Neuss: Gelungener Auftakt des Festivals Alte Musik

Neuss : Gelungener Auftakt des Festivals Alte Musik

Beim Eröffnungskonzert gab es ein überzeugendes Zusammenspiel mit Gästen aus China.

Ein Konzert mit Gästen aus China - ob das gelingen könnte? Hermann Max, der Künstlerische Leiter des "Festivals Alte Musik Knechtsteden", der dieses Wagnis initiiert hatte, war bis vor drei Monaten, als endlich die Ausreiseerlaubnis vorlag, nach eigenem Bekunden unsicher. Das allerdings aus organisatorischen, nicht aus künstlerischen Gründen, denn er hatte die Chinesen als hoch musikalisch und bemerkenswert emotional kennengelernt.

Zehn junge Damen und zehn junge Herren - der Chor des Musikpädagogischen Instituts am Zentralkonservatorium Peking - waren nach Dormagen gekommen und probten mit dem "Deutschen Jugendkammerchor" unter der Leitung von Florian Benfer eine Woche lang ihr anspruchsvolles Programm. Unterstützt von Hermann Max, gelang dem vornehmlich in Schweden wirkenden Dirigenten, Sänger und Organisten das fast Unglaubliche: Er verhalf nicht nur den Choristen zu einem souveränen Umgang mit der jeweils anderen Sprache - er formte auch aus den rund 50 ausgebildeten Sängern einen untadelig homogenen Chor. Das ungezwungene Miteinander führte zu einem Klangergebnis, das in seiner Transparenz, seiner facettenreichen Klangentfaltung und makellosen Diktion großartig war.

Bildung und das Gute im Menschen fordern seit mehr als 2000 Jahren sowohl der chinesische als auch der europäische Kulturkreis - dafür stehen beispielsweise Konfuzius, sein Schüler Mencius oder Platon, aber auch Luther.

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In chinesischer Sprache - mit Benjamin Leuschner, Percussion, und geleitet von He Xiaole - erklangen zum Eröffnungskonzert des "Festivals Alte Musik" in der lückenlos gefüllten Basilika Knechtsteden "Sound from the Past" (Gesang über Vergangenes) zwei von chinesischen Volksliedern inspirierte Gesänge und - als Uraufführung, mit Florian Benfer am Pult- ein Auftragswerk des Festivals aus der Feder der Komponistin Zhou Juan (geb.1981). Es trägt den Titel "Roots of Culture" (Wurzeln der Kultur) - ein eindringlicher Friedensappell.

Die Beiträge in deutscher Sprache kündeten vom Leid der Menschen und der Dankbarkeit, die sie durch Gottes Hilfe finden - hier sei das packend gestaltete "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" von Johannes Brahms (Leitung Florian Benfer) besonders erwähnt. Das edle Alte-Musik-Ensemble "Das Kleine Konzert" war wie stets stilsicherer Partner voller Wohlklang bei zwei Psalmen von Felix Mendelssohn Bartholdy. Hermann Max führte Chor und Orchester engagiert wie stets durch "Da Israel aus Ägypten zog"(Psalm 114) und "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser"(Psalm 42). Bei Letzterem war Veronika Winter die Solistin mit weit ausschwingendem, wunderschön samtig timbriertem Sopran.

(NGZ)
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