Dormagen: Schülerin forscht über NS-Zeit in Dormagen

Dormagen : Schülerin forscht über NS-Zeit in Dormagen

Annika Robens' Geschichts-Facharbeit über den Widerstand in Dormagen während des Nationalsozialismus wurde veröffentlicht.

Im Unterricht hat sie den überregionalen Überblick über die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland erhalten. Das reichte Annika Robens jedoch nicht: "Ich wollte auf jeden Fall ein Thema aus der Region behandeln", erklärt die 19 Jahre alte Schülerin des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums. Denn für ihre Facharbeit im Geschichts-Leistungskurs konnte sie ihr Thema frei wählen. Mit Hilfe des Archivs im Rhein-Kreis Neuss hat sie den Dormagener Widerstand gegen die Nazis erforscht. Ihre leicht überarbeitete Facharbeit wurde im Jahrbuch 2013 des Kreisheimatbundes veröffentlicht: "Ausmaß und Formen des Widerstands in Dormagen während des Nationalsozialismus".

Dabei nennt sie Beispiele, bei denen sich Dormagener den Weisungen des NS-Regimes widersetzt haben, wie auch Kaplan Moritz-Hermann Holtermann, der in Predigten die freie Meinungsäußerung forderte und dafür bestraft und 1938 nach Essen versetzt wurde. Annika Robens führt die Absetzung von Johannes Rahmen, Bürgermeister des Amtes Nievenheim, im März 1933 darauf zurück, dass er den Anschein erweckt hatte, nicht hinter der neuen Regierung zu stehen: "Auf Grund seiner Weigerung, die Hakenkreuzflagge zu hissen, begannen Ermittlungen gegen ihn", schreibt die BvA-Schülerin. Rahmen wurde beurlaubt, es übernahm Karl Paar, ein NSDAP-Mitglied.

"Ich war sehr überrascht, dass es so viele Zwangsarbeiter in Dormagen gab", sagt die Abiturientin. Sie berichtet von drei Lagern in Dormagen, das größte der IG-Farben hatte 1800 Bewohner. Zwar dachte sie schon, einige Informationen zusammentragen zu können, allerdings nicht in dieser Fülle. Nach einem Gespräch mit ihrem Geschichts-Lehrer Christoph Gnaß über ihr eigenständig ausgewähltes Thema hatte sie 2012 im Archiv im Rhein-Kreis, wo auch die Unterlagen des Stadtarchivs Dormagen einzusehen sind, weiter geforscht.

"Wir ermöglichen es Schülern und Erwachsenen gern, sich mit einem Thema wissenschaftlich zu beschäftigen", erläutert Stephen Schröder, Leiter des Archivs im Rhein-Kreis Neuss. So halfen die Mitarbeiter bei der Quellenerschließung und suchten authentisches Material heraus. "Wir können die Grundlage für die Forschung liefern", erläutert Peter Ströher, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Archivs und Geschäftsführer des Kreisheimatbundes, der das Jahrbuch herausgibt. "Niemand muss sich hier wochenlang durch unbekannte Quellen wühlen", ergänzt Schröder: "Mich freut es sehr, dass die Arbeit so gut gelungen ist."

BvA-Lehrer Christoph Gnaß, der die Facharbeit mit einer 2 plus bewertete, stellt die große Eigenleistung heraus: "Es ist eine sehr erfreuliche Arbeit, weil sie sich nicht nur an Büchern orientiert, sondern aus neuer Forschung besteht." Und dabei lief die Arbeit "nebenher", wie Annika Robens berichtet: "Da hab ich schon mal bis tief in die Nacht hinein gearbeitet." Denn in nur knapp drei Monaten entstand die Facharbeit zusätzlich zur Schule.

Trotz ihrer Vorliebe für geschichtliche Themen möchte Annika Robens nach ihrem Abitur in diesem Jahr eine andere Berufsrichtung einschlagen: Sie beginnt eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Und sie wird sich weiterhin für Geschichte interessieren: "Gerade wenn sie eine Verbindung zur Umgebung hat, ist Geschichte sehr spannend und es wert, näher betrachtet zu werden", sagt die 19-Jährige, die andere Schüler ermutigt, sich für Orts-Historie zu interessieren. Themen für weitere Facharbeiten gibt es genug, wie Stephen Schröder erklärt: "Da unser Archiv keine Kriegsschäden erlitten hat, gibt es keine großen Lücken im Material, über das geforscht werden kann." Da gebe es viele Möglichkeiten. "Wissenschaft fängt nicht erst bei Promotionen an, sondern schon bei Facharbeiten."

(NGZ/ac)