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Dormagen: Begeisternder Festival-Auftakt

Dormagen : Begeisternder Festival-Auftakt

Das Festival Alte Musik in Knechtsteden wurde am Freitag mit einem Telemann-Abend eröffnet. Am Samstag folgte die Romanische Nacht in der Basilika. Bis Samstag geht die Konzert-Reihe, die Hermann Max gestaltet hat.

Da sage noch jemand, Telemann sei eintönig. Wer das Eröffnungskonzert des Festivals Alte Musik in der lückenlos gefüllten Basilika Knechtsteden erlebt hat, wurde schnell eines Besseren belehrt. In einer Koproduktion mit Bayer Kultur hatte Hermann Max, der Künstlerische Leiter des Festivals, zwei sich aufeinander beziehende Werke des kompositorisch fleißigen Hamburgers gewählt.

Anlässlich der Goldenen Hochzeit des in der Hansestadt hoch geachteten Ehepaares Matthias und Maria Catharina Mutzenbacher 1732 hatte der reiche Goldjubilar beim stadtbekannten Librettisten Michael Richey Texte bestellt und Georg Philipp Telemann gebeten, diese zu vertonen. Die erste Kantate — "Oratorio" genannt — beinhaltete den Dank an Gott für die lange gemeinsame Zeit, die zweite — mit "Serenata" betitelt — war als Tafelmusik für die Gäste gedacht.

Hermann Max, "Experte für Rares", hatte neben seinem auf Hochglanz polierten Orchester "Das Kleine Konzert" sechs Solisten ausgewählt, die auf hohem künstlerischen Niveau lustvoll in den reichen kompositorischen Ideen Telemanns schwelgten: mit überzeugender Klangrede bei den Rezitativen, klangschön in den Arien und fein abgestimmt als Ensemble.

In der "Serenata" — inhaltlich ein Streitgespräch über die wichtigste Voraussetzung für eine lange Ehe — bestach als "Verfechter der Liebe" Immo Schröder nicht nur mit seinem biegsamen Tenor, in zu engem Jackett und mit einer roten Gerbera in der Hand wirkte er wie von Spitzweg ersonnen. Tenor-Kollege Markus Schäfer — auch er stimmlich in Hochform — favorisierte in "Opa-Look" und mit Pantoffeln das lange Leben als das Wichtigste.

Matthias Vieweg, dessen beweglichen, farbenreichen Bass-Bariton nichts schrecken konnte, plädierte in Rocker-Outfit mit Jeans und Lederjacke für Kinderreichtum. Dem gewichtigen, wohlig seinen kostbaren Bass in Szene setzenden Christos Pelekanos glaubte man aufs Wort, dass für ihn Nahrung, Handel und Finanzen Priorität haben.

Ohne Pardon verfocht Margot Oetzinger in strengem Kostüm heroisch die Treue, dafür war ihr edler, vorbildlich geführter Mezzo gerade recht. Schließlich die friedfertige Schlichterin im Streitgespräch: Kurzfristig für Veronika Winter eingesprungen war Hannah Morrison, deren weit fortgeschrittene Schwangerschaft sie nicht hinderte, vielmehr zu großvolumigem Sopranglanz und blühendem Wohlklang beflügelte.

Hermann Max, der diesmal auffallend entspannt leitete, strahlte am Schluss genauso wie alle seine Mitstreiter, und das Publikum war restlos begeistert. Am Samstag erfreute die "Romanische Nacht" die Zuhörer mit "Maiestas Dei" der Schola Gregoriana Pragensis.

(NGZ)