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Dormagen: "Spielend" zurück ins Leben

Dormagen : "Spielend" zurück ins Leben

Heute in einer Woche spielt die Nievenheimerin Stefanie Jansen in einer Comedyshow im Elektroladen Raddatz. Die Schauspielerin ist auf gutem Weg, dabei rang sie vor fünf Jahren nach einem Unfall mit dem Tod.

Diesen Tag vergisst Stefanie Jansen nie: Am 21. Mai 2007 fährt sie auf der A 1 Richtung Hamburg, unterwegs zu einem Vorsprechen an einem kleinen Theater. Da gerät sie in einen schlimmen Unfall, ihr Auto überschlägt sich mehrfach. Sie ist schwer verletzt, wird mit dem Helikopter abtransportiert, liegt zuerst im Koma und wird später aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas für mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt. Sie leidet an Gedächtnisverlust. Die Diagnose der Ärzte ist vernichtend für die damals 26-Jährige: "Die Schauspielerei können Sie vergessen!"

Heute sitzt eine vergnügte Frau mit hellwachen Augen und spitzbübischem Lächeln am Tisch, die sich auf ihren Auftritt am kommenden Samstag in ihrem Heimatort freut: eine Comedyshow in ungewohnter Umgebung, im Elektroladen Raddatz. Dort wird sie mit ihrer Kollegin Svenja Niekerken in die Welt der Groschenromane eintauchen, beide lesen und spielen die vielleicht meist gelesene Literatur der Welt. Im Gespräch wird deutlich, mit wie viel Herzblut Jansen dabei ist, "es ist mein erstes eigenes Projekt".

Stefanie Jansen wurde in Neuss geboren, wuchs in Nievenheim auf, wo noch heute ihre Eltern leben, und baute am Gymnasium Norf ihr Abitur. Schon früh zeichnete sich ab, wohin die berufliche Reise einmal gehen könnte. "Ich habe schon immer Theater gespielt", sagt die 31-Jährige. "Im Kindergarten spielte ich in der Weihnachtsgeschichte die Maria, in der Grundschule in der Janosch-Geschichte den kleinen Bär. Ich wusste, dass ich nur Schauspielerin werden wollte und nichts anderes." Natürlich ging sie während der Schulzeit auch zu Berufsinformationsbörsen, ebenso natürlich wurde sie dort nicht fündig. "Mit der Schauspielerei kann ich etwas tun, was mich zufrieden macht und mir Glücksmomente verschafft."

Nach dem Abitur folgte zunächst die schwierigste Zeit in ihrem Leben. "Mir war klar, dass es sehr sinnvoll ist, an einer Schauspielschule eine Ausbildung zu machen." Was folgte, war ein langwieriger Bewerbungsmarathon. Von ihrem Wohnort Köln aus ging's nach München zum Vorsprechen, wieder zurück und am nächsten Tag in den Norden Deutschlands. "Es war manchmal zum Heulen", sagt Jansen. "Dann komme ich unter tausend Bewerbern in die dritte Runde der letzten 30 – und dann wird es wieder nichts." 2004 passte alles: Sie wurde an der Schauspielschule in Mainz angenommen, lernte drei Jahre lang. Parallel spielte sie am dortigen Staatstheater.

Es sah alles gut aus – bis zu dem Tag des Unfalls. "Aber ich wusste, dass die Ärzte keine Ahnung haben." Und tatsächlich, nach kurzer Zeit war ihr Gedächtnis wieder da. Ein halbes Jahr später wurde sie am Kindertheater in Köln engagiert, "seitdem bin ich im Geschäft".

(NGZ)