügung — bei einer anvisierten Soll-Stärke von 39 Einsatzkräften. Eine Personallage, an der sich laut Voss auch bis 2020 nichts ändern wird. "Nicht zuletzt deshalb stehen wir vor erheblichen Herausforderungen für unsere Feuerwehr."

Der 130-Seiten starke Plan lässt keinen Zweifel: Nur mit mehr Personal, verbesserter Ausrüstung und strategischen Schachzügen ließe sich der Brandschutz in Dormagen nachhaltig verbessern. So ist etwa geplant, für den Löschzug Mitte eines der Fahrzeuge an der Hauptwache im Gewerbegebiet Top West zu stationieren, damit die Wehrleute aus Horrem und Nord künftig zügiger ausrücken können. Für den Löschzug Stürzelberg sieht die Stadt einen Neubau des Gerätehauses in Richtung "Am Weißen Stein" vor. Die größte Maßnahme betrifft die Löschzüge Delhoven und Straberg. Hier wird überlegt, ein gemeinsames neues Gerätehaus zu errichten.

Angesichts der schlechten Haushaltslage der Stadt kommt der Plan für den Rat nicht gerade zum günstigen Zeitpunkt, doch "die Städte sind laut Gesetz verpflichtet, einen Brandschutzbedarfsplan aufzustellen", sagte Feuerwehrverwaltungsleiter Thomas Busch. "Das Gefahrenrisiko einer Stadt ist unabhängig von der Haushaltslage", ergänzte Kämmerer Kai Uffelmann. Die Frage, wie die Investitionen — allein für zwei neue Gerätehäuser wären rund 2,2 Millionen Euro notwendig — finanziert werden, bleibe deshalb eine untergeordnete. Über den Plan soll am 5. Februar im Hauptausschuss beraten werden.

(NGZ/ac)