Dinslaken: Ein Traditionslandwirt in der Stadtmitte

Dinslaken: Ein Traditionslandwirt in der Stadtmitte

Seit 1877 gibt es den Hof der Familie Vahnenbruck im Zentrum von Dinslaken. In vierter Generation führt nun Heinrich Vahnenbruck den Betrieb. Mit seinem Sohn Johannes steht bereits die fünfte Generation in den Startlöchern.

Eigentlich kommt Familie Vahnenbruck vom so genannten Bremerhof, der in der Nähe des heutigen ND-Jugendzentrums in Dinslakens Stadtmitte lag und wohl schon seit dem 15. Jahrhundert existiert. Von diesem machte sich Johannes Franz Vahnenbruck im Jahre 1877 auf, um einen eigenen Hof zu gründen. Der liegt bis heute an der Konrad-Adenauer-Straße, nur einen Steinwurf entfernt von der Altstadt. Der Kastanienbaum an der Hofeinfahrt stammt noch aus der Gründungszeit des Landwirtschaftsbetriebs. "Darunter habe ich als Kind gespielt", erzählt Heinrich Vahnenbruck.

Mit Johannes Vahnenbruck (27) ist bereits die fünfte Generation auf dem Hof aktiv. Foto: Büttner Martin

Der 57-jährige Landwirt leitet den Betrieb in vierter Generation. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Jutta hat er den Stadtbauernhof auf die Vermarktung regionaler Produkte aus dem eigenen Betrieb oder von Höfen aus der Region im eigenen Hofladen spezialisiert. 900 Hühner sorgen dafür, dass es hier immer frische Eier zu kaufen gibt. Dazu kommen selbst angebaute Kartoffeln, von denen Heinrich Vahnenbruck und sein Sohn Johannes gut 70 Tonnen im Jahr ernten. Mit dem 27-jährigen Spross der Familie ist auch schon die nächste Generation auf dem Hof aktiv. "Wir sind sehr froh darüber, dass sich unser Sohn damals entschieden hat, Agrarwirtschaft zu studieren und sich mittlerweile auch hier in den Betrieb einbringt", sagt Heinrich Vahnenbruck.

Dabei hat der Sohn schon einiges angestoßen. Seit zehn Jahren gibt es neben Hühnern und Schafen nun auch Rinder auf dem Hof. "Ich habe nach meinem Studium angefangen, mich intensiv mit der Rindermast zu beschäftigen", erklärt Johannes Vahnenbruck. Seitdem grasen acht Kühe auf den Streuobstwiesen rund um die Stadt. "Wenn die auf der Wiese stehen und noch Störche dazukommen, ist das schon ein schönes Bild", sagt Heinrich Vahnenbruck. Das Rindfleisch wird auch im eigenen Hofladen verkauft. "Bisher haben wir das immer so gemacht, dass wir Pakete anbieten mit verschiedenen Stücken. Man kann schließlich nicht nur die Steaks verkaufen und auf dem Suppenfleisch sitzenbleiben", sagt Johannes Vahnenbruck. Hier profitiert der Betrieb aber auch davon, dass viele Menschen mittlerweile weniger Fleisch essen, dafür aber genau darauf achten, wo die Produkte herkommen und wie sie erzeugt wurden.

Das hat natürlich etwas mit Nachhaltigkeit zu tun und die ist bei Familie Vahnenbruck immer ein Thema. "Als Landwirt versucht man natürlich so zu wirtschaften, dass auch die nächste Generation noch fruchtbare Böden und gesunde Tiere hat", erklärt Heinrich Vahnenbruck. Auch deswegen setzt man im Hofladen auf Produkte, die entweder von eigenem Hof kommen (Eier, Kartoffeln, Fleischprodukte) oder solche, die von Betrieben in der Region kommen, wie Gemüse und Milchprodukte. "Wir wollen etwas aus der Region für die Region machen", erklärt Heinrich Vahnenbruck. Und die Qualität, die hinter den Produkten steht, erwarten die Kunden, die in den Hofladen der Familie Vahnenbruck kommen natürlich auch. Schließlich sind sie diese teils seit Jahrzehnten gewohnt.

Dabei ist der Bauernhof, der fast in der Innenstadt liegt, auch ein Kleinod in der Umgebung. Viele Menschen spazieren über das Hofgelände in Richtung Altstadt oder schauen sich die Schafe mit ihren Lämmern an, die auf den Wiesen rings um den Hof grasen. Die wenigsten Flächen, die man bei Familie Vahnenbruck bewirtschaftet, befinden sich in ihrem Besitz - auch aufgrund der Lage des Bauernhofes. "Der Großteil sind landwirtschaftliche Pachtflächen", sagt Heinrich Vahnenbruck. Trotzdem ist schon jetzt geplant, sich in der Zukunft noch einmal etwas zu vergrößern.

Auf der anderen Seite der Emscher hat sich die Familie ein landwirtschaftliches Grundstück gekauft. "Dort wollen wir ein zusätzliches Stallgebäude errichten. Langsam wird es etwas eng hier auf dem Hof", sagt Heinrich Vahnenbruck mit einem Lächeln auf den Lippen. Auch eine Investition in die Zukunft des Hofes, in der Johannes Vahnenbruck wohl seinem Vater als "Chef" des Betriebs folgen wird. "Tradition heißt: Das Feuer hüten und nicht die Asche aufbewahren", zitiert Heinrich Vahnenbruck Johannes XXIII. "Das Zitat stammt zwar von einem Papst, passt aber auch bei der Landwirtschaft ganz gut", sagt er. Und so wird dann wohl auch die fünfte Generation der Familie Vahnenbruck eine Zukunft auf dem Bauernhof inmitten der Stadt haben.

(fla)