Dinslaken: Niederrheinmuseum steht vor dem Start

Dinslaken: Niederrheinmuseum steht vor dem Start

Ab Sonntag ist das Preußen-Museum endgültig Geschichte. Dann nimmt das neue LVR-Niederrheinmuseum nach langem Umbau feierlich den Betrieb auf. Gezeigt wird die ambitionierte Schau "Wesel und die Niederrheinlande".

Draußen wuseln Heerscharen von Gärtnern durch die Grünanlagen, drinnen nageln, schrauben und pinseln Handwerker und Techniker: Das Körnermagazin der Zitadelle wirkt wie ein Bienenstock. So soll es im Grunde auch bleiben, nur dass ab Sonntag eben Besucher für den Betrieb sorgen mögen. Das wünschen sich unmittelbar vor dem Start des neuen LVR-Niederrheinmuseums die Protagonisten, die drei Jahre Arbeit und mehrere Millionen Euro in die Zukunft des ehemaligen Preußen-Museums gesteckt haben. Mit mindestens 300 geladenen Gästen wird am Sonntag zur offiziellen Eröffnung gerechnet, die aus Platzmangel nicht im Museum selbst, sondern ab 11 Uhr im Lutherhaus gefeiert wird. Ab 14.30 Uhr kann dann jeder die Start-Ausstellung "Wesel und die Niederrheinlande. Schätze, die Geschichte(n) erzählen" durchwandern.

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp brachte bei einer kleinen Vorab-Präsentation gestern schiere Freude über den mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) als neuem Träger erreichten Durchbruch zum Ausdruck. Wesel werte das Museum als klare Bereicherung. Persönlich findet Westkamp es besonders schön, dass sich wirklich jeder künftig in dem regional- und kulturgeschichtlich einzigarten Haus umsehen kann. Bekanntlich ist in allen LVR-Museen am ersten Freitag des Monats der Eintritt frei. Auch in Wesels neuem kulturellen Flaggschiff, das, wie LVR-Kulturdezernentin Milena Karabaic beipflichtet, mit moderaten Preisen aufwartet.

Erwachsene zahlen künftig 4,50 Euro (ermäßigt 3,50), Familien sind mit acht Euro dabei. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. In Gruppen ab zehn Personen zahlen Erwachsene pro Kopf vier Euro, Schüler nichts. Für Führungen größerer Gruppen gibt es je nach Teilnehmerzahl, Alter und Wochentag gestaffelte Preise. Auch Fremdsprachenführungen können gebucht werden. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 uhr.

Apropos Fremd- beziehungsweise Nachbarsprachen: Bereits stark beworben wird das Museum in den Niederlanden, die sich nicht von ungefähr im Ausstellungstitel Niederrheinlande wiederfinden. Museumsdirektor Veit Veltzke wies auf den besonderen Anspruch hin, Kultur und Geschichte der Region grenzüberschreitend darzustellen. Gerade auch in Wesel selbst begegne man geschichtlich auf Schritt und Tritt Bezügen zu den Niederlanden, Flandern und Brabant.

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Veltzke spricht in diesem Zusammenhang von einer über Jahrhunderte permanenten Migration hin und her, die erst durch das Aufkommen der Nationalstaaten unterbrochen wurde und der man sich nun wieder neu besinnen könne. Zum Beispiel mit dem durchaus identitätsstiftenden Niederrheinmuseum.

Zusammengefasst werden die Wechselbeziehungen in den vielen Szenen auf dem Großpanorama des Weseler Marktlebens im 16. Jahrhundert, das die Rheinische Post unlängst auf einer Doppelseite präsentiert und erläutert hatte. Diese beeindruckende Darstellung, auf der Weseler von heute ihre Vorgänger spielen, schmückt jetzt auch die Kopfseite des Körnermagazins und verdeckst so ganzflächig die bislang vom Südring aus einsehbare Haustechnik.

Zurück zur Besucherfreundlichkeit: Diese drückt sich nicht nur in den Eintrittspreisen aus. Wie beim LVR üblich, so wurde auch das Weseler Museum aufwendig barrierefrei gestaltet. Es gibt ein taktiles Leitsystem für Sehbehinderte, das bereits vor der Tür beginnt. Es gibt Türen mit selbstöffnender Annäherungselektronik für Rollstuhlfahrer. Es gibt Induktionsschleifen im Kassenbereich für gehörlose Gäste. Zusätzliche zweite Handläufe, Stufenmarkierungen und ein Bedientableau im Aufzug gehören ebenfalls zum Paket. Folgen wird ein Gebäudemodell zur Orientierung per Berührung für Sehbehinderte, erläuterten die Bauspitzen des LVR, Detlef Althoff und Thomas Stölting.

Inhaltlich werden alle Niederrheiner etwas über ihre Heimatorte erfahren können. Wer also in den Osterferien nicht in die Ferne reist, wird vor der Haustür spannende Geschichte(n) erleben können.

(fws)