Duisburg: Museum Küppersmühle wird 20 Jahre alt

Museum Küppersmühle : Museum Küppersmühle feiert Jubiläum

Vor 20 Jahren wurde das MKM eröffnet. Der Umbau des Mühlengebäudes zu einem vorbildlichen Kunsthaus war ebenso spektakulär wie die Erweiterungspläne, die nach zwischenzeitlichem Scheitern nun offenbar realisiert werden.

Die Geschichte des Museums Küppersmühle für moderne Kunst am Duisburger Innenhafen verlief, wie man harmlos formulieren könnte, höchst „wechselhaft“. Zunächst war alle Welt des Lobes voll, dass aus dem ehemaligen Getreidespeicher ein international bedeutsames und architektonisch vorbildliches Museum wurde. Jahre später schien das Museum zu einem Geldgrab zu werden. Nun sieht es so aus, dass das MKM wieder positive Schlagzeilen macht. Zu jenen positiven Schlagzeilen gehört der 20. Geburtstag des Museums, der seit Anfang April bis hinein in den September gefeiert werden soll.

Dass jetzt das 20-jährige Bestehen des MKM gefeiert werden kann, erschien vor drei Jahren noch ziemlich ungewiss. Eine Zeitlang schien es, dass das Museum in einem Fiasko enden würde. Der Grund war die geplante Erweiterung des Museums: Der Plan war spektakulär, spektakulär war auch sein Scheitern. Ein riesiger Erweiterungsbau, 55 Meter lang, 29 Meter breit und 17 Meter hoch, sollte als gigantischer Leuchtkörper auf das Dach des Museums gesetzt werden, halb über den Abgrund schwebend. Daraus wurde nichts, weil das Stahlgerüst von der entsprechenden Firma so fehlerhaft geschweißt wurde, dass Reparaturarbeiten sinnlos waren. Die Firma ging in Konkurs, für das städtische Immobilienunternehmen Gebag entstand ein Schaden von – wie man heute weiß – 40 Millionen Euro.

Die Wende kam 2013, als das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher das Museum übernahm, um selber für die Erweiterung zu sorgen. Und diese Erweiterung verläuft nach Plan. Bemerkenswert ist, dass die Ströhers an den Architekten festhielten, die den als „Schuhkarton“ verspotteten Erweiterungsbau konzipiert hatten. Es handelt sich um das Büro Herzog & de Meuron, das viel gerühmt wurde, weil es das ehemalige Speichergebäude aus dem Jahr 1912 in ein einzigartiges Museum für moderne Kunst verwandelt hatte.

Der neue Gebäude-Entwurf ist eine glatte Kehrtwende zum ersten Erweiterungskonzept, bei dem Alt und Neu als leuchtender Gegensatz die architektonische Pointe war. Hieß die alte Devise „weithin sichtbar“, so heißt die neue „weithin unsichtbar“, denn der neue Baukörper am Kopf des Museums soll wirken, als habe er dort schon immer gestanden.

Die Architektur wurde vom Kopf auf die Füße gestellt, aus dem buchstäblichen Leuchtturmprojekt wurde ein solider Anbau; eine ebenerdige Verlängerung des Museums Küppersmühle, die nicht an statischen Problemen scheitern kann. Im April 2017 war die Grundsteinlegung, der Rohbau soll Ende des Jahres fertig sein, dann folgt die Inneneinrichtung. Wenn alles wie bislang nach Plan verläuft, steht der Erweiterungsbau mit einer zusätzlichen Ausstellungsfläche von 2500 Quadratmeter ab dem Frühjahr oder Sommer 2020 zur Verfügung.

In dem fast um das Doppelte vergrößerten Museum ist es dann möglich, die großen Linien der riesigen Kunstsammlung von Sylvia und Ulrich Ströher zu zeigen. Die heutigen Bestände gehen auf die 2005 erfolgte Fusion der Sammlung Ströher mit der ehemaligen Sammlung des aus Duisburg stammenden Immobilienunternehmers Hans Grothe zurück.

Viele der Sammlungskünstler gehören international zu den wichtigsten, darunter Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Jörg Immendorff, Rosemarie Trockel oder Gerhard Richter.

Bei all dem ist bemerkenswert, dass die in Darmstadt lebenden Ströhers, die als Erben des Wella-Konzerns über ein Milliardenvermögen verfügen, trotz des Bauskandals am MKM festhielten, es übernahmen und den Anbau selber über ihre MKM-Stiftung finanzieren. Über die Kosten des Anbaus verlieren die Ströhers übrigens kein Wort.

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