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Architektur auf dem Osterei

Dinslaken : So kommen Kirchen und Häuser aufs Ei

Ursula Bosserhoff malt Ostereier nicht einfach bunt. Die Kunsthandwerkerin verziert die Schalen in einer Kombination aus Architekturzeichnung und Aquarell mit bekannten Gebäuden.

Bei der Osterausstellung im Museum Voswinckelshof sammeln sich Besucherinnen vor dem Stand von Ursula Bosserhoff und staunen. Denn vor ihnen ausgebreitet ist ein Potpourri aus bekannten Bauwerken aus der Region, verewigt auf der Schale von Eiern. „Ostereier bemalen hieß für mich früher immer, Hasen und Blumen zu malen, und daran hatte ich keinen Spaß“, sagt Ursula Bosserhoff. Dann sah sie bei einer Ausstellung eine junge Dame, die mit Tusche auf die Schale von Eiern zeichnete und wurde dadurch dazu inspiriert, Bauwerke auf die Eier zu malen. „Architekturzeichnung hat mir schon in der Schule Spaß gemacht“, erklärt sie. Dazu kam Wissen, das sie sich in einem Aquarellkursus bei der Volkshochschule angeeignet hat. „Mit der Zeit kamen dann immer mehr Motive dazu“, sagt sie – Kirchenbauten, Baudenkmäler, Verwaltungsgebäude und einiges mehr.

Die Arbeit beginnt immer mit einem Foto. Mit der Kamera nimmt Ursula Bosserhoff ein Bild des Gebäudes auf, das sie auf die Eier bringen möchte. Danach erstellt sie eine Bleistiftzeichnung in einem Skizzenblock, die sie später auf die Eierschale überträgt. Die Eier für ihre Arbeit bekommt Ursula Bosserhoff auf unterschiedlichen Wegen: Die Hühnereier sammelt sie selbst das ganze Jahr über für ihre kleinen Kunstwerke. Gänseeier für die etwas größeren Kunstwerke bestellt sie sich, fertig ausgeblasen. Die Arbeit am Ei beginnt sie dann mit einem leichten Blau. „Zuerst kommt bei mir immer der Himmel als Grundierung“, sagt sie. Dann greift sie wieder zum Bleistift. Die Linien des entstehenden Gebäudes zeichnet sie erst mit dem Bleistift vor. „Dann kann ich noch etwas radieren, wenn es mal nicht so passt“, erklärt sie. Allerdings gibt es dabei etwas zu beachten: Wenn man eine vertikale Linie zieht, sollte man die Stelle, wo die Linie entstehen soll, gerade nach oben halten. „Ansonsten werden die Linien nachher etwas krumm“, sagt Ursula Bosserhoff. So entstehen dann die Linien des Gebäudes.

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Danach malt sie die farbigen Flächen wie etwa rot gedeckte Dächer mit Aquarellfarbe aus. „Dann kommt mein Pinsel mit den drei Haaren zum Einsatz“, sagt die Künstlerin mit einem Lächeln. Gemeint ist ein extrem dünner Pinsel, mit dem sie dann vorsichtig in Schwarz die vorher mit dem Bleistift gezeichneten Linien nachmalt. Dann werden die Konturen noch mit gemalten Schattenwürfen versehen. „So bekommt das Motiv die Tiefe“, erklärt Ursula Bosserhoff. Es folgen weitere Farbflächen rund um die Gebäude wie grüne Wiesen oder graue Straßen oder auch Bäume oder Büsche und schließlich Ursula Bosserhoffs persönliches Erkennungsmerkmal: drei kleine, nur als geschwungene schwarze Linien erkennbare Vögel über den Gebäuden am Himmel.

Bemalt wird bei ihr allerdings nicht nur die Vorderseite der Eier, sondern auch die Rückseite. „Es soll ja schließlich nicht so kahl sein“, sagt Urusula Bosserhoff. Wenn ihre Motive aus der Umgebung kommen, malt sie eine Kopfweide auf die Rückseite der Eierschale. Fertig sind die kleinen Kunstwerke damit allerdings noch nicht. Ursula Bosserhoff besprüht die fertig bemalten Eier noch mit einem Klarlack. „Die Aquarellfarbe ist wasserlöslich und ohne das Lackieren würde es nicht lange dauern, bis die Bilder verwischt sind“, erklärt sie. Durch den Lack werden die Motive aber nicht nur dauerhaft haltbar gemacht, sondern bekommen auch einen besonderen Glanz, der ihnen Leben verleiht.

Zum Schluss fädelt sie noch mit Hilfe von abgebrochenen Zahnstochern ein Band durch das Loch an der Oberseite der Eier und verklebt das durch das Loch geführte Holzstück, um das der Faden oder das Band gebunden ist. So lassen sich die kleinen Kunstwerke dann am Ende schön aufhängen oder dekorativ in ein Osternest legen. An einem Motiv sitzt sie mehrere Stunden. „Meistens bemale ich 10 oder 15 Eier zur selben Zeit mit dem gleichen Motiv. So muss ich nicht die Farben wechseln oder warten, bis die Farbe getrocknet ist“, erklärt sie.

Und so bemalt die 78-Jährige immer wieder gerne Eier. „Das macht mir einfach Spaß und so lange meine Hände mitmachen, mache ich das auch weiter“, sagt sie. Dabei ist sie auch gerne bei der Osterausstellung mit von der Partie. „Es ist mir wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und Besuchern auch Tipps und Anregungen zu geben.“ Zudem mag sie die Gemeinschaft der Kunsthandwerker, die hier, genau wie sie, ihre Waren zu Ostern anbieten.